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Greenpeace Magazin Ausgabe 6.17

Der Feinstaubaktivist

Wegweiser: Jan Lutz, 42, macht das Feinstaubproblem in den Städten sichtbar
Das Neckartor in Stuttgart: Eine trostlose, sechsspurige Straße, bekannt als „die schmutzigste Deutschlands“. In der Feinstaubsaison von Oktober bis März werden hier oft an mehreren Tagen in der Woche die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation und der EU überschritten.

Die Werte liefern die fünf offiziellen Messstationen für Feinstaub in Stuttgart. Das war Jan Lutz nicht genug, ihm fehlten detaillierte Daten, für alle einfach und nachvollziehbar aufbereitet. „Es ist 2017. Warum können wir den Feinstaub nicht wie ein Regenradar verfolgen?“, fragt Lutz. Der Kommunikationsdesigner machte es sich zum Ziel, die Feinstaubbelastung abzubilden.

Seit Anfang 2017 bietet er mithilfe von Crowdfunding und der Unterstützung der Open Knowledge Foundation Workshops an, bei denen sich Bürger selbst eine Messstation bauen können. Sie besteht aus einem Feinstaubsensor, einem kleinen Prozessor mit WLAN-Chip, einer USB-Stromversorgung und zwei einfachen Plastikrohren als Wetterschutz. Dreißig Euro kostet die Mini-Messstation, die an der Hauswand oder auf dem Balkon angebracht wird. Die so erhobenen Daten werden in einer Karte zusammengeführt, die jeder auf der Internetseite des Projektes einsehen kann. 300 Sensoren gibt es mittlerweile in Stuttgart, doch längst ist das Projekt über Schwaben hinausgewachsen: 1600 Messstationen erfassen nun die Luftqualität weltweit – auch in Chile, Südafrika und der Türkei sind Stationen installiert.

Die Messdaten, hofft Lutz, können den Wandel beschleunigen. Denn obwohl das Problem unübersehbar ist, seien Lösungen noch weit entfernt: „Das ist ein Krieg der Generationen“, sagt er. Angesichts des Klimawandels und schleichender Gesundheitsgefahren müssten sofort alternative Mobilitätskonzepte umgesetzt werden. Die Feinstaubwerte in Bürgerhand könnten den entscheidenden Impuls geben für den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel, der Elektromobilität und neuer Radfahrkonzepte. „Nach zwanzig Jahren Innovationsstillstand muss sich jetzt endlich was bewegen“, sagt Lutz.
luftdaten.info