Greenpeace Magazin Ausgabe 1.97

Export: Anschluß verpaßt

Amerikaner und Japaner erobern den asiatischen Markt für erneuerbare Energien. Die Deutschen sehen zu.

Ein Hochzeitsbankett hätte nicht üppiger ausfallen können. Auf mehr als 20 Metern bogen sich die Tische unter Langusten, gegrillten Leckereien und tropischen Früchten. Livrierte Kellner servierten den erhitzten Genießern kalte Erfrischungen und harte Drinks. Doch nicht ein liebendes Paar hatte im Luxushotel in Manila zum Festmahl geladen – amerikanische Hersteller von Solaranlagen wollten mit asiatischen Partnern den Bund fürs Geschäftsleben eingehen.

Die kulinarische Großoffensive war aber nur ein Teil des Kundenwerbens der US-Amerikaner auf der „Manila Renewable Energy“ im Herbst auf den Philippinen, einer der wichtigsten Fachmessen für erneuerbare Energien in der asiatischen Pazifikregion. „Die 30köpfige US-Delegation mit einem hochrangigen Vertreter des Außenhandelsministeriums an der Spitze fing gezielt Repräsentanten der asiatischen Energieversorger ab“, hat Peter Heck beobachtet. Der Berater der Ulmer Firma „Gaiatech“, die sieben Mittelständler aus Süddeutschland repräsentierte, kam kaum zum Zug. Sein neidloser Kommentar: „Professionelle Markterschließung.“

Daß der asiatische Markt für den Einsatz von dezentralen Wind-, Solar- und Biomasseanlagen wie geschaffen ist, haben Amerikaner und Japaner längst erkannt: Eine Milliarde Menschen leben dort ohne einen Stromanschluß – ein „Milliarden-Dollar-Markt, der Hunderttausende neue Arbeitsplätze schafft“, so die Analyse des US-Solarexperten Paul Mycock.

Der thailändische Energiefachmann Krissanapong Kirtikara stützt diese Einschätzung: „Wir erwarten bei den steigenden Energiepreisen innerhalb der nächsten fünf Jahre vor allem einen Solaranlagen-Boom.“ Udo Möhrstedt, Geschäftsführer der „IBC Solartechnik“ aus dem oberfränkischen Staffelstein, hört diese Botschaft mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Technisch sind unsere Anlagen den amerikanischen und japanischen überlegen, aber gegen deren staatlich subventionierte Preise haben wir kaum eine Chance.“

Bei den deutschen Windanlagenherstellern sieht es nicht anders aus. Klaus Krieger von der Firma „Wenus“: „Die amerikanische Regierung hilft ihren Betrieben mit eigenen Instituten, die Windpotentiale auf den ausländischen Märkten zu erforschen.“ Dänen und Niederländer gehen noch einen Schritt weiter. Mit Mitteln aus der Entwicklungshilfe unterstützen sie die Exportgeschäfte ihrer Mühlenbauer mit einer kompletten Finanzierung oder verkaufen die Maschinen zu 40 Prozent unter Listenpreis. Alois Wobben, Geschäftsführer des deutschen Marktführers „Enercon“, sieht gegen eine solche Konkurrenz kaum Chancen auf dem Weltmarkt: „Gerade jetzt, wo uns in Deutschland die Aufträge wegbrechen, sind wir auf den Export angewiesen.“ Hierzulande fehle eine Strategie, um regeneratives Know-how made in Germany im Ausland zu vermarkten, beklagt Klaus Rave von der „Investitionsbank Schleswig-Holstein“. Aus Bonn habe er noch keine entsprechenden Signale vernommen.

Darauf wird Rave lange warten müssen. „Einen Fördertopf für den Export wird es nicht geben“, winkt Paul-Georg Gutermuth, Referatsleiter „Erneuerbare Energien“ im Bundeswirtschaftsministerium, ab. Gefördert werde in Deutschland – und das sei „indirekte Exportförderung“.

Von RALF KÖPKE