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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.15

Die Wasserwächter

Text: Thomas Krause

Mehr als eine halbe Milliarde Westbengalen trinken seit Jahrzehnten arsenverseuchtesGrundwasser. Eine Umweltinitiative aus Delhi löst das Problem mit Filtern

Manatosh Bisulas hat schwarze Flecken an Beinen, Händen und am Oberarm. Der 55-jährige Landarbeiter aus der Nähe von Kalkutta ist längst daran gewöhnt, er hat sie schon seit 30 Jahren. Sie sind ein Symptom für ein großes Problem im indischen Bundesstaat Westbengalen: In den Dörfern entlang des Ganges trinken die Menschen arsenverseuchtes Wasser. Der Fluss spült das natürlich vorkommende Arsen aus dem tibetischen Hochland heraus, so landet das Gift im Grundwasser. Mehr als eine halbe Milliarde Menschen sind diesem Risiko ausgesetzt. Ihnen drohen Organschäden und Verfärbungen der Haut – eine Vorstufe von Hautkrebs.

Im Dorf Madhusudankati hat die Hilfsorganisation Sulabh mit Sitz in Delhi Ende 2014 eine Wasserfilteranlage installiert, damit die Bewohner ihr Trinkwasser wieder aus Flüssen und Seen holen können. Davon war ihnen aufgrund von Krankheitserregern wie Cholera lange abgeraten worden. Im Gegensatz zu Arsen lassen sich Keime aber leicht aus dem Wasser herausfiltern.

Für das Pilotprojekt wurden zwei Regenwasserteiche angelegt. Filter und Teiche sollen 400 Familien mit arsenfreiem Trinkwasser versorgen. Sulabh hat die Anlage vorfinanziert und 20 Dorfbewohner als Bauarbeiter beschäftigt. Vier von ihnen wurden für die Wartung der Anlage ausgebildet. Die Menschen zahlen für das saubere Wasser und finanzieren so die von Sulabh vorgestreckten Baukosten sowie die Instandhaltung der Anlage.

„Es ist gut, dass endlich etwas passiert“, sagt Dipankar Chakraborti, Professor an der Jadavpur Universität in Kalkutta. Er hat Jahrzehnte geforscht und dafür gekämpft, dass die indische Regierung das Arsen-Problem anerkennt. Doch Chakraborti hat auch Zweifel an dem Projekt: „Es muss ständig getestet werden, ob nicht doch von umliegenden Feldern Arsen in die Trinkwasserteiche gespült wird.“

Bisulas dagegen ist glücklich mit dem Filterprojekt. Er hofft, dass es ihm dank des sauberen Wassers gesundheitlich bald wieder besser gehen wird.