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Greenpeace Magazin Ausgabe 1.15

Ausgezeichneter Frieden

Der renommierteste Friedenspreis der Welt wird vom Establishment verliehen. Seit 1980 gibt es eine Alternative, die für alle da sein will.

Friedensnobelpreis

Der Preis – Er ist mit rund 865.000 Euro dotiert und wird seit 1901 in Oslo am 10. Dezember verliehen, dem Todestag von Alfred Nobel. Nach seinem Willen geht er „an denjenigen, der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt hat“.

Stifter Alfred Nobel – Der schwedische Chemiker verfügte 1895 die jährliche Verleihung des Friedensnobelpreises neben vier weiteren Preisen in seinem Testament. 1866 war er mit der Erfindung des Dynamits reich geworden, aus den Zinsen wird der Preis bis heute finanziert. Nobels Seitenwechsel hatte die österreichische Pazifistin Bertha von Suttner mit ihrer Schrift „Die Waffen nieder!“ ausgelöst. Sie erhielt den Friedensnobelpreis 1905 als erste Frau.

Jury – Sechs ehemalige Mitglieder des norwegischen Parlaments, für sechs Jahre vom Parlament gewählt. Sie werden von einer kleinen Gruppe norwegischer Universitätsprofessoren beraten.

Vorschlagsrecht
- Mitglieder von Nationalversammlungen und internationalen Gerichtshöfen
- Universitätsrektoren und Professoren bestimmter Geisteswissenschaften
- Direktoren von Friedensforschungsinstituten und Außenpolitikinstituten
- Nobelpreisträger sowie aktive und ehemalige Mitglieder des Nobelpreiskomitees und ehemalige Berater

Preisträger 2014 – Ausgewählt aus 278 Kandidaten: Malala Yousafzai, pakistanische Kinderrechtsaktivistin, und Kailash Satyarthi, indischer Kinderrechtler

Kritik und Klage
„Es gibt ein Nobelpreisschema. Den Preis bekommen Personen mit Ansichten, die mit der norwegischen Außenpolitik kompatibel sind“, sagt der norwegische Friedensforscher Johan Galtung. Der norwegische Jurist Frederik F. Heffermehl erstattete im April 2014 sogar Strafanzeige gegen das Komitee: „Es hat Nobels Vision vollständig aus den Augen verloren.“ Der Preis sei für den antimilitaristischen Kampf bestimmt, die Jury lege ihn zu allgemein aus.

Umstrittene Auszeichnungen
1973: US-Außenminister Henry Kissinger wurde für seine Friedensverhandlungen mit Vietnam ausgezeichnet. Er war aber auch mitverantwortlich für das völkerrechtswidrige Flächenbombardement in Kambodscha. 2009: US-Präsident Barack Obama erhielt den Preis, weil er ein neues Klima in der internationalen Politik geschaffen habe. Danach begann er einen blutigen Drohnenkrieg gegen islamistische Terroristen. 2012: Die EU habe Europa den Frieden gebracht. An ihren Grenzen lässt sie jedoch tausende Flüchtlinge sterben. Mahatma Gandhi hingegen wurde nie ausgezeichnet, obwohl er fünfmal nominiert war.

Right Livelihood Award – „Alternativer Nobelpreis“

Der Preis – Er ist mit rund 162.000 Euro dotiert und wird seit 1980 in Stockholm verliehen. Er geht an „Menschen und Initiativen, die Lösungen für die dringendsten Probleme unserer Zeit finden und erfolgreich umsetzen“.

Stifter Jakob von Uexküll – Der schwedisch-deutsche Briefmarkenhändler schlug der Nobelpreisstiftung 1980 zwei neue Preise vor: für Ökologie und die Überwindung von Armut. Als diese ablehnte, gründete er den Right Livelihood Award. Die ersten fünf Jahre finanzierte er den Preis mit seinen Briefmarken, heute tragen ihn Spenden. Familie Nobel sympathisiert mit Uexkülls „Alternativem Nobelpreis“. Peter Nobel, ein schwedischer Anwalt und Menschenrechtsexperte, saß 2009/10 sogar im Stiftungsrat.

Jury – Wechselnde Mitglieder unterschiedlicher Herkunft und Berufe, eingeladen vom Stiftungsvorstand. Sie werden von schwedischen Experten beraten.

Vorschlagsrecht – Jeder, der möchte: research@rightlivelihood.org,
Right Livelihood Award Foundation, PO Box 15072, 104 65 Stockholm, Sweden

Preisträger 2014 – Ausgewählt aus 120 Kandidaten: Edward Snowden und Alan Rusbridger, NSA-Enthüller. Asma Jahangir, pakistanische Menschenrechtlerin. Basil Fernando, Menschenrechtler aus Sri-Lanka. Bill McKibben, US-Klimaaktivist