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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.05

„Armut ist der Hauptgrund für Kinderarbeit“

Michael Heuer, Sprecher des Hilfswerks „terre des hommes“, über Wege aus der Misere

Welchen Trend gibt es weltweit bei der Kinderarbeit?
Die Internationale Arbeitsorganisation ILO schätzt, dass 211 Millionen Kinder unter 15 Jahren ökonomisch aktiv sind; davon schuften 186 Millionen unter ausbeuterischen Bedingungen. In Lateinamerika gibt es zwar einzelne Länder, in denen die Kinderarbeit aufgrund einer verbesserten wirtschaftlichen Entwicklung rückläufig ist. Das gilt aber keineswegs für den ganzen Kontinent. In Südostasien
wiederum ist während der so genannten Asienkrise die Zahl arbeitender Kinder stark angestiegen. Kurz gesagt: Es gibt keinen einheitlichen Trend.

Welches sind die Hauptursachen?
Armut ist der Hauptgrund. Aber es gibt auch, etwa in Afrika, eine lange Tradition, Kinder in der Landwirtschaft zu beschäftigen. terre des hommes geht davon aus, dass Kinderarbeit selbst Armut verursachen kann: In vielen Regionen und Branchen sind Erwachsene arbeitslos, ihre Söhne und Töchter schuften zu Hungerlöhnen. Zudem haben Kinder, die nie eine Schule besucht haben, keine Chance, je etwas
anderes als Tagelöhner oder Hilfsarbeiter zu werden.

Wie können Verbraucher den Kampf gegen Kinderarbeit unterstützen?
Sie können sich mit ihrer Kaufentscheidung an diesem Kampf beteiligen. Stellt ein Verbraucher beim Kauf kritische Fragen, zeigt dies dem Unternehmen, dass der Kunde nicht nur ein Interesse daran hat, gut und günstig zu kaufen. Sondern auch daran, unter welchen Bedingungen die Waren hergestellt werden. Kinder arbeiten jedoch nicht nur in der Produktion für den Export. Mehr als 90 Prozent von ihnen schuften für den heimischen Markt. Ihnen hilft terre des hommes mit einer Reihe von Projekten.