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Greenpeace Magazin Ausgabe 4.16

Eine Frage – drei Antworten / 4.16

IST EINE KAUFPRÄMIE FÜR ELEKTRO-AUTOS SINNVOLL UND GERECHT?

Bis 2020 sollen auf Deutschlands Straßen eine Million Autos mit Elektroantrieb unterwegs sein. Bislang sind es gerade einmal 25.500 E-Autos und 130.000 Hybridfahrzeuge. Um ihr Ziel dennoch zu erreichen, hat die Bundesregierung nun einen „Umweltbonus“ als Kaufanreiz beschlossen: 4000 Euro sollen Kunden beim Kauf eines reinen Stromers dazubekommen, 3000 Euro bei einem Hybrid. Eine gute Idee?

1_ Alexander Dobrindt (CSU), 46, ist Bundesverkehrsminister. Er hat die Prämie mit auf den Weg gebracht
Das Verkehrsministerium wollte sich nicht zum Thema äußern.

2_ Gerd Lottsiepen, 62, ist verkehrspolitischer Sprecher des alternativen Verkehrsclubs Deutschland (VCD)
Nein, sie ist ungerecht und ökologisch fragwürdig. Die Förderung per Gießkanne ist eine reine Industrieförderung – und dafür zahlen die Bürger Steuern. Sie zahlen für Autos, die bis zu 60.000 Euro kosten, egal wie viel Energie sie verbrauchen. Damit werden weder Klimaschutzziele glaubhaft verfolgt noch verhelfen die Rabatte zum Marktdurchbruch. Für den klimafreundlichen Verkehr brauchen wir effiziente E-Autos, aber auch viel mehr regenerativ erzeugten Strom. 2050 werden wir für den Verkehr mehr Strom benötigen als wir heute insgesamt erzeugen. Die Energiewende braucht die Verkehrswende: Verkehrsverlagerung und Tempolimit. Durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 Stundenkilometern auf Autobahnen könnten pro Jahr drei Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, so viel wie mit einer Million Elektroautos – betankt mit grünem Strom. Auch E-Autos brauchen, um mitzuschwimmen, das Tempolimit, denn die Batterien laufen bei hohen Geschwindigkeiten schnell leer.

3_ Siegfried Neuberger, 56, ist Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbandes
Eine Prämie für E-Bikes wäre sinnvoller. Der Beschluss der Bundesregierung, eine Kaufprämie für Elektroautos einzuführen, ist nicht nur auf der politischen Ebene umstritten. Nachdem in der Vergangenheit über 500 Millionen Euro in die Förderung der automobilen Elektromobilität gepumpt wurden, ohne dass sich diese Investitionen in den Zulassungszahlen widerspiegeln, soll jetzt auch noch eine Kaufprämie der Automobil-Industrie beim Absatz der E-Autos helfen. Die deutsche Zweirad-Industrie hat es im Gegensatz dazu in den letzten Jahren durch hervorragende und innovative Produkte auch ohne einen Euro an Fördermitteln geschafft, den Markt auszubauen und die Verbraucher an die Elektromobilität heranzuführen. Um die riesigen Potenziale der E-Bikes für Umwelt, Gesundheit und lebenswerte Städte noch schneller auszuschöpfen, ist eine Steigerung der Nutzung dieser Fahrzeuge dringend erforderlich. Deshalb fordert die Fahrradindustrie auch für E-Bikes eine Kaufprämie.