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Greenpeace Magazin Ausgabe 1.15

Aluminium frisst Wasserfälle

Island verscherbelt seine Naturschätze. Der Schriftsteller Andri Snær Magnason will diesen Ausverkauf stoppen
„Mit dem Frieden begann in Island der Krieg gegen die Natur“, sagt Andri Snær Magnason. 2006 stand Island unter Schock, als die US-Soldaten nach dem Kalten Krieg abzogen und damit zweitausend Arbeitsplätze wegfielen. Zur selben Zeit erschien das Buch „Traumland“, in dem Islands bekanntester Schriftsteller fragt: „Was bleibt, wenn alles verkauft ist?“ Schon zwei Jahre vor der Finanzkrise, die das kleine Land erschütterte, ahnte Magnason, dass nach der Schließung der amerikanischen Stützpunkte der Raubbau an der Natur das Wirtschaftswachstum ankurbeln sollte. Durch billige Wasserkraft ins Land gelockt, betreiben internationale Konzerne wie Glencore, Rio Tinto und Alcoa inzwischen drei Aluminiumschmelzen. 2015 sollen es fünf sein. Um die umweltschädliche Schwerindustrie zu speisen, werden Stromleitungen verlegt, Straßen gebaut und ein Fluss nach dem anderen aufgestaut. Hinter gigantischen Dämmen versinken ganze Täler des weitgehend unberührten Hochlands. Die Wildnis Islands mit ihren Gletschern, Vulkanen, Geysiren und Wasserfällen zieht bislang jedes Jahr fast 400.000 Touristen an. Seit langem protestieren Umweltschützer und Künstler wie die Sängerin Björk gegen diese zerstörerische Entwicklung. „Statt immer neue Hütten zu bauen, müssten wir Aluminium endlich recyceln“, fordert Magnason. „95 Prozent aller Aluprodukte könnte man wiederverwenden, aber es passiert nicht.“

Das riesige Potenzial Islands an erneuerbaren Energien ist Segen und Fluch zugleich. Die Insel produziert fünfmal so viel sauberen Strom, wie ihre rund 325.000 Bewohner brauchen. Aber anstatt ihn für Elektroautos oder nachhaltige Herstellungsprozesse zu nutzen, fördert das Land Aluminiumkonzerne, deren Profite ins Ausland fließen. „Dafür dürfen wir unser Naturparadies nicht opfern“, mahnt der Autor.
savingiceland.org