Jetzt abonnieren Magazinarchiv durchsuchen
Frau Otto, war  das der Klimawandel?

Greenpeace Magazin Ausgabe 1.18

Frau Otto, war das der Klimawandel?

Text: Bastian Henrichs Foto: Geraint Lewis

Friederike Otto aus Kiel ist mit 35 bereits stellvertretende Direktorin am Institute for Environmental Change in Oxford. Ihr Ziel: beantworten, ob eine Naturkatastrophe wie Hurrikan Harvey vom Menschen verursacht wurde oder nicht. Und zwar möglichst schnell, solange sich die Öffentlichkeit noch für das konkrete Ereignis interessiert. Hier erklärt sie, warum sie sich dabei nicht immer an die Grundregeln der Wissenschaft hält – und warum sie im nächsten Leben gerne ein Mann wäre

Frau Otto, Sie untersuchen den Einfluss des Klimawandels auf Extremwetterereignisse. Hat nach den Herbststürmen in Deutschland bei Ihnen ständig das Telefon geklingelt?
Nein, zum Glück nicht. Oder sollte ich lieber sagen: leider? Jedenfalls ist es so, dass in Deutschland die Attributionswissenschaft, mit der wir Antworten auf akute Klimafragen suchen, noch kaum bekannt ist. Im englischsprachigen Raum wurde schon mehr über unsere Studien berichtet. Auch deshalb kommen Anrufe eher bei international bemerkenswerten Ereignissen.

Da war im September sicher einiges los bei Ihnen.
Nach Hurrikan Harvey stand das Telefon wochenlang nicht still.

Sind Herbststürme in Deutschland wie Xavier oder Herwart überhaupt interessant für ihre Arbeit?
Wir sind abhängig von Projektfinanzierungen, die regionale Schwerpunkte haben, zu denen Deutschland bis jetzt einfach noch nicht gehört. Und erst wenn da die Auswirkungen gravierend sind, wenn viele Menschen ihre Häuser verloren haben, wenn die Schäden außergewöhnlich sind, dann wird in der Regel die Frage wirklich dringlich, welche Rolle der Klimawandel bei diesen Ereignissen gespielt hat.

Und dann wollen die Menschen möglichst schnell eine Antwort.
Genau. Deswegen habe ich 2014 das Projekt „World Weather Attribution“ mitgegründet. Wir veröffentlichen relativ schnell nach einem Extremereignis, also einige Wochen oder Monate später, die Ergebnisse unserer Attributionsstudien. Bei denen lassen wir große Mengen aktueller Daten in Klimamodelle einfließen, um die Frage zu beantworten, ob der menschengemachte Klimawandel unmittelbar Einfluss hatte etwa auf einen bestimmten Hurrikan. Das geht allerdings nur, wenn wir keine Peer Review durchführen lassen, also eine Qualitätssicherung durch unabhängige Dritte derselben Fachrichtung.

Das kommt einer Rebellion gleich. Immerhin hat dieser Prozess in der Wissenschaft eine herausragende Bedeutung. Nur durch die Peer Review, würden viele ihrer Kollegen sagen, kann die Qualität einer Veröffentlichung sichergestellt werden.
Ja, damit schert man schon aus dem üblichen Wissenschaftsprozess aus, und anfangs gab es dafür heftige Kritik. Wenn die Grenze zwischen Wissenschaft und Aktivismus nicht mehr so ganz klar ist wie üblich, dann macht man sich damit bei einigen Kollegen nicht unbedingt beliebt – aus gutem Grund natürlich.

Sie sind Aktivistin?
Sicher nicht! Es ist aber so, dass die Diskussion um die Rolle des Klimawandels beim aktuellen Geschehen in der Öffentlichkeit schon während oder kurz nach einem Ereignis stattfindet. Und wenn nicht wir Wissenschaftler die Frage beantworten, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Ereignis und dem Klimawandel gibt, dann wird es jemand tun, der vielleicht eine politische Agenda hat. (...)

Lesen Sie die Fortsetzung im aktuellen Greenpeace Magazin. Bitte bestellen Sie hier die gedruckte Ausgabe. Sie können das Greenpeace Magazin auch auf Ihrem Tablet und Smartphone lesen. Alle Vorteile finden Sie hier.