Greenpeace Magazin

Ausgabe 1.04

Editorial

Millionen Menschen spüren, dass der militärische Durchmarsch nicht zu Stabilität und Gerechtigkeit, sondern zu immer mehr Gewalt und Hass und Terror führt, wie wir es Tag für Tag nicht nur im Irak erleben.

Und es gibt Millionen Menschen, die nicht wollen, dass Politik durch Kriegsgeschrei ersetzt wird, noch ehe überhaupt versucht wurde zu verhandeln, zu vermitteln, zu schlichten. Dazu braucht man Intelligenz, Geduld, Fantasie – und den Respekt aller Konfliktparteien. Washington jedoch ist gerade dabei, diesen Respekt weltweit zu verspielen – vermutlich für lange Zeit.

Um Leben und Tod gehe es bei den US-Präsidentschaftswahlen im November 2004, meint der amerikanische Börsenguru und Multimillionär George Soros, der mehr als 20 Millionen Dollar in eine Anti-Bush-Wiederwahl-Kampagne stecken will.

So wie Soros sehen das auch viele andere Amerikaner, die den Kriegskurs von George W. Bush, dessen hemmungslose Kriegsrhetorik („We smoke them out!“) und die ungenierte Förderung der Rüstungsindustrie durch das Weiße Haus leid sind.

Krieg ist wieder einmal zentrales Politikinstrument, sogar Politikersatz. Unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung – und oft unter Ausschluss einer kritischen Öffentlichkeit – führen Regierungen blutige Kreuzzüge. Ein Beispiel ist der Feldzug des russischen Präsidenten Putin in Tschetschenien, dessen Hintergründe wir ab > SEITE 46 beleuchten.

Aber wir zeigen nicht nur auf die USA oder Russland, sondern beleuchten auch die deutsche Beteiligung am Rüstungswettlauf.

Mit diesem Sonderheft geben wir Ihnen gewissermaßen einen Überblick über die Frontlage. Und wir stellen Alternativen zum Krieg vor, so in unserer Reportage aus Bosnien. Dort kämpfen ehemalige Soldaten dafür, dass die Menschen in dem geschundenen Land endlich zum Frieden finden.

Frieden ist die wichtigste Voraussetzung überhaupt für das Wohlergehen der Menschen, aber auch für eine gesunde Umwelt und intakte Natur. Ich wünsche Ihnen deshalb ein friedliches Neues Jahr.

Mit freundlichen Grüßen
Jochen Schildt, Chefredakteur

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