In eigener Sache

Fashion
for Future

Im Warenhaus des Greenpeace Magazins verkaufen wir wieder Textilien – produziert nach strengem Detox-Standard von Greenpeace. Hier können Sie lesen, wie es dazu kam. Ein Produktkrimi

2011 startete Greenpeace die Detox-Kampagne. Erster Schritt: Proben des Abwassers chinesischer Textilhersteller nehmen. Zweiter Schritt: Mit deren Analysen bestätigen, dass im Abwasser gefährliche Chemikalien enthalten sind. Dritter Schritt: Mit vorbildlicher Kleidung zeigen, dass saubere Produktion möglich ist. Foto: Qiu Bo/Greenpeace
2011 startete Greenpeace die Detox-Kampagne. Erster Schritt: Proben des Abwassers chinesischer Textilhersteller nehmen. Zweiter Schritt: Mit deren Analysen bestätigen, dass im Abwasser gefährliche Chemikalien enthalten sind. Dritter Schritt: Mit vorbildlicher Kleidung zeigen, dass saubere Produktion möglich ist. Foto: Qiu Bo/Greenpeace
In eigener Sache
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Fashion
for Future

Im Warenhaus des Greenpeace Magazins verkaufen wir wieder Textilien – produziert nach strengem Detox-Standard von Greenpeace. Hier können Sie lesen, wie es dazu kam. Ein Produktkrimi

2011 startete Greenpeace die Detox-Kampagne. Erster Schritt: Proben des Abwassers chinesischer Textilhersteller nehmen. Zweiter Schritt: Mit deren Analysen bestätigen, dass im Abwasser gefährliche Chemikalien enthalten sind. Dritter Schritt: Mit vorbildlicher Kleidung zeigen, dass saubere Produktion möglich ist. Foto: Qiu Bo/Greenpeace
2011 startete Greenpeace die Detox-Kampagne. Erster Schritt: Proben des Abwassers chinesischer Textilhersteller nehmen. Zweiter Schritt: Mit deren Analysen bestätigen, dass im Abwasser gefährliche Chemikalien enthalten sind. Dritter Schritt: Mit vorbildlicher Kleidung zeigen, dass saubere Produktion möglich ist. Foto: Qiu Bo/Greenpeace

Mit der „Detox My Fashion“-Kampagne setzt Greenpeace seit acht Jahren die Textilindustrie weltweit unter Druck – und will selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Deshalb startete die NGO die erste nach Detox­-Standards entgiftete Produktion von Kleidung auf Industrieniveau. Seit Dezember 2019 sind die Artikel im Warenhaus des Greenpeace Magazins erhältlich.

Die Aktivisten kamen im Schutz der Dunkelheit, mit Nachtsichtgeräten und Glasflaschen. Ihr Ziel: die mannshohen Abflussrohre chinesischer Textilfabriken. Sie befüllten die Behälter mit der stinkenden Brühe, die sich von hier ungeklärt in die Zuflüsse von Jangtse und Perlfluss ergoss. Die Proben schickte Greenpeace in europäische Labore. Deren Analysen bestätigten den Verdacht: Das Abwasser enthielt einen Cocktail langlebiger und gefährlicher Chemikalien – krebserregend, hormonell wirksam, schädlich für Mensch, Tier und Flora. Viele der Stoffe waren in Europa längst verboten.

Greenpeace veröffentlichte die Namen der Auftraggeber dieser Textilfabriken: Sportmarken wie Adidas, Nike und Puma, Modemarken wie H&M, Lacoste und Calvin Klein. Das war 2011 der Startschuss für „Detox My Fashion“, eine der erfolgreichsten Greenpeace-­Kampagnen weltweit. Im gleichen Jahr belegte die Organisation mit einer weiteren Studie, dass das Gift bis nach Europa gelangt – und wir es direkt auf der Haut tragen. Denn in zwei Dritteln der Markenkleidung, die Greenpeace ins Labor geschickt hatte, fanden sich die gefährlichen Nonylphenolethoxylate (NPE).

Die Arbeitsbedingungen in der chinesischen Textilindustrie sind vielerorts eine Zumutung für Mensch und Umwelt. Die Farben für die Textilien ergießen sich über den Boden, geringe Löhne sind an der Tagesordnung. Foto: Lu Guang/Greenpeace
Die Arbeitsbedingungen in der chinesischen Textilindustrie sind vielerorts eine Zumutung für Mensch und Umwelt. Die Farben für die Textilien ergießen sich über den Boden, geringe Löhne sind an der Tagesordnung. Foto: Lu Guang/Greenpeace
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Acht Jahre später hat die Detox-­Kampagne achtzig globale Marken und Lieferanten mit einem umfassenden Kriterienkatalog auf Entgiftungskurs gebracht – das entspricht etwa 15 Prozent der weltweiten Textilindustrie. Doch bislang konnte noch kein Hersteller die gesetzten Ziele erreichen. 2018 startete Greenpeace deshalb einen eigenen Versuch und initiierte die erste nach Detox­-Standards entgiftete Textilproduktion auf Industrieniveau.

„Weltenretterin“ steht auf dem dunkelroten Nachthemd für Kinder. Ausgebreitet liegt es im Oktober 2019 auf einem Holztisch bei Greenpeace Media in der Großen Elbstraße in Hamburg. Es könnte auch „Detoxed – Entgiftet“ darauf stehen. Denn entlang der Lieferkette wurde alles getan, um Mensch und Natur zu schützen – wie bei allen Produkten, die der schweizerische Baumwoll-­ und Textilproduzent Remei, die litauische Textilfirma Utenos und das Warenhaus des Greenpeace Magazins nun produzieren.

Greenpeace-Aktivisten machen seit vielen Jahren vor den Filialen der großer Mode- und Sportketten auf die Missstände in der Produktion von Textilien aufmerksam. Foto: Martin Norman/Greenpeace
Greenpeace-Aktivisten machen seit vielen Jahren vor den Filialen der großer Mode- und Sportketten auf die Missstände in der Produktion von Textilien aufmerksam. Foto: Martin Norman/Greenpeace
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Vom Baumwollfeld über das Färben und Nähen in der Fabrik bis zum Transport werden Pestizide, schädliche Chemikalien und CO2-Emissionen vermieden, Wasser und Plastik gespart, werden Kleinbauern und Näherinnen fair bezahlt. All das wird auf einer eigenen Website offengelegt. Und das beweist: Eine wirklich saubere, faire und komplett transparente industrielle Produktion ist machbar.

„Diese Kleidung zeigt, was bei Giftfreiheit, Fairness und Transparenz möglich ist. Und zwar nicht in irgendeinem Nähstübchen, sondern auf Industrieniveau“, sagt Kirsten Brodde, Leiterin der Greenpeace-Detox-Kampagne. Die Blaupause für diese Produktion: der neue Greenpeace-Beschaffungsstandard, anwendbar für die gesamte Textilindustrie.

Mona Ohlendorf vom Warenhaus des Greenpeace Magazins und Markus Kunz vom Baumwollproduzenten Remei prüfen das Drucksieb des „Planet Earth First“-Motivs. Foto: Jiri Rezac/Greenpeace Media
Mona Ohlendorf vom Warenhaus des Greenpeace Magazins und Markus Kunz vom Baumwollproduzenten Remei prüfen das Drucksieb des „Planet Earth First“-Motivs. Foto: Jiri Rezac/Greenpeace Media
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„Das ist der Standard für jede Modemarke, die wirklich glaubhaft in Sachen Nachhaltigkeit sein will“, sagt Madeleine Cobbing von Greenpeace International. Unter ihrer Leitung hat die Umweltorganisation diesen Standard zusammen mit dem Textilzertifizierer Oeko-Tex entwickelt.

Er verknüpft auf bisher einzigartige Weise biologisch angebaute Naturfasern, schadstofffreie Produktion und Produkte, faire Bezahlung und Transparenz miteinander. „Und das alles mit allerhöchstem Anspruch und einer Höchstzahl an Tests“, sagt Cobbing. „Würde die gesamte Textilindustrie so handeln, ginge es unserem Planeten deutlich besser.“ Wenn Utenos die Baumwolle bleicht, färbt, wäscht und bedruckt, prüft eine unabhängige Stelle lückenlos, dass nur zugelassene Chemikalien verwendet werden und das Abwasser die Grenzwerte des Standards einhält.

Bei Utenos wird aus Baumwollgarn Stoff hergestellt. Dieser wird nach den weltweit strengsten Standards gewaschen, gefärbt und bedruckt. Foto: Jiri Rezac/Greenpeace Media
Bei Utenos wird aus Baumwollgarn Stoff hergestellt. Dieser wird nach den weltweit strengsten Standards gewaschen, gefärbt und bedruckt. Foto: Jiri Rezac/Greenpeace Media
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„Die Grenzwerte gehen dabei allesamt in Richtung ,nicht nachweisbar‘“, sagt Michael Möller vom Prüfinstitut Hohenstein, einem Mitgliedstinstitut von Oeko-Tex. „Um doppelt sicherzugehen, werden auch fertige Kleidungsstücke auf Chemikalienrückstände geprüft.“ Dies geschieht ebenfalls auf Grenzwerte hin, die eigens für den Greenpeace-Beschaffungsstandard angepasst wurden.

Sind schließlich all diese ambitionierten Anforderungen – sowohl an die Produktionsfirma Utenos als auch an das Nachthemd – erfüllt, stellt Oeko-Tex ein entsprechendes Zertifikat aus. Dieses wird wegen der dafür notwendigen Tests einmal im Jahr erneuert. Bleibt noch der Weg zu den Käuferinnen und Käufern, auch dieser muss so sauber wie möglich sein.

Mitarbeiterinnen der litauischen Textilfirma Utenos arbeiten an den neuen Greenpeace-Textilien, die nach strengen Detox-Standards gefertigt sind. Foto: Jiri Rezac/Greenpeace Media
Mitarbeiterinnen der litauischen Textilfirma Utenos arbeiten an den neuen Greenpeace-Textilien, die nach strengen Detox-Standards gefertigt sind. Foto: Jiri Rezac/Greenpeace Media
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„Um Verpackung und Plastik zu vermeiden, werden die Textilien für den Transport nach Hamburg nicht einzeln verpackt“, sagt Mona Ohlendorf vom Warenhaus des Greenpeace Magazins. Stattdessen werden sie nach Warengruppe und Größe sortiert in großen Plastikbeuteln verpackt. Die Logistikfirma Drei-D verschickt sie dann in recycelten Papierbeuteln und Pappkartons an die Käufer.

Die gesamte Produktion der Textilien ist „CO2- neutral“: „Wir kompensieren die Emissionen entlang der ganzen Lieferkette mit Biogasanlagen und effizienten Öfen in Indien und Tansania“, sagt Jasmin Kurmann, die unser Projekt bei Remei betreut. Und wie sieht die Kollektion aus, abgesehen von ihrer vorbildlichen Produktion? „Moderne Basics in langlebiger Qualität“, sagt Mona Ohlendorf.

Um nachzuweisen, dass eine saubere Produktion auf industriellem Niveau möglich ist, wird bei jedem Schritt der Herstellung und am Ende des Prozesses das Abwasser überprüft. Foto: Jiri Rezac/Greenpeace Media
Um nachzuweisen, dass eine saubere Produktion auf industriellem Niveau möglich ist, wird bei jedem Schritt der Herstellung und am Ende des Prozesses das Abwasser überprüft. Foto: Jiri Rezac/Greenpeace Media
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Heißt konkret: kuschelig weiche, etwas dickere Baumwolle, die nicht nach drei Waschgängen aus der Form gerät, in reduzierten, zeitlosen Designs und mit Aufdrucken, die rasante Modewellen überdauern. Und der Preis? Der liegt natürlich über dem Billigdurchschnitt der Fast-Fashion-Branche. Bleibt aber – mit 23,50 Euro für das Weltretterinnen-Kindernachthemd, 27,50 Euro für ein T-Shirt und 58 Euro für einen Kapuzenpullover – durchaus bezahlbar.

„Das ist ein weiterer Grund für die Produktion der Textilien: Jeder sollte die Möglichkeit haben, saubere Mode zu kaufen“, sagt Ohlendorf. „Deshalb verzichten wir auf Gewinnmargen und können damit eine Qualität anbieten, die zum Beispiel beim T-Shirt im normalen Handel fünfzig bis sechzig Euro kosten würde.“ Und Kirsten Brodde ergänzt: „Nicht unsere Klamotten sind zu teuer, sondern die konventionellen zu billig.“ Einige Textilien tragen den Umweltschutz nicht nur in sich – sondern auch als Botschaft nach außen. Mit diesen Motiven können alle, die für Veränderung einstehen, das auch in die Öffentlichkeit tragen. Als Beitrag für mehr Umweltschutz und als Teil der Greenpeace-Gemeinschaft.

Mehr zu den Detox-Textilien
Die Produkte finden Sie unter greenpeace-magazin.de/shop
Mehr zur Kampagne lesen Sie unter greenpeace.de/detox