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Außer Kontrolle

Greenpeace Magazin Ausgabe 6.13

Außer Kontrolle

Text: Kurt Stukenberg Foto: Paul Shambroom

Schritt für Schritt wird der Krieg an Maschinen delegiert. Inzwischen sind Drohnen auch zu Land und zu Wasser im Einsatz. Die Kampfroboter könnten künftig sogar eigenständig über Leben und Tod entscheiden. Ein Besuch auf der größten Drohnen-Messe der Welt

Deutschland steht mit Drohnen auf Kriegsfuß. Zumindest gilt das für das unbemannte Aufklärungsflugzeug Euro Hawk. Mitte Mai zog Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière bei dem mindestens 500 Millionen Euro teuren Projekt die Reißleine. Nach jahrelangem Bemühen scheiterte der Kauf an explodierenden Kosten und der Zulassung für den deutschen Luftraum.

„Na, wollen Sie eine kaufen?“, fragt ein Herr um die sechzig in dunklem Anzug und mit krausen Haaren seine beiden Gesprächspartner und deutet auf ein Foto der Drohne Global Hawk. „Könnte aber ziemlich teuer werden“, schiebt er hinterher und lacht. Die drei amüsieren sich über die gelungene Pointe. Es ist Mitte August in Washington. Während sich dieser Tage im rund 6000 Kilometer entfernten Berlin Thomas de Maizière einem Bundestagsuntersuchungsausschuss zur Drohnenaffäre stellen muss, ist das Thema ausgerechnet am Messestand von Northrop Grumman Anlass zur Heiterkeit – jenes Herstellers, der die Basisversion für die europäische Variante der amerikanischen Global Hawk hätte liefern sollen. Hier scheint das geplatzte Geschäft aber niemanden groß zu sorgen, denn die Branche ist längst weiter.

Die internationale Lobbyorganisation Association for Unmanned Vehicle Systems International (AUVSI) hat zur größten Drohnen-Messe der Welt in die US-Hauptstadt geladen. Die Atmosphäre ist ungezwungen und gleicht einem großen Familientreffen, man kennt sich. Die Männer im Anzug begrüßen sich mit Handschlag, für die wenigen Frauen im Kostüm gibt es Küsschen rechts, Küsschen links. Die knapp 600 Aussteller aus 40 Ländern wissen, dass die Produkte, die sie hier zeigen, den internationalen Rüstungsmarkt der Zukunft dominieren werden. Unter anderem sind Firmen aus China, Deutschland, Frankreich, Israel, Indien, Kuwait, Singapur, Südkorea, Thailand, der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten auf der Messe vertreten. Bei der guten Stimmung gerät leicht in Vergessenheit, dass es hier um das Geschäft mit dem automatisierten Töten geht.

Ein Hauptthema des dreitägigen Branchentreffens ist die Entwicklung autonomer Kampfsysteme, die selbstständig navigieren, Daten analysieren und schießen können. Lethal Autonomous Robots (LARs), autonome Tötungsroboter, werden die Maschinen in der Fachsprache genannt, bei denen nicht mehr der Mensch entscheidet, wann und auf wen geschossen wird, sondern ein Computer-Algorithmus. Doch was eigenständige, gefühllose Tötungsmaschinen für die Einhaltung des Kriegsvölkerrechts und die Menschenwürde bedeuten, spielt hier keine Rolle. Es geht um Deals, Verträge, Kontakte. Visitenkarten sind die Währung. Hauptsponsoren sind die Riesen der Militärbranche. Da wäre zum Beispiel Lockheed Martin. Der größte Rüstungskonzern der Welt produziert unter anderem die Kampfflugzeuge F-16 bis F-35 und eine Luft-Boden-Rakete mit dem klingenden Namen Hellfire (Höllenfeuer). Sie wird von den US-Kampfdrohnen Predator (Raubtier) und Reaper (Sensenmann) zum Abschuss gebracht. Oder der Honeywell-Konzern. Die Firma stellt einer Untersuchung zufolge 85 Prozent aller Komponenten für das raketengestützte Atomwaffenprogramm der USA her.

Geld haben diese Firmen genug. Ganz im Gegensatz zu den Militärs: Seit in den Nato-Staaten die Rüstungsbudgets stagnieren oder sogar sinken, locken die Konzerne die Armeen mit ihren unbemannten Systemen. Diese können sich tagelang in der Luft oder am Boden bewegen, ohne zu ermüden, können dutzende Objekte gleichzeitig im Auge behalten, reagieren schneller, handeln präziser und sind obendrein vergleichsweise güns-tig. Mit dieser Strategie sind die Hersteller offenbar erfolgreich: Während im fernen Deutschland in den letzten Monaten eine erste zaghafte Diskussion über die Anschaffung bewaffneter Flugdrohnen geführt wurde, haben die Generäle in den USA mit den Robotern vom Himmel längst auch das Schlachtfeld zu Land und zu Wasser anvisiert.

Das Besondere am Modell 510, das die jungen Männer von iRobot per Fernsteuerung über den Teppichboden der Messehalle steuern, ist der gut ein Meter lange ausfahrbare Arm. In seiner Mitte trägt er eine Kamera, optische Sensoren, LED-Scheinwerfer und je nach Bedarf weiteres Gerät wie Minendetektor oder ABC-Waffensensoren. Der PackBot kann Türen öffnen, Autos untersuchen und Gegenstände mit seinem Greifarm packen. Bei den Erkundungsarbeiten im havarierten Atomkraftwerk Fukushima sei der Roboter sehr nützlich gewesen, berichten die leger in Firmen-T-Shirts gekleideten Mitarbeiter am Messestand stolz. Wenig deutet hier auf die Pionierarbeit des 1990 gegründeten Unternehmens beim Einsatz von Bodenrobotern hin. Der PackBot ging 1998 aus einem Projekt mit der Militärentwicklungsabteilung DARPA des Pentagons hervor: ein kompaktes, etwa einen halben Meter breites, dunkles Raupenfahrzeug, das sich mit knapp zehn Kilometern pro Stunde auch durch unwirtliches Gelände bewegt.

Seinen Durchbruch hatte der PackBot im Irakkrieg. Dort starben viele Angehörige der Bombenräumkommandos bei der Suche und Entschärfung von Spreng-sätzen an den Straßenrändern. Mit dem PackBot konnten sie ihren gefährlichen Job aus sicherer Distanz erledigen. „Wenn dann doch einmal eine Sprengfalle hochging, hatten wir einen Haufen Elektroschrott, aber den Kommandeuren blieb der Brief an die Angehörigen eines toten Soldaten erspart“, wird am Stand erzählt. 2008 kaufte das Pentagon 3000 PackBots. Preis: 214,5 Millionen Euro. Die Maschinen erhöhten die Stärke der amerikanische Roboterarmee im Irak auf mehr als 12.000 Geräte. Sie schleppen Ausrüstung, tragen Waffen, erkunden gefährliches Gebiet und spionieren. Bald könnten sie auch töten, aber das fasst man auf der Messe lieber in harmlosere Worte.

„Dontsaydrones“, sag nicht Drohne, so lautet das W-Lan-Passwort, mit dem sich Journalisten vor Ort in das Presse-Netzwerk einwählen können – eine Erinnerung daran, dass das hässliche Wort, das mit Krieg und Tod in Verbindung gebracht wird, hier niemand hören möchte. Lieber sprechen die Produzenten von „Plattformen“ und betonen damit, dass ihre Systeme modular erweiterbar sind, je nach den Bedürfnissen der Käufer. So kann aus dem putzigen Bombenentschärfer PackBot sehr schnell eine tödliche Waffe werden.

Das Ergebnis zeigt schräg gegenüber von iRobot die US-Firma Qinetiq. Der Messeplatz ist mit Tarnnetzen geschmückt und soll wohl den Eindruck erwecken, man befinde sich in einem Truppenunterstand in umkämpftem Gelände. Auf einem Monitor rast ein Roboter des Typs Spartacus von der Größe eines Kleinbaggers mit vollem Tempo durch eine Hauswand. Dazu brüllt die dänische Heavy-Metal-Band Volbeat ihren Titel „Schlachtruf eines Kriegers“ aus den Lautsprechern. Der Refrain lautet: „Fight, Fight, Fight“. In der Mitte des Standes hat die Firma Kampfroboter postiert. Wie der PackBot ist auch MAARS, das Modular Advanced Armed Robotic System, ein niedriges, kastenförmiges Raupenfahrzeug. Auf das Fahrwerk hat Qinetiq einen weiteren Kasten montiert, der auf der rechten Seite ein vollautomatisches M240-Maschinengewehr trägt, das bis zu 1100 Schuss pro Minute abfeuern kann. Auf der linken Seite ragt ein vierläufiger 40-Millimeter-Granatwerfer in die Höhe. Ein kugelförmiger Kamerakopf bietet 360 Grad Rundumüberwachung. Zielerfassung ist – mit Wärmebildsucher und Nachtsichtgerät ergänzt – auch bei schlechter Sicht möglich. Damit sei der Kampfroboter „die Lösung zur Steigerung Ihrer Kampffähigkeit“, ist im Firmenprospekt zu lesen. Aktuell werde MAARS von der US Army und dem Marine Corps für den Einsatz getestet, erklärt der Mitarbeiter hier. Dabei gehe es zurzeit nicht mehr darum, ob die Armee das Gefährt tatsächlich nutzen will, sondern nur noch wann. Noch wird MAARS ferngesteuert, künftig soll er aber allein navigieren. Ein erster Schritt zum unabhängigen Kampfroboter?

Einer, der es wissen muss, ist Peter Warren Singer. Er ist der weltweit wohl profilierteste Experte auf dem Gebiet unbemannter Waffensysteme und roboterbasierter Militärtechnologie. Sein kleines Büro in der Brookings Institution liegt wenige Metrostationen von der Messe entfernt im Botschaftsviertel der Stadt. Singer ist leitender Wissenschaftler des Thinktanks, arbeitet unter anderem als Berater für das Pentagon und war Mitglied der Task Force für Verteidigungspolitik in Barack Obamas Wahlkampfstab.

Singer, Jahrgang 1972, schlaksige Statur, jugendliches Gesicht, hat einen klaren Trend ausgemacht: „Nachdem seit einigen Jahren immer mehr Kampfflugzeuge, aber auch Bodeneinheiten und Schiffe unbemannt im Einsatz sind, ist die Autonomie das nächste große Ding“, erzählt er. „Es gibt in diesem Spektrum zwei Pole.“ Es gebe die älteren ferngesteuerten Kampfdrohnen wie den Predator, der jeden Befehl direkt vom Piloten am Boden empfange. Das andere Extrem seien Einheiten, wie wir sie aus den Terminator-Filmen mit Arnold Schwarzenegger kennen: Eine völlig eigenständige, lernfähige Tötungsmaschine. „Momentan bewegen wir uns immer weiter in Richtung Terminator“, sagt Singer. Ein Beispiel dafür ist die Flugdrohne MQ-9 Reaper des Herstellers General Atomics. Der „Sensenmann“ sei in der Lage, selbstständig zu starten und zu landen und sich ohne Steuerung des Piloten auf einer Karte im Luftraum zum Ziel zu bewegen. Ein Teil der Aufklärungsdaten, die der bewaffnete Flieger während seines Einsatzes sammelt, werde vom Computer an Bord voranalysiert, bevor sie an die Bodenstation übermittelt würden, erläutert Singer.

Dass sich ein Roboter selbstständig bewegt, hält Singer für ethisch unproblematisch. Ganz anders sehe es aber aus, wenn auch die Zielerfassung oder der Abschuss von Waffen nicht mehr unmittelbar in der Hand eines Menschen liege. „Jeder in der Industrie oder im Militär, der behauptet, daran werde nicht längst gearbeitet, ist nicht ehrlich“, sagt der Experte. Aber natürlich wollten die Firmen darüber nicht so gerne sprechen. Sag nicht Drohne, sag nicht Töten.

Nicht alle Unternehmen geben sich in Bezug auf die Autonomie ihrer Waffensysteme so zugeknöpft. Ein Mitarbeiter des Flugdrohnenherstellers Northrop Grumman bittet in eine Sitzecke des Pavillons der Firma. Vor wenigen Monaten hat das Unternehmen stolz die erste geglückte autonome Landung des neuen unbemannten Marinekampffliegers X-47B auf einem Flugzeugträger verkündet. Ist das dreieckige Fluggerät erst zur Serienreife entwickelt, könnte es der nächste Verkaufsschlager nach der Aufklärungsdrohne Global Hawk werden. Nun herrscht großer Andrang am Messestand. „Autonomie spielt für die künftige Entwicklung aus zwei Gründen eine entscheidende Rolle“, erfährt man hier. „Wenn die Satellitenverbindung zu unseren Fliegern ausfällt, muss eine Mission nicht gleich abgebrochen, sondern kann in Teilen von der Maschine weitergeführt werden.“ Außerdem sei der Mensch nicht besonders gut darin, auf einem kleinen Bildschirm Ziele zu erkennen, „eine Maschine kann das wesentlich schneller und effizienter“. Sei der Computer erst einmal in der Lage, Navigation und Zielerfassung mit zu übernehmen, wage man sich auch an die Waffensysteme. „Wird die Plattform beschossen, muss sie darauf auch selbstständig reagieren können – rein defensiv natürlich.“

Neben Flugsystemen hat sich die Firma Neany Inc. aus Hollywood auf unbemannte Schiffe spezialisiert. „DragonSpy heißt das gute Stück hier“, sagt ein Mitarbeiter stolz und klopft auf den stählernen Rumpf eines etwa zwei Meter langen, flachen grauen Bootes in Tarnfarben. Auf ihm sind Kameras, Sensoren und ein 7,62-Kaliber-Maschinengewehr montiert. Das Waffensystem könne „Feinde besiegen, bevor sie reagieren können“, wirbt die Firma L3. Ungefragt berichtet der Neany-Vertreter, es werde in den nächsten ein bis zwei Jahren autonom navigieren und Ziele aufklären können. „Wir setzen ganz klar auf die Zukunft, und die heißt Autonomie, die Bedienung per Joystick gehört der Vergangenheit an“, erzählt er. „Cool, oder?“

Bei Fragen nach tödlichen Waffen werden dem Besucher nackte Produktbeschreibungen und Werbesprüche serviert. Ab 16 Uhr gibt es Bier und Wein. Hostessen räkeln sich in hautengen Leggings an Messeständen und flirten mit den Herren in dunklen Anzügen, die sich vor allem durch die Namen auf den Plastikkarten unterscheiden, die sie an bunten Bändern um den Hals tragen. Die Frauen sind gezielt sortiert nach brünett und blond, für jeden Geschmack ist was dabei. Vieles erinnert an eine Elektronik- oder Automesse. Dabei werden hier Produkte präsentiert, die den Krieg der Zukunft fundamental ändern werden.

Peter Singer beschreibt den rasanten technischen Fortschritt als „slippery slope“ – es bestehe die Gefahr, dass den Menschen die Entwicklung entgleite und eine Eigendynamik entwickele. „Die ersten Drohnen waren reine Aufklärungswerkzeuge.“ Sollte ein Feind ausgeschaltet werden, mussten immer erst bemannte Kampfflieger geordert werden, das kostete wertvolle Zeit, erklärt er. „Dann hieß es, in Ordnung, wir haben die Technik, also warum bewaffnen wir die Drohnen nicht?“ Inzwischen könne ein bewaffnetes unbemanntes Luft-, Boden- oder Marinesystem blitzschnell registrieren, dass es beschossen wird, und den Angreifer lokalisieren. „Die Militärs merken jetzt, dass sehr viel dieses taktischen Vorteils verloren geht, wenn der Roboter immer erst seinen menschlichen Steuermann fragen muss, ob er zurückschießen darf. Es ist aus der Sicht der Strategen nur folgerichtig, der Drohne zu erlauben, sich eigenständig zu verteidigen.“ Der nächste logische Schritt werde also sein, den Geräten auch den Erstschlag mit einer Waffe zu gestatten. „Ich sage Ihnen, wie das begründet wird: Warum sollen wir unser hoch entwickeltes Kampfsystem erst vom Feind beschießen lassen, bevor wir ihm erlauben, mit seiner Waffe zu antworten? Das gibt dem Gegner doch jedes Mal einen Vorteil!“ Der Soldat, so zeige sich, werde zum schwächsten Glied in der militärischen Handlungskette, daher werde er nach und nach verdrängt. Singer glaubt, dass autonome Kampfroboter in den nächsten 20 Jahren die Schlachtfelder allmählich übernehmen werden. Kampfroboter sind „game changer“, sagt er. „Wer über sie verfügt, hat den größten Trumpf der künftigen militärischen Entwicklung in der Hand.“ Das sei zu vergleichen mit der Erfindung des Schießpulvers.

Doch unverständliche Warnmeldungen, Abstürze, plötzliches Fehlverhalten – was jeder vom heimischen Rechner kennt, kann tödliche Folgen haben, wenn Computer mit Waffen ausgerüstet werden. Tragische Unfälle wie jener, der sich am Vormittag des 12. Oktober 2007 während einer Truppenübung in Südafrika ereignete, nennt Peter Singer etwas lakonisch „Ups-Momente“. Das automatische Luftabwehrgeschütz MK5, ausgerüstet mit zwei 35-Millimeter-Kanonen und umringt von Soldaten, begann plötzlich in die Menge zu schießen. Mit 550 Schuss pro Minute nahm der um 360 Grad schwenkbare Gefechtskopf die gesamte nähere Umgebung unter Feuer, eine Notabschaltung blieb ohne Erfolg. Als die Munition aufgebraucht war, lagen neun Soldaten tot am Boden, 14 waren schwer verletzt. Offenbar habe es ein „Softwareproblem“ gegeben, hieß es später in einem Militärbericht.

Irren ist menschlich – aber was passiert, wenn eine Maschine Fehler macht? Wer ist verantwortlich, wenn ein Roboter Zivilisten tötet? Ist es vertretbar, Maschinen die Gewalt über Leben und Tod zu übertragen?

Diese Fragen rufen seit kurzem auch Menschenrechtler auf den Plan. Im April 2013 schlossen sich 42 NGOs aus 19 Ländern für eine Kampagne zum Stopp von Killer-Robotern zusammen. Darunter sind Organisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International sowie Pax Christi und Facing Finance aus Deutschland. Ihre Warnung: Autonome Tötungsmaschinen könnten zu einem neuen weltweiten Rüstungswettlauf führen, sobald einige Staaten die neuen effizienten Waffen
einsetzen. Außerdem würden sie es Staaten erleichtern, einen Krieg zu beginnen, weil keine eigenen Soldaten gefährdet werden.

Auch die Vereinten Nationen warnen vor den Robotern. In einem Report für den Menschenrechtsausschuss empfahl UN-Sonderberichterstatter Christoph Heyns im April ein weltweites Moratorium für die Entwicklung autonomer Kampfsysteme. Die Staaten, die bereits an der Technik feilten, müssten jetzt volle Transparenz herstellen und sich für eine völkerrechtliche Überprüfung der Waffengattung einsetzen. Danach solle entschieden werden, ob Kampfroboter, ähnlich wie Antipersonenminen oder Chemiewaffen, weltweit geächtet werden. „Maschinen dürfen nicht über den Tod von Menschen entscheiden“, stellte der südafrikanische Jurist klar.

„Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“, lautete in den 60er- bis 80er-Jahren ein berühmter Slogan der Antikriegsbewegung aus der Feder des US-Dichters Carl Sandburg. Schon bald könnte er erschütternde Realität werden – zumindest für die Kriegspartei, die es sich leisten kann, statt Menschen gefühllose und tödlich präzise Kriegsmaschinen in die Schlacht zu schicken.