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Greenpeace Magazin Ausgabe 1.17

Buch und Ton

Reinlesen: Alpen-Lieblingsbücher

Sieben Jahre in Davos
Zum Namenspaten unserer Ausgabe und zum Schicksal Hans Castorps, aus dessen für drei Wochen geplantem Aufenthalt im Sanatorium auf dem „Zauberberg“ sieben Jahre werden, dürfte alles gesagt sein. Zeit, in diesem Zentralmassiv der Literatur – einem politisch-philosophischen Panoptikum der europäischen Geisteswelt vor dem Ersten Weltkrieg – tief zu versinken wie in Neuschnee.
Thomas Mann: Der Zauberberg. S. Fischer 2003 (1924), 1008 Seiten, 15 Euro

Ein Leben in den Alpen
Der Autor verdichtet über siebzig Lebensjahre ohne jeden Anflug von Alpenkitsch, Bergidylle oder Larmoyanz: Andreas Egger wird vom eigenen Onkel geknechtet und zum Krüppel geprügelt, erlebt Krieg, Gefangenschaft und kurzes Eheglück. Von diesem Leben wird ebenso lakonisch erzählt wie vom Einzug der Neuzeit in den Alpen.
Robert Seethaler: Ein ganzes Leben. Goldmann 2014, 185 Seiten, 9,99 Euro

Plötzlich ganz allein
Zivilisationskritik? Robinsonade? Emanzipationsparabel? Es gibt viele Lesarten für diesen Roman. Eine Frau erzählt, wie sie urplötzlich allein auf der Welt zu sein scheint: Als sie über Nacht durch eine unsichtbare Wand vom Rest der Welt abgeschnitten wird, bleibt sie mit einem Hund, einigen Katzen und einer trächtigen Kuh zurück und stellt sich dem Überlebenskampf.
Marlen Haushofer: Die Wand. List Verlag 2004 (1963), 288 Seiten, 8,95 Euro

Philosophie mit Humor
Er lässt sich einfach nicht blicken, der verflixte Steinbock. Die Wege des glücklosen Jägers und seiner Begleiter durch die fremde, karge und doch faszinierende Bergwelt zu verfolgen,
bereitet große Freude – wegen des grimmigen Humors und weil außer Kantonsbeamten auch Philosophen wie Wittgenstein und Dante zu Wort kommen.
Leo Tuor: Cavrein. Limmat Verlag 2014, 96 Seiten, 22 Euro

Vom Suchen und Finden
Jens, der Wandergefährte der Ich-Erzählerin, ist spurlos verschwunden. Auf ihrer Suche nach ihm stößt sie zufällig auf die Schriften des schweizerischen Geologen und Kartografen Albert Heim, der es sich zum Ziel gemacht hatte, aus den Gesteinsschichten der Berge die Geschichte der Menschheit herauszulesen. Auf den Spuren von Heims Ausführungen durchreist die Erzählerin die Berglandschaft und lässt nach und nach ab von der Trauer über den Verlust ihres Freundes.
Miek Zwamborn: Wir sehen uns am Ende der Welt. Nagel und Kimche Verlag 2015, 272 Seiten, 22,90 Euro

Lebensraum Alpen
Die vierte, komplett überarbeitete Fassung des erstmals 1984 erschienenen Standardwerks ist die Bilanz der Auseinandersetzung des Kulturgeografen mit den Alpen, und sie fällt nicht erfreulich aus: Bätzing fordert einen umfassenden Wandel, um die Alpen als ökologisch intakte und lebenswerte Region zu erhalten.
Werner Bätzing: Die Alpen – Geschichte und Zukunft einer europäischen Kulturlandschaft. C. H. Beck Verlag 2015, 484 Seiten, 38 Euro

Gipfelkreuze
„Wir wissen nicht, dass diese Spinne aus Schnee, Eis und Fels eine furchtbare Falle werden kann.“ Der österreichische Alpinist Heinrich Harrer – in seiner Jugend dem Nationalsozialismus verfallen, später für seine Freundschaft mit dem Dalai Lama bekannt – erzählt in diesem Buch bildreich von den dramatischen Besteigungen des Eigers.
Heinrich Harrer: Die Weiße Spinne. Das große Buch vom Eiger. Ullstein 2015 (1999), 464 Seiten, 9,95 Euro

Bergrebellen
Im Sommer 1943 schlossen sich im Gebirge Norditaliens Menschen unterschiedlichster politischer Couleur zusammen, um gemeinsam gegen die deutsche Besatzung und den italienischen Faschismus zu kämpfen. Bis heute zeugen viele Orte vom Mut der Widerständigen. Die Autoren führen ihre Leser auf eine historische Zeitreise durch das italienische Piemont und machen die Geschichte der Bewegung erlebbar.
Sabine Bade und Wolfram Mikuteit: Partisanenpfade im Piemont. Ein Wanderlesebuch. Querwege 2012, 19,90 Euro

Eine literarische Reise
Wer literarisch auf den Spuren Goethes, Mark Twains, Theodor Adornos und vieler anderer die Alpen durchwandern möchte, ohne das Sofa zu verlassen, kann das mithilfe dieses Buches tun. Dankenswerterweise hat sich der Autor in die eisigen Höhen von Matterhorn, Montblanc und Zugspitze begeben, um hautnah von seinem Trip zu erzählen.
Andreas Lesti: Oben ist besser als unten. Eine literarische Expedition in die Alpen. Rogner & Bernhard 2014, 317 Seiten, 22,99 Euro

Entdecken

Alpine Buchmesse
Das Bergbuch-Festival in Brig findet jeweils Anfang November im Kanton Wallis statt. Die Ausstellung präsentiert rund 800 Neuerscheinungen aus zwei Dutzend Ländern zum Thema Berge. Hinzu kommt ein umfassendes Programm mit Lesungen, Vorträgen und Filmen.
bergbuchbrig.ch

Les- und Mundarten
Der 11. Dezember ist offiziell der Internationale Tag der Berge. Passend dazu wurde das Festival „Berge lesen“ aus der Taufe gehoben: Vom 5. bis zum 11. Dezember 2016 finden dabei rund 100 Veranstaltungen in allen Alpenländern, Alpensprachen und zahlreichen Dialekten statt.
bit.ly/gpm1633

Viel mehr als Alphörner
Das Musikfestival „Alpentöne“ findet alle zwei Jahre im Sommer im Schweizer Kanton Uri statt – zwischen dem 18. und dem 20. August 2017 ist es wieder so weit. Dann treffen Musiker aus dem gesamten Alpenraum zusammen: Ob Jazz, Klassik, Volksmusik oder wilde Variationen aller Musikrichtungen, die Künstler eint der Bezug zu den Alpen.
alpentoene.ch

Neue Töne aus Bayern
Im bayerischen Burghausen fand Ende Oktober 2016 erstmals das kleine Musikfestival „Alps, Brass & Jazz“ statt – zeitgenössischer Jazz trifft hier auf Einflüsse aus aller Welt, dargeboten auch auf traditionellen Instrumenten.
Hören Sie rein: bit.ly/gpm1634

Anschauen

An der Mordwand
1936 wetteifern eine deutsche und eine österreichische Zweier-Seilschaft um die Erstbesteigung der Eiger-Nordwand. Zuerst geht an der „Mordwand“ alles gut, doch später wird erst einer der Österreicher durch Steinschlag verletzt, dann schlägt das Wetter um: Das fesselnde Bergsteigerdrama erzählt vom Kampf der Alpinisten gegeneinander und vom Ringen mit der Wand.
Nordwand. Regie: Philipp Stölzl, 2008

Der Fremdling
Klassisches Westernmotiv, alpin aufbereitet: Ein Fremder, man munkelt, er komme aus den USA, reitet in ein Tiroler Bergdorf ein. Bei den Dörflern stößt der Ankömmling auf Zurückweisung und Misstrauen. Und in der Tat hat er noch eine offene Rechnung zu begleichen. Weitere Zutaten des vielfach preisgekrönten und für den Oscar nominierten Films: ein Hochzeitspaar, zwei Morde, ein bigotter Pfarrer und ein dunkles Geheimnis.
Das finstere Tal. Regie: Andreas Prochaska, 2014

Unter der Schneedecke
Die sehenswerte Dokumentation begleitet Menschen, die mit Hightech und viel Aufwand den Skitourismus in Zeiten der Erwärmung am Leben halten – und kontrastiert diesen Rummel mit dem Leben der Alten in italienischen Bergdörfern, die von den jungen Leuten längst verlassen wurden. Ein nachdenklicher Film, der die Widersprüche der Alpen erfahrbar macht.
Peak – Über allen Gipfeln. Regie: Hannes Lang, 2011

Zuhören

Zitherpartie
Der innovative Sound der Band „Kerberbrothers Alpenfusion“ verbindet urtümliche Instrumente wie Alphorn, Zither, Scherrzither und Hackbrett ebenso wie die traditionelle Kunst des Jodelns zu facettenreichem Alpenjazz. Hörenswert.
kerberbrothers.de

Volksmusik von heute
„Kofelgschroa“, vier Künstler und Handwerker aus dem „Herrgottswinkel“ Oberammergau, machen Volksmusik-Pop ganz eigener Art mit schrägen Texten, Akkordeon, Helikontuba und Tenorhorn. Ihre mitreißende Kunst zeigt die Band derzeit auf einer Tour durch Clubs in Deutschland.
kofelgschroa.by

Schweizer Rappen
Wer bei Musik aus den Alpen automatisch an Schunkelstimmung und Musikantenstadl denkt, wird von der jungen Rapszene der Schweiz, vertreten durch Interpreten wie Xen, Chlyklass oder GREIS, eines Besseren belehrt: Dieser Rap bietet eine ganz neue Schwyzerdütsch-Erfahrung.
Hier finden Sie einige Hörproben: bit.ly/gpm1635

Eintauchen

Der Wert des Wassers
Die Ausstellung „Wasser unser“ ist noch bis zum 17. September 2017 im Alpinen Museum in Bern zu sehen. Vier zeitgenössische Autorinnen werfen einen teils utopischen, teils dystopischen Blick auf die Zukunft des Wassers in den Alpen: Wie sieht das Leben in einer vom Klimawandel geprägten Welt aus? Wie sehr wird der Wassermangel den Alltag im Gebirge prägen? Führt uns die Knappheit zu alten Kulturtechniken zurück? Oder müssen wir uns auf Ressourcenkriege gefasst machen? Angeregt durch die literarischen Entwürfe entwickelt die Ausstellung einen sehenswerten Ausblick auf den Umgang mit Wasser.
Alpines Museum der Schweiz, Bern
alpinesmuseum.ch

Messners Bergpanorama
Geschichte und Kunst des Bergsteigens, Auswirkungen des Alpinismus auf Natur und Umwelt, der Mythos Berg, die Bergvölker und das ewige Eis: In den sechs Standorten des Messner Mountain Museum in Südtirol wird je ein Aspekt der Bergfaszination erzählt – zusammen ergibt sich daraus ein außergewöhnliches Panorama des Gebirgswissens. Gemäß dem Sinnspruch „Der Weg ist das Ziel“ ergänzen die Wege zwischen den Standorten das Ausstellungserlebnis.
Messner Mountain Museum, Südtirol
messner-mountain-museum.it

Der Mann aus dem Eis
Die Dauerausstellung im Südtiroler Archäologiemuseum widmet sich ganz Ötzi, dem Mann aus dem Eis. Über drei Etagen präsentiert sie den Besuchern alles Wissenswerte über die berühmteste Gletschermumie der Welt und weitere spannende Erkenntnisse der Gletscherarchäologie. Ein Teil der Ausstellung ist auch als Wanderausstellung auf der ganzen Welt unterwegs, Termine finden Sie auf der Homepage des Museums.
Südtiroler Archäologiemuseum, Bozen
ice-man.it

Propaganda am Obersalzberg
Die Bergkulisse, in der Hitlers Residenz „Berghof“ lag, nutzte das NS-Propagandaministerium für medienwirksame Inszenierungen: Der „Führer“ wurde volksnah und naturverbunden präsentiert. Auch andere Nazigrößen wie Göring, Bormann und Speer besaßen hier Häuser, sie wurden wie die Ruine des Berghofs und einer SS-Kaserne 1952 gesprengt. In der erhalten gebliebenen Bunkeranlage befindet sich heute ein vom Institut für Zeitgeschichte konzipierter Erinnerungsort.
Dokumentation Obersalzberg, Berchtesgaden
obersalzberg.de

3 Kulturspuren in den Alpen

1. James Bond
Ob „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“, „In tödlicher Mission“ oder als „Der Spion, der mich liebte“ unterwegs, ob auf der Jagd nach Bösewichten wie in „Goldfinger“ oder „Spectre“: Agent 007 und die Alpen, das ist zweifellos eine Liebesgeschichte. Der britische Spion lieferte sich zu Fuß, auf Skiern, am Fallschirm oder in einem zum Schlitten umfunktionierten Cellokasten halsbrecherische Verfolgungsjagden und Schießereien mit finsteren Gestalten. Die Schilthorn-Seilbahn im Berner Oberland entging dank der Dreharbeiten zu „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ sogar der Pleite. In ihren Kabinen erklingt noch heute die James-Bond-Titelmelodie.

2. Stimmakrobaten
Jodeln – das Singen „auf bloße Lautsilben in schnellem Wechsel von Brust- und Kopfstimme“ – wird nicht nur im Alpenraum gepflegt. Stimmakrobaten finden sich auch unter den Pygmäen, Inuit und Samen (Lappen), unter Spaniern, Bulgaren, Chinesen, Amerikanern und Australiern. Wer jodeln lernen will, wird in den Alpen viele Lehrer finden: Ob im Allgäu, im Chiemgau, in der Steiermark, im Salzburger Land, in Graubünden oder im Berner Oberland – überall wird der kunstvolle Berggesang unterrichtet. In der Schweiz fördert der Eidgenössische Jodlerverband die Tradition, im Internet tun das Tutorials, die Ihr Talent aus der Ferne schulen.

3. Sherlock Holmes
„An diesem furchterregenden Ort besiegte Sherlock Holmes am 4. Mai 1891 Professor Moriarty.“ So steht es auf einer hundert Jahre später angebrachten Gedenktafel bei den Reichenbachfällen im Kanton Bern. Geschildert wird das Ereignis in der 1893 veröffentlichten Geschichte „Das letzte Problem“ von Sir Arthur Conan Doyle. Von Meiringen im Berner Oberland aus können Hobbydetektive sich zu Fuß oder mit der Seilbahn an den Ort des literarischen Geschehens begeben. Von der Bergstation der Seilbahn sind es zwanzig Gehminuten bis zum Ort des Kampfes.

Diese Bildbände lassen Sie die Alpen mit neuen Augen sehen

Mythos Gotthard
Der Gotthard ist ein Paradebeispiel landschaftlicher Transformation durch den Menschen. 1882 nahm die Gotthardbahn ihren Betrieb auf, ein Jahrhundert später startete der Autobahntunnel als wichtigster Korridor für den alpenquerenden Verkehr. Jüngst wurde der Gotthard-Basistunnel eingeweiht. Der Bildband „Der Gotthard/Il Gottardo“ lädt zu einer Reise durch Raum und Zeit in diesem Abschnitt der Zentralalpen ein. Wie prägt die menschengemachte Infrastruktur das Bergmassiv? Welche Mythen ranken sich um den Gotthard und wie ändern sie sich durch die Eingriffe? Das Buch widmet sich drei Gebieten: Landschaft, Mythos, Technik. Dreißig Essays umreißen diese Themen; ausgewählte Karten, Fotos, Gemälde und Zeichnungen machen es dem Leser einfach, sich durch die tausend Seiten treiben zu lassen, um sich an einer beliebigen Stelle festzulesen. Wer danach nicht genug hat, wird auf der beigefügten DVD zu einem Flug über die Alpen mitgenommen.
Marianne Burkhalter, Christian Sumi (Hrsg.): Der Gotthard/Il Gottardo. Scheidegger & Spiess 2016, 281 Seiten, 97 Euro

Topografie als Skulptur
Die Berglandschaften in dem Band mit dem kryptischen Titel lassen den Betrachter zunächst etwas atemlos zurück: In „m4 Mountains – Die vierte Dimension“ verdichtet Reinhold Messner anhand von 13 ausgewählten Bergen und persönlichen Erlebnisberichten berühmter Bergsteiger die Geschichte des Alpinismus und präsentiert seinen Lesern den Zauber der vierten Dimension der Welt. Statt Fotos sieht man in diesem Band nur dreidimensionale Modelle: Ausgehend von Satellitenaufnahmen wurden diese fotorealistischen Abbildungen erstellt. Dem Leser offenbart sich damit nicht nur ein faszinierendes Bildereignis, sondern auch die Möglichkeit, die Berge detailgenau zu bestaunen.
Stefan Dech, Reinhold Messner, Nils Sparwasser: m4 Mountains – Die vierte Dimension. Malik Verlag, 240 Seiten, 50 Euro

Der Alpenschrund
Insgesamt zwölf Jahre hat der Fotograf Olaf Unverzart den Alpenraum mit seiner schweren Plattenkamera durchkämmt. Der Band „ALP“, kurz für Alpine Landscape Pictures, ist ein fotografisches Zeugnis dieser Ausflüge in die Bergwelt. Statt überwältigender Landschaftsaufnahmen dokumentiert Unverzart in diesem Buch eine zunächst spröde wirkende, dann aber umso faszinierendere Topografie. Die zurückgenommenen, empathischen Perspektiven verweigern sich den Stereotypen: Die Alpenidylle wird durchkreuzt von Lawinenverbauungen und Hangsicherungen, schmelzenden Gletscherzungen, Passstraßen, futuristischen Hotelanlagen, Tunneln und Seilbahnanlagen. Statt Postkartenansichten sieht man schrundige Landschaft, geprägt durch den Klimawandel und den immer raumgreifenderen Tourismus. Eine fotografische Reise, die nachwirkt, lange nachdem das Buch schon zugeschlagen ist.
Olaf Unverzart: ALP. Prestel Verlag, 192 Seiten, 45 Euro

Passbilder im Breitformat
In den letzten Jahren hielt der Fotograf Berthold Steinhilber einen besonderen Aspekt des Gebirges fest: die Alpenpässe. In seinem neuen Band „Passbilder“ präsentiert er kinematografisch anmutende Ansichten, die den Betrachter tief in die majestätischen Landschaften eintauchen lassen und ihn mit immer neuen Einzelheiten belohnen: einem Steinhügel, der einer Pyramide gleicht. Einer versteckten goldenen Madonna. Einer Hütte, die im tibetischen Gebirge stehen könnte. Steinhilbers Passbilder zeigen eine dramatisch-entrückte Welt, an der man sich nicht sattsehen kann. Die rauschhaften Fotos finden in den Texten von Eugen E. Hüsler ein perfektes Gegengewicht. Dieser erzählt faktenreich die Geschichte der Bergpässe, die von Handelswegen aus der Bronzezeit bis zu den mehrspurigen Autobahnen der Gegenwart reichen.
Berthold Steinhilber: Passbilder. Landschaften der Alpenpässe. Frederking & Thaler 2016, 240 Seiten, 49,99 Euro

Die Rückseite des Alpentourismus
In dem schön gestalteten Büchlein „Hinter den Bergen“ lässt der Fotograf Lois Hechenblaikner zwei Welten gnadenlos aufeinanderprallen – die Alpen heute und vor sechzig Jahren: Wo noch vor zwei Generationen Viehauktionen abgehalten wurden, gibt es heute nur Parkplatzwüsten. Wo man früher Heu trocknete, stehen heute Handymasten in Reih und Glied. Hechenblaikners Fotos von der alpinen Eventkulisse werden von Bildern des Agraringenieurs Armin Kniely trefflich ergänzt. Der Wunsch des Autors ist es, dass die Bildpaare im Kopf der Leser ein drittes Bild entstehen lassen – und es funktioniert.
Lois Hechenblaikner: Hinter den Bergen. Steidl Verlag 2016, 144 Seiten, 24 Euro