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Greenpeace Magazin Ausgabe 1.16

Cybergeld

Die Digitalisierung revolutioniert die Finanzwelt. Wir erklären die wichtigsten Schlagworte

Schon jetzt bringt die wachsende Bereitschaft der Kunden, Überweisungen und Kontoabfragen online abzuwickeln, das traditionelle Bankgeschäft unter Druck. Immer mehr Filialen müssen schließen. Große Geldhäuser, wie etwa die Deutsche Bank, haben den Abbau zehntausender Stellen angekündigt. Mit den digitalen Technologien eröffnen sich aber auch neue Perspektiven. Etwa die von einer selbstbestimmten Geldwirtschaft, in der Verbraucher und Sparer das Sagen haben, während die Macht der etablierten Kreditinstitute und die Kontrolle der Zentralbanken zurückgedrängt werden. Aber auch die von einer Welt voller einträglicher Geschäftsmodelle, die Start-ups ebenso wie Konzerne elektrisieren.

E-WALLET
Die Geldbörse wird elektronisch, gezahlt wird übers Smartphone, das sich drahtlos mit den Kassensystemen verbindet. Telekomkonzerne, aber auch Internet-Riesen wie Google, Apple und Facebook drängen ins Milliardengeschäft mit dem Zahlungsverkehr. Manche Ökonomen sehen die vollständige Abschaffung des Bargelds am Ende dieser Entwicklung. Der Vorteil: Geldwäsche, Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung würden durch den digitalen Zahlungsverkehr erschwert. Dafür wäre jede Transaktion erfasst: Der Verbraucher würde zum gläsernen Zahler, dessen Daten von Unternehmen vermarktet und vom Staat kontrolliert werden könnten.

BITCOIN
Die Idee des geheimnisvollen Erfinders Satoshi Nakamoto schlug kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hohe Wellen: Eine Internet-Währung mit ausgeklügelter Verschlüsselung, die weder Regierungen noch Banken kontrollieren können, begeisterte Occupy-Anhänger und Netzaktivisten. Die Zahlungen werden über eine sogenannte Peer-to-peer-Software auf den Rechnern der Nutzer abgewickelt. Alle Transaktionen sind auf einer dezentralen Datenbank verzeichnet. Die Verschlüsselungstechnik stellt sicher, dass nur der Eigentümer der Bitcoins Zahlungen vornehmen kann. Inzwischen werden Bitcoins von zahlreichen Onlinediensten akzeptiert. Aber sie erwiesen sich auch bald als geeignetes Zahlungsmittel für illegale Aktivitäten wie Drogen- oder Waffenhandel. Seit 2010 können Bitcoins gegen andere Währungen getauscht werden und sind längst ein Spekulationsobjekt. Die mangelnde Kontrolle der Transaktionen ruft Kritiker auf den Plan, die ein Bitcoin-Verbot fordern. Doch viele Banken haben ihre anfängliche Abwehrhaltung inzwischen aufgegeben und wollen die Technologie selbst einsetzen. Der Erfinder Nakamoto, über dessen Identität so gut wie nichts bekannt ist, wurde kürzlich als Kandidat für den Wirtschaftsnobelpreis vorgeschlagen.

BLOCKCHAIN
Die Technologie gilt als die entscheidende Innovation des Zahlungsmittels Bitcoin: Die Blockchain funktioniert wie ein digitales Kassenbuch, in dem alle Informationen zu einer Transaktion für alle Beteiligten nachvollziehbar festgehalten werden. Das System ist transparent und dank der Verschlüsselung gegen Manipulationen geschützt. Damit lässt es sich nicht nur im Zahlungsverkehr ohne Banken einsetzen. Ebenso könnten verbindliche Verträge ohne Notar geschlossen oder fälschungssichere Wahlen abgehalten werden. Die Finanzbranche hat die Potenziale erkannt: 22 globale Großbanken unterstützen das Start-up R3 CEV, mit dessen Entwicklungen offenbar ein Standard für digitale Transaktionen etabliert werden soll.

PEER-TO-PEER-BANKING
Sparer und Kreditnehmer oder Investoren und Unternehmen zusammenbringen, ohne dass eine Bank dafür Vermittlungsprovisionen kassiert – das ist das Ziel der inzwischen zahlreichen Vermittlungsplattformen im Internet. Die anfängliche Begeisterung über die Alternative zu den etablierten Banken ist längst einer Debatte über Risiken und Regulierung der neuen Finanzdienstleister gewichen. Und die erfolgreichsten Plattformbetreiber sind von Start-ups zu börsennotierten Unternehmen geworden. Am weltgrößten Anbieter Lending Club, über den bereits knapp 13 Milliarden Euro Kredite vergeben wurden, ist der Internetkonzern Google beteiligt.