Greenpeace Magazin

Ausgabe 1.18

1.18 – Vorneweg

Hier reden wir miteinander, liebe Leserinnen und Leser ...

KS     … und so kommt es, dass die ersten Zeilen in dieser Ausgabe etwas anders daherkommen als noch beim letzten Mal.
KL     Weil wir jetzt auch hier in unserem „Vorneweg“ etwas Neues versuchen!
KS     Es hieß neulich mal in einer Blattkritik, dass das bisherige Editorial ein bisschen hölzern wirkt. Ich glaube, das war das Wort. Und dass der Leser ahnt, dass wir diesen Text in den zurückliegenden Ausgaben nicht Zeile für Zeile gemeinsam geschrieben haben.
KL     Dass wir zwei Einzelne sind, die nicht im Wortsinne mit einer Stimme sprechen – das kann man hier durchaus transparent machen.
KS     Womit wir schon bei dieser Ausgabe wären, der dritten monothematischen seit unserem Relaunch im Sommer. Da steht jetzt passenderweise „Einzelkämpfer“ vorne drauf – wobei ich uns so nun auch nicht bezeichnen würde.
KL     Der erste Arbeitstitel war mal „Allein zu Haus“...
KS     … weil sie kurz vor Weihnachten erscheint und weil wir offensichtlich beide „Kevin allein zu Haus“ im Kopf hatten.
KL     Vor allem aber, weil die letzte Ausgabe im Jahr immer etwas Einzigartiges ist. Nach unserem Klima-Heft, in dem wir uns in zahlreichen fachlichen Facetten unserem wichtigsten Kernthema gewidmet haben, wollten wir eine Abwechslung in Form und Inhalt bieten: ein bisschen weg vom Überbau gehen und gleich die Menschen und ihre Tatkraft in den Mittelpunkt stellen.
KS     Die Idee ist geblieben. Aber so eine Titelzeile verwirft und redefiniert man ja mindestens so oft wie einen guten Texteinstieg.
KL     Außerdem bleibt jemand, der etwas Gutes tut, nicht lange allein. Hoffentlich!
KS     „Einer für alle“ war dann im Gespräch.
KL     Das hat gleich so was von Heldenporträt. Als würden wir hier alle auf einen Sockel stellen.
KS     Aber „Einzelkämpfer“ sind sie! Interessant ist, dass wir damit auf den ersten Blick einen gesellschaftlichen Trend betonen, den wir durch-aus kritisch sehen: Individualismus und Egoismus stehen nur zu oft im krassen Widerspruch zum Nutzen für die Gemeinschaft. Das haben kurz vor unserem Redaktionsschluss die Enthüllungen rund um die sogenannten Paradise Papers gezeigt.
KL     Wenn man in unsere Geschichten eintaucht, vom Atomprotestveteranen in Ahaus über einen grünen Ratsherren im niedersächsischen Güllegürtel bis zum langzeitinhaftierten Bürgerrechtler in den USA, merkt man aber: Das sind alles keine Egoisten – oder Menschen, die sich nur um ihrer selbst willen engagieren.
KS     Und es sind alles keine Abgeschotteten! Das sind Leute, die vorangehen. Auf die vielleicht am ehesten eine Erkenntnis des deutschen Soziologen Ferdinand Tönnies zutrifft. Der wusste schon Ende des 19. Jahrhunderts, dass es keinen Individualismus gibt, der nicht auf Gemeinschaft fußt und in Gesellschaft mündet.
KL     So wie ja auch dieses Gespräch auf unserer Gemeinschaft fußt und vielleicht mit der einen oder anderen Anregung in Gesellschaft mündet.
KS     Bleibt noch die Frage, ob es uns gelungen ist.
KL     Das müssen nun Sie entscheiden, liebe Leserinnen und Leser.
KS     Und wenn die Antwort positiv ausfällt und Sie zu Weihnachten sogar ein Abo verschenken, freuen wir uns.
KL     In der Hinsicht sprechen wir – jedenfalls im übertragenen Sinne – tatsächlich mit einer Stimme.

Eine inspirierende Lektüre wünschen Ihnen die Chefredakteure
Kerstin Leesch KL & Kurt Stukenberg KS