Greenpeace Magazin

Ausgabe 2.99

Editorial / Agenda 2000

Der Kampf David

gegen Goliath bleibt aktuell, wird mehr denn je an allen Fronten geführt und — erfreulicherweise — manchmal auch gewonnen.

Wie im Falle unseres Redakteurs Timm Krägenow. Obwohl die Atomkonzerne mit allen Tricks den längst überfälligen Ausstieg aus ihrer gefährlichen Technologie zu blockieren suchen, gelang es ihm nach acht Monaten beharrlichen Bohrens, seine Wohnung in Hamburg vom Atomnetz zu nehmen. Noch ist der Weg zum Windstrom in Hamburg dornenreich und kostspielig. Doch der Energieversorger HEW hat inzwischen signalisiert, den Zugang zu den Alternativen in Zukunft zu erleichtern. Lesen Sie dazu unsere Geschichte „Gegen den Strom“ ab Seite 50.

In einer Zeit der Mega-Fusionen von Konzern-Multis, auch in der Lebensmittelbranche, sehen sich nicht zuletzt die Bio-Landwirte in die Rolle der kämpferischen Zwerge gedrängt. Sie liefern bis jetzt nur rund zwei Prozent der Lebensmittel auf dem deutschen Markt. Die EU-Agrarreform „Agenda 2000“, die in Kürze verabschiedet werden soll, hilft aber vor allem den Agrarfabriken und scheint der Gentechnik Tür und Tor zu öffnen. Doch auch die Bio-Bauern haben eine echte Chance, ihren Marktanteil zu steigern. Sie wollen endlich ein gemeinsames Bio-Label für alle Verbände des Öko-Landbaus schaffen. Verbraucher, die auf Qualität statt auf billig produzierte, aber ökologisch schädliche Massenware setzen, können sie dabei unterstützen: indem sie bei Öko-Bauern kaufen und in Supermärkten und Kaufhäusern nach Eiern und Fleisch, Gemüse und Salat aus biologischem Anbau fragen. Mehr dazu in unserer Titelgeschichte, „Lebensmittel von der Stange“, ab Seite 16.

Zum Schluß noch ein Wort in eigener Sache. Auch das Greenpeace Magazin ist ein David. Doch wir behaupten uns am deutschen Markt mit seinen mehr als 1500 Zeitschriften- und Magazintiteln auf ziemlich bemerkenswerte Weise: 120.000 Hefte finden regelmäßig ihren Weg zu Ihnen, unseren Abonnenten und den Käufern am Kiosk. Unser Magazin ist als einziges in Deutschland anzeigenfrei und deshalb so kompromißlos wie kein anderes. Trotzdem tragen wir uns selbst. Und das seit mehr als sechs Jahren ohne einen Pfennig Spendengeld.

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Mit freundlichem Gruß

Jochen Schildt, Chefredakteur

Von JOCHEN SCHILDT