Greenpeace Magazin Ausgabe 1.97

Auto-Test: Lächelnd über den Berg

Bei den ersten Probefahrten überrascht der Twingo-Smile: Das Drei-Liter-Auto von Greenpeace ist spritziger als das Original von Renault.

Um das Ergebnis der Probefahrt gleich vorwegzunehmen: Der „Twingo-Smile“ fährt – und wie. Doch ein kleines Lämpchen könnte aus dem gelben Verbrauchswunder ein noch besseres Öko-Auto machen. Aber der Reihe nach.

Im August hatte Greenpeace den umgebauten Renault-Twingo unter dem Motto „Die Hälfte ist machbar“ der Öffentlichkeit vorgestellt, jetzt durften die ersten Fachjournalisten den Smile probefahren. Wie „Auto Bild“, „Autozeitung“ und „mot“ wollte auch das Greenpeace Magazin nicht fehlen.

Fährt ein Auto, dessen Konzeption maßgeblich von einer Umweltorganisation festgelegt wurde, überhaupt richtig? Ist man in einem solchen Dreilitermobil nicht zwangsweise „ein unglücklicher Mensch“, wie Opels Motorenentwickler Fritz Indra über die angebliche Beschleunigungsschwäche des Smile mutmaßte?

Die Testfahrt beginnt auf dem Hof der Wenko AG im schweizerischen Burgdorf, die den Smile-Motor konzipiert hat. Der Fahrgastraum samt blauem Wölkchendekor ist eins zu eins aus dem Serien-Twingo übernommen, mit Airbag, Gurtstraffern und elektrischen Fensterhebern.

Gang einlegen, Gas geben, und das Auto drängt unprätentiös nach vorne. Schon bei Motordrehzahlen unter 2000 kuppelt das halbautomatische Getriebe, das ohne Kupplungspedal funktioniert, weich ein. Auch beim Anfahren am Berg ist der 35 Kilo leichte Motor nicht abzuwürgen: Ein Druck mit dem Gasfuß, und die vorderen Reifen schleudern das nasse Laub vom Asphalt.

Im Geräusch erinnert der beschleunigende Smile mit seinem leisen Pfeifen entfernt an die Ente von Citroën, klingt aber viel leiser und kerniger.

Auch auf der Autobahnauffahrt zieht der Wagen kräftig durch. „Der Smile beschleunigt nicht langsamer als der Serien-Twingo“, urteilte der Kollege von „Auto Bild“. Der Neuling „gibt einem das Gefühl, mit mindestens 1,5 Litern Hubraum unterwegs zu sein.“ Nach den Kategorien der PS-Branche ist ein größeres Lob für einen Motor mit winzigen 0,36 Litern Hubraum wohl kaum denkbar.

Bei gleicher Motorleistung von 55 PS schlägt zusätzlich positiv zu Buche, daß auch die Smile-Karosserie optimiert wurde: Die neue runde Form sorgt für 30 Prozent geringeren Luftwiderstand und spart vor allem auf der Autobahn. Die Reduktion von 195 Kilo Gewicht, vor allem durch Aluminium-Bauteile für Fahrwerk, Sitze und Bremsen, macht sich auch beim Einparken positiv bemerkbar: Das Lenkrad läßt sich so leicht drehen, als hätte der Wagen eine Servo-Lenkung.

Natürlich hat der Prototyp noch Schwächen: Die große Frontscheibe beschlägt bei Regen und die Außenspiegel sind zu klein geraten – Kleinigkeiten.

Der Beweis, daß heute ein ordentliches Auto mit der Hälfte Sprit auskommen kann, ist den Wenko-Ingenieuren allemal gelungen: Nach der neuen Euro-2-Norm verbraucht der Twingo-Smile 3,3 Liter auf 100 Kilometer, und nicht 6 Liter wie der Serien-Twingo.

Allein die geringeren Kosten für Benzin und Steuern würden viele Kunden locken. Auch der Benzindurst von Großraum-Limousinen ließe sich mit dem Smile-Konzept halbieren.

Fast ein bißchen peinlich ist es den Smile-Experten von Greenpeace, daß ihr Auto nach Tacho über 170 Spitze fährt. Um aus dem Smile ein noch besseres Öko-Auto zu machen, könnte deshalb zukünftig vielleicht ein Lämpchen vor zu hohen Geschwindigkeiten warnen. Etwa ab Tempo 100.

Von TIMM KRÄGENOW

Die Technik unter der Haube

Für die überraschende Beschleunigungsstärke des kleinen Smile-Motors sorgt ein spezieller Druckwellenlader, der das Benzin-Luft-Gemisch mit Überdruck in die zwei Zylinder bläst. Zu diesem Zweck rotiert zwischen Abgas- und Frischluftseite des Motors ein Zellenrad mit länglichen Kammern, vergleichbar mit den Kammern eines Trommelrevolvers. In die Kammern schwingen die Abgas-Druckwellen genau so, daß die Frischluft komprimiert wird, ohne sich mit dem Abgas zu vermischen.

Technische Daten:
2-Zylinder-Viertakt-Boxermotor, 4 Ventile je Zylinder, Verdichtung 10,0:1, 40kW/55PS bei (5500U/min), Hubraum 358 cm3; Druckwellenlader, max. Ladedruck 1,6 bar; zwei Katalysatoren, Leergewicht 650 Kg, Zuladung 400 Kg.