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Greenpeace Magazin Ausgabe 4.18

Edwin Groenendijk packt aus

Wegweiser: Edwin Groenendijk, 48, weigert sich, Plastik mit nach Hause zu nehmen. Irgendwas stimmt hier nicht. Alle schimpfen über Plastikmüll und trotzdem sind beinahe alle Produkte im Supermarkt in reichlich Kunststoff verpackt – gerade dann, wenn „bio“ oder „vegan“ draufsteht. Laut Eurostat hat die Müllmenge in der EU durch Plastikverpackungen von 2005 bis 2015 um zwölf Prozent zugenommen, in Deutschland sogar um fast ein Drittel.

„Irgendwann ist das Maß voll“, sagt Edwin Groenendijk. Sein Ärger über die Verpackungsberge wurde zu Aktionismus, als er im März auf Facebook von einem viel beachteten Flashmob in Bristol erfuhr. Damals tauchten plötzlich Leute in einem Tesco-Supermarkt auf, kauften ein, packten die Ware vor Ort aus, nahmen sie mit und ließen einen großen Haufen Plastikmüll zurück. „Ich fand die Idee bestechend einfach und wirkungsvoll – und wusste, dass ich jetzt selbst etwas unternehmen muss.“ Noch am selben Abend postete er einen Aufruf für eine „Plastic Attack“ in Brüssel. Wenig später wurde in einem Laden in bester Innenstadtlage den ganzen Nachmittag lang eingekauft und ausgepackt. Die Aktion fand in ganz Europa Unterstützer.

„Die Supermärkte sind die Quellen des Mülls. Dort müssen wir auf Veränderungen drängen“, sagt der Aktivist. Natürlich gebe es vielerorts Alternativen wie Wochenmärkte oder plastikfreie Läden – der Wandel müsse aber aus der Mitte der Gesellschaft kommen, findet der 48-Jährige. Und die gehe nun mal mehrheitlich in ganz normale Supermärkte.

Tagsüber arbeitet Groenendijk als Designer, abends und nachts vernetzt er sich nun mit Menschen auf der ganzen Welt, um „Plastic Attacks“ zu einer andauernden Bewegung zu machen. In Brüssel hat die Aktion schon erste Früchte getragen: Der attackierte Supermarkt Delhaize stellte den Plastikgegnern kostenlos Leinentüten zur Verfügung, in denen sie ihre Einkäufe mit nach Hause nehmen konnten. „Ein guter Start“, sagt Groenendijk.
#plasticattack