Jetzt abonnieren Magazinarchiv durchsuchen

Greenpeace Magazin Ausgabe 3.05

„Keinerlei Qualifikation“

Heffa Schücking, Geschäftsführerin der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Urgewald, über die Ernennung des Hardliners Paul Wolfowitz zum Präsidenten der Weltbank

GPM: Was halten Sie von dem neuen Weltbank-Chef?
Heffa Schücking: Wolfowitz hat keinerlei Qualifikation in den wichtigsten Bereichen seines neuen Jobs: Entwicklung, Armutsbekämpfung und Umwelt. Danach wurde das Amt aber leider noch nie besetzt. Für das Weiße Haus ist die Weltbank nur ein Instrument, um die Welt für die Interessen von Big Oil gefügig zu machen.

Warum hat Europa Wolfowitz nicht verhindert?
Die Bundesregierung zum Beispiel ist scharf auf einen Sitz im UN-Sicherheitsrat und braucht dafür die Unterstützung der USA.

Werden die Umwelt- und Sozialstandards der Weltbank noch ernst genommen?
Im Moment findet ein Generalangriff auf die Standards statt, für die Umwelt- und Menschenrechtsgruppen und indigene Völker jahrzehntelang gekämpft haben. Ob ein Projekt umweltverträglich ist, ob indigene Völker oder Kulturgüter genug geschützt werden, soll künftig nicht mehr die Weltbank entscheiden, sondern zum Beispiel die Firma, die einen Staudamm oder eine Pipeline baut – als hätte es die ganze Rio-Debatte um nachhaltige Entwicklung nie gegeben.

Wirkt sich das schon auf aktuelle Projekte aus?
Jüngstes Beispiel für die Rückkehr in die Ära zerstörerischer Großprojekte ist der Nam-Theun-Großstaudamm in Laos, der die Lebensgrundlagen von 120.000 Menschen bedroht.

Auch die Bundesregierung hat dem Projekt zugestimmt. Werden denn die selbst gesetzten ökologischen und sozialen Kriterien erfüllt?
Nein. Ministerin Wieczorek-Zeul befürwortet zwar die Kriterien der Weltstaudammkommission, nach denen dieser Damm nie gebaut werden dürfte. Aber in der Realität sagt die Bundesregierung in der Weltbank fast immer ja zu allem.

Von Wolfensohn zu Wolfowitz – wohin bewegt sich die Weltbank?
Es hat schon Symbolwert, wenn ein Mann an die Spitze der Bank kommt, der für das Recht des Stärkeren steht und in seiner Karriere eine imperiale Politik betrieben hat. Umso wichtiger ist es, dass Europa die Umwelt- und Sozialstandards nicht kampflos aufgibt. Das erwarten wir besonders von der rot-grünen Bundesregierung.

Interview: Michael Friedrich