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Greenpeace Magazin Ausgabe 1.04

Drei Soldaten machen nicht mehr mit

Warum ein Kindersoldat, ein Ex-GI und ein israelischer General sich weigern, weiter zu schießen.

James, 18 Jahre,
Ex-Kindersoldat in Sierra Leone

„In Sierra Leone schießen die Leute aufeinander und schneiden sich mit dem Buschmesser Kopf oder Hände ab. Ich war noch so klein und wusste nicht, dass es Länder gibt, wo das nicht erlaubt ist.“ Fast die Hälfte seines Lebens hat James für die berüchtigte Rebellenarmee „Revolutionäre Vereinte Front“ in Sierra Leone gekämpft. Er war sieben Jahre alt, als die Rebellen seine Familie ermordeten und ihn wie andere Kinder verschleppten und zum Kämpfen zwangen: „Wir mussten Diamanten schürfen, Dörfer überfallen und schießen, schießen, schießen. Sonst hätten sie uns getötet.“ Der Junge hat einen Kopfschuss überlebt, die Folter durch Regierungssoldaten und die Befreiung durch Kameraden, die in ihm einen Verräter sahen. An Bord eines Schiffes gelang James die Flucht nach Europa. Seit zwei Jahren wird er in Deutschland geduldet. Ein 18-Jähriger mit den Erinnerungen eines Kriegsveteranen. Und der panischen Angst, zurück nach Sierra Leone zu müssen. Sein Asylantrag wurde abgelehnt. Zurzeit darf er nicht abgeschoben werden, weil er schwer traumatisiert ist, hat ein Gericht entschieden. Aus Angst vor seinen Landsleuten wollte James sich nicht porträtieren lassen und seinen richtigen Namen nicht nennen.

Kinderhilfsorganisationen:
Terre des Hommes www.tdh.de
Unicef www.unicef.de

David Carson, 38 Jahre,
verweigerte den Kriegsdienst bei der US Army

„Für Öl will ich nicht kämpfen, dachte ich, als 1990 der Krieg gegen den Irak drohte. Ich wollte aber auch nicht desertieren. Irgendwann hätten sie mich erwischt und bis zu sieben Jahre ins Gefängnis gesteckt. Von einem Priester erfuhr ich, man könne den Kriegsdienst verweigern. Das tat ich. ‚Es nützt dir nichts, du gehst mit’, drohten meine Vorgesetzten. Im Dezember 1990 bugsierten sie mich in einen Bus und zerrten mich mit Gewalt in ein Flugzeug. Im Irak weigerte ich mich, eine Waffe zu tragen, trat in den Hungerstreik, wusch mich monatelang nicht, täuschte einen Selbstmordversuch vor. Es half nichts. Meine Verweigerung wurde erst nach dem Waffenstillstand anerkannt. Noch lange litt ich unter Ängsten und wurde die Bilder zerfetzter Menschen nicht los. Als in diesem Frühjahr der gleiche Irrsinn wieder losging, bin ich zurückgekehrt vor die Tore der Kasernen. Um die Jungs wachzurütteln, die es diesmal erwischen sollte und die — wie ich früher — glaubten, die Army, das sei Heldentum, Abenteuer, Partys. Ein paar konnte ich überzeugen, die sind desertiert.“ Der Texaner David Carson lebt in Hanau.

Internationale Hilfe für Kriegsdienstverweigerer:
www.connection-ev.de

Yiftach Spector, 63 Jahre,
Israelischer General

Er war der höchstdekorierte Kampfpilot der israelischen Luftwaffe und gilt als Nationalheld. Er flog 334 Kampfeinsätze und schoss im Sechstagekrieg 1967 und Jom-Kippur-Krieg 1973 15 Feindflugzeuge ab. Er war 1981 an der Bombardierung des im Bau befindlichen irakischen Atomreaktors beteiligt. Im Herbst 2003 wurde Yiftach Spector nach vier Jahrzehnten aus der Armee entlassen. Er hatte eine Petition unterzeichnet, in der 27 israelische Piloten Luftangriffe auf Bevölkerungszentren im palästinensischen Westjordanland und im Gazastreifen verweigern. Die Soldaten, darunter hochrangige Offiziere, bezeichnen die Bombardierungen als unmoralisch. Es sei illegal und unethisch, unschuldige Zivilisten anzugreifen, sagt der 63-jährige Spector, die Besatzung korrumpiere Israel und gefährde seine Sicherheit.

In der israelischen Öffentlichkeit löste der Piloten-Aufruf einen Sturm der Entrüstung aus, selbst in progressiven Kreisen. Die Situation könne nur politisch gelöst werden, hält Spector, Brigadegeneral der Reserve und Initiator der Petition, dagegen. Die Scharon-Regierung weise keine Perspektiven auf. Spector plädiert für einen einseitigen Rückzug der israelischen Armee aus den besetzten Gebieten und für eine physische Trennung von den Palästinensern. Israel sei der Stärkere und müsse nachgeben.