Greenpeace Magazin

Ausgabe 6.14

Editorial Ausgabe 6.14

Als die Mauer fiel, war unsere Autorin

Katja Morgenthaler zehn Jahre alt und lebte in Leipzig. Beim Abendbrot reimte der Vater – ein Diplomingenieur – sarkastisch: „Wir bau’n aufs letzte Wiesenstück ’ne stinkende Chemiefabrik.“

Das Elternhaus stand nur rund zwei Kilometer von einem Tagebau entfernt: „Bei Westwind quietschten mir die Bagger ein Schlaflied.“ Und rund um Leipzig verpesteten die Braunkohlekombinate Luft und Flüsse in natur- und menschenverachtender Weise.

Nicht nur die mangelnde Reise- und Gedankenfreiheit, sondern auch die tägliche Sorge um die Luft zum Atmen trieb die Leipziger in diesen Tagen auf die Straße. So war es auch die kaputte Umwelt, die am 9. November vor 25 Jahren die SED-Herrschaft aus den Angeln hob und zum Fall der Berliner Mauer führte.

Lesen Sie ab Seite 66 die aufregende und ganz persönliche Spurensuche meiner Kollegin Katja Morgenthaler, die in Leipzig auch Zeitzeugen aus der DDR-Umweltbewegung getroffen hat.

An den Bodensee reisten Vito Avantario und Kurt Stukenberg. Dort scheint die Welt noch in Ordnung zu sein: kaum Arbeitslose, die Idylle blitzsauber gepflegt – deutsches Biedermeier erwartet den Besucher.

Doch hinter den Kulissen der Bodensee-Städtchen geht es weniger friedlich zu: Entlang der Bundesstraße 31 reiht sich ein Rüstungsbetrieb an den anderen. Hinter hohen Zäunen und gut bewacht, tüfteln dort Ingenieure an todbringenden Systemen. Die Waffen werden gegen gutes Geld verkauft, sie sorgen am Bodensee für Wohlstand und heizen neue Kriege an.

Von hier aus exportiert Deutschland Waffen in alle Welt, genau jene Waffen, die mitverantwortlich sind für die massiven Flüchtlingsströme nach Europa. Auf diesen Zusammenhang werden die meisten Menschen am Bodensee allerdings nur ungern angesprochen. Unsere Titelgeschichte „Der Rest ist Schweigen“ beginnt auf Seite 18.

Auch beim Lesen dieser Ausgabe wünsche ich Ihnen viele neue Erkenntnisse. Und empfehlen oder verschenken Sie unser Magazin bitte weiter.

Mit freundlichen Grüßen
Jochen Schildt, Chefredakteur