Greenpeace Magazin

Ausgabe 4.17

Essen wertschätzen

Dänemark: Wie es das Nachbarland schafft, ein Viertel weniger Lebensmittel zu verschwenden
 

Essen wertschätzen

Mit Küchenschürze steht Selina Juul beim TED Talk 2012 in Kopenhagen zwischen fünf voll bepackten Einkaufswagen. Einen schiebt die 37-Jährige weg: „Das alles schmeißen wir direkt in den Müll.“ Seither ist viel passiert: In nur fünf Jahren haben es die Dänen geschafft, die Lebensmittelverschwendung um 25 Prozent zu reduzieren. Motor dieses Erfolges ist die von Juul gegründete Organisation „Stop Spild Af Mad“ (Stoppt die Lebensmittelverschwendung). Angesichts leerer Supermarktregale in ihrer russischen Heimat hatte sie schon in jungen Jahren gelernt, Lebensmittel zu schätzen. Die Aktivistin fordert Verbraucher dazu auf, den Inhalt ihrer Kühlschränke zu checken, Kühltruhen regelmäßig auszumisten, Essensreste weiterzuverwerten oder zu teilen. Ihre Botschaft kommt an: Restaurants, Bistros und Bäckereien bieten Reste zum Abholen an. Supermärke verzichten auf verführerische Mengenrabatte und verkaufen nicht mehr lange haltbare Produkte zu Sonderpreisen. Den Geldbeutel freut das: Denn wer nur einkauft, was er auch verbraucht, kann rund 900 Euro pro Kopf und Jahr sparen. stopspildafmad.dk
 

Vanuatu: Aus eigener Ernte
Die Torba-Provinz, eine Inselgruppe im Südpazifik, will innerhalb der nächsten zwei Jahre Junkfood aus dem Westen verbieten und bis 2020 vollständig auf Bioanbau umstellen. Anstelle importierter Fertiggerichte und Süßigkeiten wird es dann heimischen Fisch, Süßkartoffeln und Ananas geben. Auf diese Weise wollen sich die rund 10.000 Inselbewohner vor ungesunden Nahrungsmitteln schützen und ihre kulturelle Identität bewahren – und umweltbewusste Touristen anziehen.

Frankreich: Pestizidfreie Gärten
Im Kampf gegen Pestizide ist Frankreich Vorreiter: Ab 2018 sind dort die für Bienen gefährlichen Neonikotinoide verboten. Außerdem ist die Nutzung von Pestiziden außerhalb der Landwirtschaft untersagt und in öffentlichen Gärten darf nicht gesprüht werden. Ab 2019 dürfen auch Amateurgärtner diese Gifte nicht mehr einsetzen. Das will Frankreich nun auch auf EU-Ebene durchsetzen – ein entsprechender Antrag ist gestellt.

Deutschland: Bonus für Mehrweg
Ökologisches Verhalten wird immer häufiger belohnt: Wer seinen Mehrwegbecher für den To-go-Kaffee mitbringt, muss in vielen Cafés zehn bis dreißig Cent weniger bezahlen. Solche finanziellen Anreize helfen der Umwelt, stärken aber auch das Image des Unternehmens. Allerdings kann das auch schiefgehen: Penny zum Beispiel gewährt zwar zehn Cent Rabatt, wenn der Kunde mit einer Permanenttragetasche einkauft – allerdings gilt das nur für die hauseigenen.