Greenpeace Magazin Ausgabe 2.99

Falsche Soldaten - echte Gefahr

Britische Atomzüge sind terroristischen Attacken schutzlos ausgesetzt — entlarvte ein Fernsehkomiker.

Gar nicht amüsiert über den Komödianten Mark Thomas war BNFL, die Betreiberfirma der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield. Mit als Soldaten verkleideten Komparsen, Militärfahrzeugen, einem Hubschrauber und einem Kamerateam deckte der Star des TV-Senders „Channel 4“ Anfang November Lücken beim Schutz von Atomtransporten auf: An einem Bahnübergang nahe des Akw Dungeness muß der Führer eines Zuges mit nuklearen Brennstäben regelmäßig Lok und Waggons zum Stehen bringen, um das Schutzgatter von Hand zu schließen. Dann fährt er den Zug über den Übergang, hält ihn wieder an und öffnet das Gatter. „Wir fanden, das sei der ideale Ort für einen Überfall, und fragten uns, was geschieht, wenn das strahlende Material in die falschen Hände gerät“, erzählt Mark Thomas, der die Episode Mitte Februar senden wollte. „Da haben wir den Zug zur Sicherheit lieber beschützt, wenn BNFL das schon nicht schafft.” Auf die Blamage durch die Fernsehcrew reagierte die wegen Pannen und radioaktiver Lecks vielkritisierte BNFL, die auch Brennstäbe aus deutschen Reaktoren verarbeitet, mit Trotz: Sie verweigert jeglichen Kommentar. Mark Thomas hat dem Atomkonzern nicht zum ersten Mal einen PR-Super-GAU beschert: Er hatte nachgewiesen, daß der Kot von Seemöwen in Sellafield radioaktiv ist.