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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.15

1 Tag

20 Millionen Tonnen noch essbarer Lebensmittel landen jährlich in Deutschland im Müll. Die „Foodsharing“-Bewegung will diese Verschwendung stoppen. Die Aktivistin Nicole Klaski Zeigt einen Tag lang, wie das gelingen soll

09:00 Uhr Wir bauen in der Rothehausstraße in Köln-Ehrenfeld einen Stand auf: Hier findet an diesem Junitag ein Nachbarschaftsfest statt. Ein guter Ort, um für die Wertschätzung von Essen zu werben!

10:30 Uhr Bevor unsere Aktion beginnt, legen wir noch eine Frühstückspause ein – mit leckerem Essen, das wir am Tag zuvor bei einem Supermarkt abgeholt und so vor der Tonne gerettet haben.

12:30 Uhr Brot schmeckt ja auch am nächsten Tag noch! Wenn ich Menschen Lebensmittel schenke, dann interessieren sie sich dafür, wo sie herkommen – so eine Aktion funktioniert also wie von selbst.

11:45 Uhr Beim Abholen der Lebensmittel kommt man schnell ins Gespräch. „Besser weggeben als in den Müll“, sagt Anita von der „Meister-Backstube“ und reicht mir die Reste. Wir nehmen nur mit, was die Tafel nicht braucht, um Bedürftige zu versorgen.

14:00 Uhr Oft überlassen uns die Betriebe so viele Lebensmittel, dass wir sie kaum tragen können. Deshalb haben wir uns ein Lastenrad gebaut. Wir nennen es liebevoll „die Lara“. Damit lassen sich auch größere Mengen ganz leicht transportieren.'

14:30 Uhr Essen, das wir Lebensmittelretter nicht selbst verbrauchen, bringen wir zu sogenannten Fair-Teilern. In Köln sind das allein 16 öffentliche Plätze, dort kann sich jeder bedienen.

15:00 Uhr Weiterhin gibt es sehr viele Backwaren am Stand! Zwischendurch bringe ich deshalb einen Sack davon zu einer unserer Stationen. Noch vor dem Haus nimmt ein Paar bereits dankend zwei Brote entgegen.

17:00 Uhr Viele Leute kommen an diesem Tag zu unserem Stand, die Menschen sind neugierig! Lebensmittel retten heißt für mich auch, Freude am gemeinsamen Essen und Kochen zu haben. Deshalb bereiten wir aus überschüssigen Lebensmitteln bis zum Ende des Straßenfestes Suppen und Eintöpfe zu, die wir an Passanten verteilen. „Und wie viel kostet das jetzt?“, „Gebt ihr das wirklich gratis raus?“ Das hören wir hier die ganze Zeit. Das ist dann immer ein guter Einstieg für ein Gespräch über Essensverschwendung und was man dagegen tun kann.

Foodsharing
Lebensmittelretter kooperieren mit Privatpersonen und Händlern, um überschüssiges Essen vor der Tonne zu bewahren. Auf der Internetseite foodsharing.de verabreden sie sich, um die Nahrungsmittel abzuholen und anschließend selbst zu verbrauchen oder mit anderen zu teilen. 8200 Ehrenamtliche haben seit 2013 nach eigenen Angaben 1800 Tonnen Essen gerettet.