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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.15

Fischer müssen draußen bleiben – vorerst

Text: Wolfgang Hassenstein

Die fünf Polar-Anrainer wollen einen unregulierten Fischfang in der zentralen Arktis verhindern. Langfristig haben sie aber womöglich doch deren Ausbeutung im Sinn

„Donut-Loch“ wird die zentrale Arktis auch genannt, jenes 2,8 Millionen Quadratkilometer große Gebiet rund um den Nordpol, das von den Hoheitszonen der fünf Arktis-Anrainer umschlossen ist. Jahrtausendelang war es stets eisbedeckt, nun leckt der Klimawandel an den Rändern. Teile waren bereits in den vergangenen Jahren vorübergehend eisfrei, und schon bald könnte das Polarmeer im Sommer jedem anderen Ozean gleichen.

Jetzt haben Dänemark (für Grönland), Kanada, Norwegen, Russland und die USA beschlossen, die „unregulierte Fischerei“ in der Hohen Arktis zu verhindern. In Oslo unterschrieben Vertreter der fünf Staaten eine Erklärung, in der sie „die entscheidende Rolle gesunder mariner Ökosysteme und nachhaltiger Fischerei für die Ernährung“ anerkennen. Zwar sei eine kommerzielle Fischerei in dem Gebiet in naher Zukunft unwahrscheinlich, aber angesichts der Veränderungen seien Vorsorgemaßnahmen nötig. Gemeinsam wolle man erforschen, welche Folgen der Wandel für das Ökosystem hat. Dabei sollen die Interessen der indigenen Arktisbewohner gewahrt und ihr Wissen über lebende Ressourcen einbezogen werden.

Das alles klingt gut – und ist nach Ansicht von Umweltschützern doch zu wenig. Greenpeace begrüßte die Erklärung als „Mini-Schritt“ in die richtige Richtung. „Aber leider haben die Staaten die Chance verpasst, den dauerhaften Schutz zu beschließen, den die Arktis dringend nötig hat“, kritisiert die Kampaignerin Sophie Allain. Sie fürchtet, dass die Länder langfristig doch die Ausbeutung der Ressourcen anstreben. Greenpeace hat seit 2012 sieben Millionen Unterschriften für ein Schutzgebiet in der Arktis gesammelt.