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Greenpeace Magazin Ausgabe 1.15

Der Pianist von Damaskus

Sieben Stunden übte Aiham Ahmed früher täglich – Rachmaninow, Chopin, Mozart. Heute spielt der im Flüchtlingslager geborene Palästinenser zwischen zerbombten Häusern in Damaskus – auch wenn ihm keiner zuhört. „Der Verrückte“ nennen ihn die Leute im syrischen Lager Yarmouk. Vor 28 Jahren wurde der Junge dort geboren. In diesem einstigen Vorzeigecamp lebten bis vor drei Jahren 150.000 palästinensische Flüchtlinge, heute sind es nur noch 15.000. Die Menschen wohnen in Trümmern, leiden Hunger, es gibt weder Wasser noch Ärzte. „Unser Leben ist nicht heroisch, sondern erbärmlich“, sagt der Musiker. Er hasst Heldentum und Märtyrerphrasen. Flüchten kann er nur in die Musik. Wenn die Töne erklingen, fühlt er sich lebendig. Doch sein Spiel bringt ihn in Gefahr. Immer mehr Dschihadisten versammeln sich in der syrischen Hauptstadt. Sie verbieten Musik. Deshalb meidet der Pianist belebte Plätze und spielt in versteckten Gassen.