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Greenpeace Magazin Ausgabe 1.18

Der Pestizidexperte

Wegweiser: Lars Neumeister, 43, bloggt über chemische Belastungen
Lars Neumeister macht im Alleingang, womit in Behörden und Unternehmen ganze Abteilungen beschäftigt sind. „Es gibt kaum jemanden, der wie ich Datenbankprogrammierung und Pestizid-Expertise verbindet“, sagt der Ingenieur. Tatsächlich ist Neumeisters in vielen Jahren gewachsenes Wissen über Toxikologie, Biodiversität und Agrarpolitik auf der ganzen Welt gefragt. Denn wo in Massen Pestizide eingesetzt werden, sind sowohl Umwelt als auch Menschen gefährdet: „Indem man Ackergifte reduziert, kann man Leben retten.“

Neumeister arbeitet als unabhängiger Pestizidexperte, er sammelt Daten über chemische Belastungen in Nahrungsmitteln, arbeitet unter anderem in Costa Rica und berät Landwirte in Spanien, Ecuador und Kolumbien, wie sie den Pestizideinsatz verringern können. In Deutschland macht er öffentlich, wovor viele die Augen verschließen: die übermäßige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln in der konventionellen Landwirtschaft. Die Zahlen dafür bekommt er vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit. Neumeister führt sie zu einem dreißig Millionen Datensätze umfassenden Nachschlagewerk zusammen. Seine App „Essen ohne Chemie“ übersetzt das in eine Lebensmittelampel, die anzeigt, welche gängigen Produkte belastet sind: mit Pestiziden und anderen gesundheitsschädlichen Rückständen.

Mit seiner Arbeit will Lars Neumeister aber niemandem die Freude am Essen nehmen. Er will den Konsumenten helfen, ihre Ohnmacht hinter sich zu lassen. „Wo niemand hinguckt, sind die Verordnungen mangelhaft“, sagt er, „aber da, wo sich die Zivilgesellschaft einsetzt, da passiert etwas.“ Damit sich etwas bewegt, will Neumeister weiter informieren. Denn nur wenn die Menschen die Fakten leicht verständlich auf dem Tisch haben, findet er, können sie sich auch entscheiden, etwas zu verändern.
pestizidexperte.de