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Greenpeace Magazin Ausgabe 4.15

Alarmstufe Krebs

Text: Andrea Hösch

Um das Herbizid Glyphosat tobt ein Expertenstreit. Letztlich geht es um die Frage, ob das Mittel in der EU künftig verboten sein wird
Wer bei Coop oder Migros Unkrautvertilger mit Glyphosat kaufen will, geht leer aus. Die Schweizer Handelshäuser haben das umstrittene Mittel mit sofortiger Wirkung aus ihren Regalen verbannt. Nicht ganz so konsequent reagierte die Kölner Rewe-Gruppe: In ihren 350 Toom-Märkten sollen alle glyphosathaltigen Produkte spätestens Ende September 2015 aus dem Sortiment verschwunden sein. Losgetreten hat diese Welle eine Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Deren Expertengremium International Agency for Research on Cancer stufte das weltweit am häufigsten eingesetzte Herbizid Ende März als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ ein.

Für den US-Saatgutkonzern Monsanto, der mit Glyphosat ein Drittel seines Umsatzes macht, hätte der Zeitpunkt nicht heikler sein können. Denn Ende des Jahres steht die Verlängerung der Zulassung in der EU für weitere zehn Jahre an. Bislang lässt sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) aber von der WHO-Studie nicht beirren. Das Ergebnis sei „schwer nachvollziehbar“, erklärte die Berliner Behörde. Sie bleibt dabei: Glyphosat sei nicht kanzerogen. Für Umwelt- und Verbraucherschützer ist das eine schlechte Nachricht. Denn das BfR-Votum ist für die EU-Entscheidung ausschlaggebend, weil Deutschland in dem Verfahren offiziell federführend ist.

Umso mehr Druck machen die Glyphosatgegner: In einem offenen Brief forderte die grüne Bundestagsfraktion Baumärkte wie Obi und Bauhaus auf, Glyphosat-Produkte auszulisten. Und die Verbraucherschutzminister der Länder sprachen sich Anfang Mai für ein Verbot des Giftstoffes in Privatgärten und öffentlichen Parks aus. Außerdem wollen sie den Einsatz der Mittel in der Landwirtschaft kritisch prüfen.

Andere Länder reagieren beherzter auf die Gesundheitsgefahren: Sri Lanka und die Bermudas haben den Import sämtlicher Glyphosat-Produkte ab sofort ausgesetzt.