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Greenpeace Magazin Ausgabe 6.16

„Der Anbau muss sich drastisch ändern“

Die Selbstverpflichtung der Industrie sei nur halbherzig und die Plantagen-Lobby wehre sich erfolgreich gegen strenge Auflagen, kritisiert Greenpeace-Kampaignerin Gesche Jürgens. Sie fordert klare staatliche Auflagen zum Schutz der Regenwälder

Seit 2004 gibt es ein Gremium, den Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl, RSPO, bestehend aus mehr als 2200 Industrievertretern und Umweltverbänden, die sich für einen nachhaltigeren Anbau von Ölpalmen einsetzen. Was ist davon zu halten? Der Ansatz ist grundsätzlich richtig, denn die Ölpalme an sich ist ja keine schlechte Nutzpflanze. Allerdings muss sich die Art und Weise des Anbaus drastisch ändern. Denn auch wenn nach RSPO-Vorgaben beispielsweise besonders artenreiche Wälder geschützt und Menschen- und Arbeiterrechte geachtet werden sollen, gehen diese Kriterien längst nicht weit genug. Zudem werden noch nicht einmal diese Kriterien von allen Firmen eingehalten.

Das Gremium steht also zu Recht in der Kritik? Ja. Denn die Umwandlung von Regenwäldern in Plantagen ist weiterhin erlaubt. Welche Wälder schützenswert sind, ist zu vage definiert. Auch der Einsatz hochgiftiger Pestizide und die Anlage von Plantagen auf Torfböden, die dann CO2 freisetzen, sind nicht verboten. Greenpeace hat daher innerhalb der Palmoil Innovation Group (POIG) an einem Kriterienkatalog mitgearbeitet, der ökologische und soziale Mindeststandards deutlich über die RSPO-Kriterien hinaus festgelegt hat. Die POIG ist ein Netzwerk von Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen.

Woran hakt es beim RSPO? Die unterschiedlichen Interessen sind nicht gerecht vertreten. Es sitzen zu viele Industrievertreter zu wenigen Umweltschutzorganisationen gegenüber. Daher sind die Verhandlungen über Standards äußerst zäh. Die werden zwar von unabhängigen Unternehmen überwacht, bei der Qualität der Prüfer gibt es aber eine große Bandbreite.

Wie kann ein wirklich nachhaltiger Anbau vorangetrieben werden? Der indonesische Präsident Joko Widodo hat vernünftige Schritte für einen besseren Schutz der Wälder und Torfmoore angekündigt. Doch zu wenig davon wird umgesetzt, es gibt keine zusammenhängende Regierungspolitik. Eigentlich müssten jene Plantagenfirmen bestärkt werden, die sich dem konsequenten Schutz der Regenwälder verpflichtet haben. Denn sie erfüllen ja genau die Anforderungen großer Abnehmer wie Unilever oder Nestlé, die erklärtermaßen kein Palmöl aus ökologisch und sozial fragwürdigem Anbau mehr verwenden wollen. Doch stattdessen gibt die Politik immer wieder dem großen Druck von Teilen der Plantagenindustrie gegen strengere Auflagen für die Palmölproduktion nach. Das passt nicht zusammen.

Inwiefern können Unternehmen von Deutschland aus etwas verändern? Deutschland ist kein unwichtiger Abnehmer von Palmöl und kann Druck machen. Zwar gibt es Initiativen wie das Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP), das sich neben einem verstärkten Einsatz von RSPO-zertifiziertem Palmöl auch für Kriterien einsetzt, die über den RSPO hinausgehen. Die Frage ist nur, ob die Mitgliedsfirmen diese von den Zulieferern auch wirklich konsequent einfordern. Manche Branchen, beispielsweise die Futtermittelindustrie, bemühen sich allerdings noch nicht einmal um RSPO-zertifiziertes Palmöl.

Könnte denn eine gute Zertifizierung das Problem lösen? Nein, die Politik muss klare Grenzen setzen. Deutschlands „Palmöl-Fußabdruck“ kann nur mithilfe verschärfter staatlicher Auflagen spürbar verkleinert werden. Viel zu viel Palmöl landet hierzulande in Dieseltanks, da gehört es nicht hin. Der Versuch, mit Biokraftstoffen wie Palmöl die Emissionen von Treibhausgasen im Verkehr zu senken, ist gescheitert. Die von der EU festgeschriebenen Beimischungsquoten müssen daher so schnell wie möglich weg.

Ist es besser, als Verbraucher Palmölprodukte ganz zu meiden oder auf bio-faire Produktion zu achten? Wir raten dazu, Bioprodukte zu kaufen. Bei Bio-Palmöl hat man die größte Sicherheit, dass kein Raubbau an der Natur betrieben wird. Und die ökologische Landwirtschaft hat viele weitere Vorteile. Generell sollten weniger Fertigprodukte gegessen werden, die sehr oft Palmöl enthalten. Besser ist es, saisonal und regional einzukaufen, selbst zu kochen – und keine Lebensmittel wegzuwerfen.