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Greenpeace Magazin Ausgabe 2.17

„Es ist die letzte Zuflucht, die uns geblieben ist“

Im US-Staat Utah kämpft das Volk der Ute um sein angestammtes Gebiet. Denn Konzerne würden in der Region der Zwillingsberge „Bears Ears“ gern Öl und Gas fördern. Zwar stellte Präsident Obama sie kurz vor seinem Amtsende unter Schutz – doch Shaun Chapoose bleibt wachsam

Die Bears-Ears-Region ist wie ein großartiges Outdoor-Museum. Überall entdeckst du alte Tongefäße oder Artefakte, die dir erzählen, wie unsere Vorfahren gelebt haben. Du siehst wuchernde Kräuter und Heilpflanzen, die wir seit Jahrhunderten für unsere traditionelle Medizin verwenden. Oder du stolperst über einen der Indianerfriedhöfe, auf denen unsere Ahnen begraben liegen. Es sind Relikte aus einer Zeit, als dieses Land noch nicht USA hieß. Unser Stamm ist einer der wenigen, der seit seiner Entstehung vor mehr als 3000 Jahren nie an einem anderen Ort gelebt hat. Ich wurde hier geboren und habe mein ganzes Leben hier verbracht. Und auch meine erwachsenen Kinder wollten das Reservat nicht verlassen. Hier sind unsere Wurzeln, hier ist der letzte Zufluchtsort, der uns noch geblieben ist.

Denn im Laufe der amerikanischen Geschichte mussten wir immer wieder dabei zusehen, wie uns Land weggenommen wurde. Das zieht sich wie ein roter Faden bis in die Gegenwart. Heute ist unsere Heimat im Visier von großen fossilen Energiekonzernen. Innerhalb des Reservats gibt es riesige Öl- und Gasreserven. Rob Bishop, der republikanische Kongressabgeordnete des Bundesstaats Utah, versucht nun, diese Region von unserem Reservat abzuspalten. „Public Lands Initiative“ heißt das Projekt, mit dem meinem Stamm der wertvolle Boden genommen werden soll. Unterdessen plündern Kriminelle unsere alten Friedhöfe und Stätten. Sie stehlen kostbare Fundstücke und verscherbeln sie auf dem Schwarzmarkt.

Wir Ute haben schon lange beschlossen, dass es so nicht weitergehen kann. Mit allen Mitteln versuchen wir, unser letztes kulturelles Erbe zu verteidigen: Früher noch mit körperlicher Gewalt im Kampf auf unseren Pferden, später wurden Gerichtssäle zu unserem Schlachtfeld. Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in denen wir nicht in Rechtsverfahren mit dem Bundesstaat Utah verwickelt waren. Und das, obwohl der Staat sich ursprünglich nach uns, dem Ute-Volk, benannt hat. Allein im letzten Jahr fuhr ich unzählige Male nach Washington, führte ein Gespräch nach dem anderen, um auf unsere Rechte zu pochen. Denn laut US-Verfassung haben wir Indianer ein Recht auf unser Land.

Als Präsident Barack Obama im Dezember Bears Ears endlich als „National Monument“ unter Schutz stellte, freute mich das natürlich sehr. Trotzdem bin ich nicht so naiv, zu glauben, dass das nun das Happy End ist. Utahs Kongressabgeordneter Bishop hat schon angekündigt, dass er alle Hebel in Bewegung setzen wird, um Obamas Beschluss wieder rückgängig zu machen. Außerdem erscheint mir Donald Trump, der neue US-Präsident, völlig unberechenbar. Zwar hat er im Wahlkampf angekündigt, dass er die Bodenschätze der USA ausbeuten und die Industrie fördern will – aber warten wir erst mal ab. Ich fände es unfair, Trump nun anhand von Dingen zu beurteilen, die er noch gar nicht umgesetzt hat. Alles, was wir tun können, ist, uns darauf vorzubereiten, dass der Kampf um unser Land weitergehen wird.

Aufgezeichnet von Julia Huber

Zur Person
Shaun Chapoose, 49, ist Vorsitzender des „Ute Indian Tribe“ im US-Bundesstaat Utah. Er lebt mit seiner Frau, einer Rosebud Sioux, und mit seiner Tochter im 700-Einwohner-Dorf Fort Duchesne.