Guten Abend,

der Eventkalender in Hamburg für dieses Wochenende: leer. Derzeit nicht ungewöhnlich und mitunter bedauerlich, in diesem Fall allerdings Grund für einen erleichterten Stoßseufzer. Sonst zwängen sich nämlich stets Ende Juni etwa 50.000 stolze Besitzer eines Motorrads der Marke Harley-Davidson in ihre Lederkluft, schwingen sich auf ihre von der Lokalpresse oft als „Kultmotorräder“ bezeichneten Knatterpötte und kacheln nach Hamburg.

Benzinduft wabert durch die Stadt, wenn sie mit „sattem Blubbern“ (Lokalpresse) von Donnerstagabend bis Sonntagmittag von früh bis nachts auf den schweren Maschinen herumkurven, durch Haupt- und Nebenstraßen, Wohn- und Geschäftsviertel. Das Blubbern schon einer einzigen Maschine dringt mühelos durch Doppel- und Dreifachfenster – aber im Verband ist es noch schöner. O-Ton auf einer Fan-Website: „Denn die Biker lassen es sich natürlich ungern nehmen, in Convois durch die Stadt zu knattern. Gerne auch durch enge Straßen, da dröhnt es besser.“

Diese mehrtägige Zwangsbeschallung mitten in der Großstadt, die 2003 erstmals stattfand, verdanken wir einer Koalition aus CDU – mit Ole von Beust als Bürgermeister –, FDP und PRO. PRO was? Das war die rechtspopulistische „Partei Rechtsstaatlicher Offensive“ des als „Richter Gnadenlos“ bekannten Ronald Schill (dessen kurze Politkarriere im August 2003 jäh mit seinem Rausschmiss durch von Beust endete). Die Dreierallianz dachte vermutlich: Dieses Harleydings spült sicher zahlreiche Touristen in die Stadt sowie Geld in die Kassen von Hotels, Gastronomie und Veranstaltern. Volltreffer! Denn erstens sind die Möchtegern-Easy Rider mehrheitlich betuchte ältere Herren, und zweitens kamen auch immer so um eine halbe Million Schaulustige.  

Zwar wurden die zentralen Veranstaltungen – im Grunde ein Dauerwerbeevent für die Marke Harley – nach Anwohnerprotesten aus der Innenstadt aufs Hafengelände verlegt, aber, siehe oben, man cruiste trotzdem mit Wonne weiterhin durch City und hafennahe Viertel, um die ganze Männerpracht aus Chrom, Gummi und Leder zur Schau zu stellen. Und weil das so prima funktionierte und Beschwerden im Lärm untergingen, wurde die Genehmigung immer wieder verlängert.

Anwohnerinnen und Anwohnern blieb nur, vor dem letzten Juniwochenende fluchtartig die Stadt oder zumindest die betroffenen Viertel zu verlassen. Unser Urlaub begann seit vielen Jahren immer um diese Zeit. Diesen Sommer fällt er aus, aber die Harley Days eben auch. Ein Virus schaffte, was weder das BImSchG noch mehrere Regierungswechsel vermochten. Bevor Sie fragen: Ja, in Hamburg regieren die Grünen immer mal wieder mit. Von 2008 bis 2011 sogar mit der CDU und von Beust, damals noch als Grün-Alternative Liste (GAL). Gegen die Harley Days konnten sie nichts ausrichten.

Seit Neuestem stellen sie nun den Verkehrssenator, schon geistert wieder das Wort „Fahrradstadt“ durch den Raum. Senator Anjes Tjarks möchte, sagt er, dass sich Hamburgerinnen und Hamburger beim Radfahren „entspannt und sicher“ fühlen, was zumindest in der Innenstadt nicht so leicht ist. Schon lange wird an Konzepten für Fahrradstraßen und sogenannten Velorouten herumgedoktert, und die Werbeagentur Jung von Matt hat sich für vier Millionen Euro eine Kampagne samt passendem Liedchen ausgedacht.

Unterdessen hat Hamburg im Copenhagenize-Index der 20 besten Fahrradstädte leider die rote Laterne, 2011 lag die Stadt noch auf dem 11. Platz. Oslo dagegen hat sich in nur drei Jahren vom 19. auf den 7. Platz vorgearbeitet. Wie das? Indem die norwegische Hauptstadt Autofahren zwar nicht verbietet, aber gegenüber allen anderen Mobilitätsarten unattraktiv macht und ein energisches Verkehrswendekonzept verfolgt.

Und in Hamburg? Nächstes Jahr alles wieder „normal“? Noch mehr Autos, kein schlüssiges Radkonzept, Harley Days im An- und wir im Abmarsch? Ein Hindernis wird auf den ärmlichen Rad- und Fußwegen zumindest nicht mehr auftauchen: Segways, diese seltsamen Stehroller, die Menschen immer so aussehen ließen wie Erdmännchen auf Droge. Etwa so sinnvoll wie ein Wintermantel am Äquator, aber immerhin leise. Nun wird die Produktion mangels Nachfrage eingestellt. Wie man hört, steckt auch Harley-Davidson in der Krise…

Bericht aus Hamburg

Kerstin Eitner
Redakteurin

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