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Greenpeace Magazin Ausgabe 4.15

Der lange Weg zum Frieden

Text: Andrea Hösch

Selbst wenn die Friedensverhandlungen erfolgreich verlaufen, wird es in Kolumbien weitere Opfer geben: Das Land ist mit Minen übersät

Die Kolumbianer sehnen sich nach Frieden. Zu Hunderttausenden gehen sie auf die Straße und fordern das Ende des seit 50 Jahren andauernden blutigen Konflikts zwischen Rebellen und Regierungstruppen. Ihre Hoffnung ruht auf den Gesprächen, die die Regierung seit 2012 mit der linksgerichteten Farc führt. Über eine Landreform und die politische Beteiligung der Rebellen sind sich die Konfliktparteien einig. Strittig ist aber noch, wie die Verbrechen aufgearbeitet und die Opfer entschädigt werden sollen. Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos gibt sich optimistisch: Noch vor dem geplanten Papstbesuch 2016 will er den Friedensvertrag unterzeichnen und bis 2021 sein Land von Minen befreien. Für beide Ziele fordert er internationale Unterstützung. Deutschland hat bereits Hilfe zugesagt.

Laut Schätzungen liegen 100.000 Minen im ganzen Land verstreut. Seit 1985 sind nach Angaben kolumbianischer Behörden fast 13.000 Menschen Opfer von Minen oder Blindgängern geworden. Jeder Dritte war Zivilist. Allein im vergangenen Jahr kamen 104 Menschen bei Minenunfällen ums Leben oder wurden verletzt – damit belegt das südamerikanische Land hinter Afghanistan in der Opferstatistik den zweiten Platz. Zwar sind Antipersonenminen in Kolumbien seit 1997 durch die Internationale Ottawa-Konvention geächtet. Dennoch verlegte vor allem die Farc-Guerilla „die Waffen der Armen“, denn Minen sind einfach und billig herzustellen. Insgesamt kamen während des Bürgerkrieges etwa 220.000 Menschen ums Leben, mehr als fünf Millionen wurden vertrieben. „Um den Konflikt dauerhaft zu lösen, müssen die Verbrechen aufgeklärt und das Land gerecht verteilt werden. Das sind die Schlüssel zu einem stabilen Frieden“, sagt Matthias Schreiber, Kolumbien-Experte von Amnesty International.