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Greenpeace Magazin Ausgabe 3.05

Die Letzten ihrer Art

Text: Juliane Hanschkow

Der Tasmanische Beutelteufel (Sacrophilus Harrisii)

Als die Briten Ende des 17.Jahrhunderts Tasmanien besiedelten, glaubten sie, sich dem Leibhaftigen gegenüberzusehen: Sie wurden Zeuge, wie sich des Nachts pechschwarz bepelzte, hundsgroße Kreaturen brüllend, fauchend und miteinander raufend über Aas hermachten. Fortan hieß das Beuteltier mit den schlechten Manieren Tasmanischer Teufel. Seit sein Verwandter, der sagenumwobene Beuteltiger, vor fast einem Jahrhundert ausgestorben ist, gilt der Tasmanische Teufel als größtes Fleisch fressendes Beuteltier. Nun allerdings scheint auch sein Überleben gefährdet: Eine merkwürdige Seuche rottete in den letzten Jahren ein Drittel bis die Hälfte der ursprünglich etwa 150.000 wild lebenden Teufel aus. Die Tiere verenden qualvoll an Gesichtstumoren, die sie am Fressen hindern; im Endstadium durchwuchert der Krebs oft den ganzen Körper. Die Ursache der mysteriösen Erkrankung ist bislang ungeklärt, Fachleute diskutieren alle möglichen Auslöser von HIV-ähnlichen Viren bis hin zu Giften aus der Holzindustrie. Einiges deutet allerdings darauf hin, dass die Krankheit von Tier zu Tier übertragen wird womöglich bei den nicht eben seltenen Beißereien am Futterplatz. Gefährdet ist damit auch das biologische Gleichgewicht Tasmaniens. Die Vorliebe des Teufels für Aas macht ihn unentbehrlich als Gesundheitspolizei, zudem hält er die vor kurzem eingeschleppten Füchse in Schach, welche die einzigartige Tierwelt Tasmaniens dezimieren. Die Regierung der südaustralischen Insel unternimmt denn auch einiges, um das draufgängerische Geschöpf zu retten. Neben aufwändigen Feldstudien ließ sie kürzlich 25 junge und gesunde Tiere in einem Teil der Insel einfangen, wo die Seuche noch nicht wütet. Die Jungteufel stehen nun unter Quarantäne und sollen als Genpool dienen, falls sich der Bestand auf der Hauptinsel nicht erholt.