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Greenpeace Magazin Ausgabe 4.18

Caroletta malt Tiere verstörend

Wegweiser: Die Künstlerin Caroletta, 33, malt Bilder, die nur auf den ersten Blick lieblich sind. Eine Weltkugel, die aus einer zu Boden gefallenen Eistüte läuft, zwei barocke Putten, die mit Pistolen aufeinander zielen, Rotkäppchen, das einen dreiäugigen Wolf durch den Schnee an einem Atomkraftwerk vorbeizieht: „Auf den ersten Blick mögen meine Bilder vor allem hübsch aussehen“, sagt Caroletta. „Die Erkenntnis kommt erst beim genauen Hinschauen.“

Das gilt auch für ihr jüngstes Projekt „About Meat“, bestehend aus sechs Motiven, die teils wie historisierende Idyllen aus dem Biedermeier wirken und doch – diesen Eindruck gewinnt man auch durch die schwarze Grundierung – einen düsteren Hintergrund haben. Eines der filigranen Bilder der Serie, die es 2018 auf die Shortlist der World Illustration Awards schaffte, zeigt ein durchtrenntes Schwein, das einen Hund anschaut, umrahmt von Rosen und Blättern. Ein anderes zeigt Kinder, die einen Reigen um einen Baum tanzen, dessen Krone voller Schinken, Speck und Würste hängt.

Mit Darstellungen wie diesen will die 33-Jährige Menschen dazu anregen, über ihren Fleischkonsum und den Umgang mit Tieren und Tierrechten nachzudenken. „Fleischessen wird in unserer Kultur als normal verkauft“, sagt sie. „Viel zu wenige hinterfragen es.“ Dieses System des „Karnismus“ will sie ändern. Und lässt Kopien ihrer Bilder deshalb auch auf Poster, Taschen, Becher, T-Shirts, Decken und Handyhüllen drucken.

Seit dreißig Jahren hat die Berlinerin selbst kein Fleisch gegessen, seit fünf Jahren ist sie Veganerin. Als vierjähriges Kind kuschelte sie gern mit den Hasen ihrer Großeltern. Als es nach ein paar Monaten Hasenbraten gab, war das für sie ein Schock. Seitdem beschäftigt sie, wie Menschen Tiere scheinbar wahllos in „essbar“ und „nicht essbar“ einteilen. „Viele lassen ihren Hund bei sich im Bett schlafen, essen aber ungerührt Schnitzel“, sagt sie. Sie selbst hat kein Haustier und geht nicht in den Zoo. Bekehren will sie jedoch niemanden, nur zum Nachdenken anregen. Mit den Mitteln einer, so nennt sie das, „Artivistin“ – einer Mischung aus Künstlerin und Aktivistin.
about-meat.com