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Greenpeace Magazin Ausgabe 6.17

Die Ozeanerklärerin

Wegweiser: Lena Bayer, 31, bringt das Meer in die Stadt
Korallenriffe und Fischschwärme im Zentrum von Freiburg – Lena Bayer sorgt für maritimes Flair im Schwarzwald. „Wenn die Menschen nicht zum Meer kommen, kommt das Meer eben in die Innenstädte“, sagt sie. Bayer studiert Wissenschaftskommunikation in Karlsruhe und ist Mitinitiatorin des Projekts „Schaufenster Ozean“, das seit letztem Dezember leerstehende Schaufenster in ganz Deutschland mithilfe von Projektoren in riesige Aquarien verwandelt.

„Wir versuchen, die Menschen zu überraschen, indem wir Forschungsergebnisse in ungewöhnlichen Situationen zugänglich machen“, sagt Bayer. Wie beim Schaufensterbummel: Abends gehen die Projektoren an und ziehen die Blicke auf sich, viele Passanten bleiben stehen und verlieren sich in den Tiefen des Meeres. An Wochenenden berichten Meeresbiologen, Chemieingenieure oder Botaniker in Kurzvorträgen auf der Straße vor dem Schaufenster von ihrer Arbeit unter Wasser. Viel zu oft finde Wissenschaft weitab vom Alltag der Menschen in exklusiven Expertengremien statt, sagt Lena Bayer. Forschungsvermittlung sei besonders wichtig, um in Zeiten von „Fake News“ die Glaubwürdigkeit von Wissenschaft zu erhalten und Gelder für Schutzmaßnahmen und Forschung zu rechtfertigen.

„Man kann nur schützen, was man wertschätzt“, sagt die 31-Jährige, „und die Wertschätzung steigt durch die Präsenz.“ Wen kümmere schon das Korallensterben, wenn er nie ein Riff gesehen habe? Und wer interessiere sich für Millionen unbekannte Arten in den Ozeanen, wenn er nur Fischstäbchen kenne? Weil diese Annäherung in Zeiten des Klimawandels besonders wichtig ist, öffnet sich Anfang November während der Klimakonferenz ein Ozean-Schaufenster in der Innenstadt von Bonn. „Wir wollen die Menschen durchs Zusehen zum Zuhören und zum Handeln bringen“, sagt Bayer.
schaufenster-ozean.de