Guten Abend,

„Packt Atemmasken ein!“, möchte man Delegierten, Pressekorps und allen anderen nahelegen, die sich für die Reise nach Katowice rüsten. Der Tagungsort der 24. Vertragsstaatenkonferenz der UN-Klimarahmenkonvention, kurz COP 24, liegt nämlich mitten im schlesischen Kohlerevier. 33 der 50 übelsten europäischen Smog-Städte befinden sich in Polen. Wer sich von Deutschland Rat und vielleicht sogar Tat in Sachen Kohleausstieg erhofft hatte, wird leider enttäuscht: Anders als geplant wird die Kohlekommission ihren Endbericht nicht vor dem 1. Februar 2019 vorlegen.

Dabei zeigt der jüngste Bericht des Weltklimarats IPCC, dass es jetzt auf Tempo ankommt: Selbst wenn die 2015 in Paris beschlossenen Klimapläne umgesetzt werden, würden 2030 immer noch zu viele Treibhausgase ausgestoßen, um auch nur das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Soll der Anstieg bei 1,5 Grad gestoppt werden, was nach dem IPCC-Bericht ratsam wäre, müssten die Staaten ihre Anstrengungen verfünffachen. Preisfrage: Für wie aussichtsreich halten wir das?

Die unzähligen Meldungen, die fortlaufend zum Thema Klima eintrudeln, geben zumeist wenig Anlass zum Optimismus. Ein paar Fundstücke aus der großen Kiste der Hiobsbotschaften aus jüngerer Zeit: Im grönländischen Qaanaaq, einem der nördlichsten Orte der Erde, schmilzt Mensch und Tier buchstäblich der Boden unter den Füßen weg. Auch den höchstgelegenen Gletschern der Welt im Himalaya rund um den Mount Everest können wir beim Schrumpfen zusehen.

Hilfsorganisationen weisen seit Jahren auf eine dramatische Zunahme von Dürren und anderen Wetterextremen hin, die in vielen Ländern die Erzeugung von Nahrungsmitteln erschwert oder verhindert, in Afghanistan, Kenia und Nordkorea, aber auch in Australien. Küstenerosion im Senegal, Überflutungen in Mozambik, ausbleibende Niederschläge in Lesotho, die Ausbreitung der Sahara in Mauretanien – die Liste der beobachteten Phänomene scheint endlos.

Auch auf die USA kommen stürmische Zeiten zu, besagt das nationale Klimagutachten, erarbeitet von Wissenschaftlern der Regierung, staatlicher Universitäten und Privatunternehmen. Veröffentlicht wurde es zwei Wochen früher als geplant, ausgerechnet am Black Friday, wo das ganze Land sich dem kollektiven Kaufrausch hingibt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Donald Trump werden die düsteren Prognosen des Berichts nicht weiter scheren, doch es gibt in seiner Regierung Inseln klimapolitischer Einsicht, man glaubt es kaum: im Pentagon. Die Militärs haben den Klimawandel seit Jahren auf dem Schirm, schon allein deshalb, weil ihre Infrastruktur darunter leidet. Nicht nur auf Stützpunkten im Pazifik, sondern auch daheim in Florida oder in Norfolk, Virginia, wo atomgetriebene U-Boote repariert werden. Überflutete Trockendocks sind da nicht sehr hilfreich. Werden keine Gelder bewilligt, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, ist man womöglich bald nur noch bedingt verteidigungsbereit. Außerdem wissen die Generäle längst, dass sich Krisen und Konflikte klimabedingt verschärfen können.

Himmel noch mal, gibt es denn keine guten Nachrichten? Doch! Kleine Auswahl aus deutschen Landen: Der Rhein-Hunsrück-Kreis steht eher selten im Rampenlicht, dabei hat ihn die Agentur für Erneuerbare Energien gerade als Energie-Kommune des Jahrzehnts ausgezeichnet für die Senkung des CO2-Ausstoßes auf null. Was übrigens summa summarum mehr einbringt als es kostet.

Unterdes haben sich bundesweit alle vom Braunkohletagebau bedrohten Dörfer zu einem Bündnis gegen Abriss, Zwangsumsiedlung und Klimazerstörung zusammengeschlossen, Motto: Alle Dörfer bleiben! Ein Bericht im Auftrag des Wirtschaftsministeriums besagt, dass erneuerbare Energien und Power-to-X-Anlagen in den betroffenen Regionen zum erfolgreichen Strukturwandel, sprich zur Schaffung von Arbeitsplätzen, beitragen könnten. Und die Deutsche Bahn hat sich vorgenommen, bis 2030 zu 80 Prozent mit Ökostrom zu fahren. Wir hoffen, dass es bei diesem Vorhaben nicht zu Störungen im Betriebsablauf kommt.  

Über das, was beim Klimagipfel in Katowice passiert, informieren wir Sie laufend auf unserer Website.

Eine Schippe drauflegen: Klimagipfel im Kohlerevier // Unsere Leseempfehlungen zum Wochenende

Kerstin Eitner
Redakteurin

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