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Greenpeace Magazin Ausgabe 2.16

Frankenschwein lässt grüßen

Text: Kerstin Eitner

Die US-Lebensmittelbehörde FDA hat erstmals einen genveränderten Lachs für den Verzehr freigegeben. Weitere Tiere aus dem Labor könnten bald folgen

Schweine, die weniger Futter brauchen, Rinder, die mehr Fleisch ansetzen, Schafe, die üppigere Wolle produzieren, Hühner, die nur weibliche Nachkommen haben sowie Nutztiere, die gegen bestimmte Krankheiten resistent sind – weltweit werkeln Forscher am Erbgut von Tieren. 2015 präsentierte das US-Unternehmen Recombinetics die zwei ersten hornlosen Kälber der Holstein-Milchviehrasse, und die britische Firma Oxitec hat bereits Mücken entwickelt, deren Nachwuchs stirbt, bevor er sich vermehren kann. So hofft man Malaria, Gelbfieber und andere Plagen zu besiegen.

Ein Grund für die steigende Zahl der Forschungsprojekte ist ein neues, einfaches und kostengünstiges Hightech-Verfahren, das sogenannte Genome Editing: Eine Erbgut-Schere namens Crispr/Cas erlaubt das zielgerichtete Umcodieren einzelner Genbausteine, und das fast ohne Spuren zu hinterlassen.

So schnell kommt jedoch selbst in den USA kein genverändertes Tier auf den Teller: Das Zulassungsverfahren für den „Turbo-Lachs“ der Firma Aqua Bounty, der fast doppelt so schnell wächst wie seine wild lebenden Artgenossen, dauerte 20 Jahre und kostete rund 69 Millionen Euro. Verbraucher- und Umweltschützer sind empört, dass der Fisch ohne Kennzeichnung verkauft werden soll. Der US-Bundesstaat Vermont will diese vorschreiben; vier Unternehmen klagen dagegen – Ausgang noch offen.

Einige Supermarktketten wollen den Gen-Lachs nicht ins Sortiment nehmen. Der Nahrungsmittelkonzern Campbell’s kündigte an, er werde alle Produkte mit gentechnisch veränderten Bestandteilen kennzeichnen, und fordert darüber hinaus eine nationale Kennzeichnungspflicht in den USA. Dafür hätten sich 92 Prozent der Verbraucher ausgesprochen, und der Kunde sei nun mal König.