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Greenpeace Magazin Ausgabe 1.15

Friedensstimme #4 – Georg Schramm

"Die Reichenarmee hinterlässt ausgeplünderte Länder, zerfallene Staaten und Millionen von Flüchtlingen."
Georg Schramm

Reich gegen Arm
Der Krieg "Reich gegen Arm“ hat Erscheinungsformen eines Drogenkrieges. Erst werden die Länder wie Drogenabhängige mit Billigkrediten angefüttert. Wenn sie sich daran gewöhnt haben, über ihre Verhältnisse zu leben, kommen die Dealer. Neuen Stoff gibt es nur noch zu Preisen, die das Opfer langsam, aber sicher ruinieren. Ende des letzten Jahrhunderts haben das die USA noch mithilfe ihrer Geheimdienste verdeckt praktiziert, heute ist es weltweit offene Praxis.

Wenn dann ein User im Drogenkrieg pleite ist, kommt der Inkassotrupp und holt alles aus der Bude raus, was man zu Geld machen kann: Wasser, Strom, Gasversorgung, Rentenkassen, Gesundheitssystem, Eisenbahn. Der Inkassotrupp des globalen Syndikats heißt in unseren Zeiten IWF, Internationaler Währungsfonds.

Der Dealer selbst ist hochgradig billiggeldabhängig. Auf das bloße Gerücht, der Stoff wird knapp, geraten alle in Panik. Ist der Nachschub gesichert, gibt es eine Riesenparty und der Dax schnellt nach oben. Die Billigproduzenten im Drogenkrieg liefern rund um die Uhr, aber nur an Dealer. Bei denen bleibt der Stoff hängen. In den USA werden jeden Tag zwei Milliarden frische Dollar an die Dealer verteilt. Für 45 Millionen US-Bürger gibt es nur  Lebensmittelkarten, dafür besitzen mittlerweile 700 Personen des globalen Geldsyndikats die Hälfte des weltweiten Vermögens.

Es bleiben zwei Fragen zu klären: Erstens: Warum greifen die Regierungen nicht durch? Die Frage ist leicht zu beantworten: Weil die Regierungen ebenfalls billiggeldsüchtig sind. Sie sind Großkunde beim Dealer. Zweitens: Wie gewinnt man einen Drogenkrieg? Da sind sich die Experten weltweit einig: Man muss das Syndikat und das Drogenkartell zerschlagen. Das wird aber nicht versucht, siehe Frage eins. Stattdessen werden die Endverbraucher auf kalten Entzug gesetzt. Und was passiert im kalten Entzug? Sie fangen irgendwann an zu randalieren, gehen aufeinander los. Und die Reichenarmee zieht weiter und hinterlässt, was der Krieg eben hinterlässt: ausgeplünderte Länder, zerfallene Staaten und Millionen von Flüchtlingen. Das Flüchtlingsheer versucht dann irgendwie das Mittelmeer zu überqueren, trifft am Südufer Europas auf ein Millionenheer junger Arbeitsloser und wir hier sind gottfroh, dass wir zwei Flugstunden davon entfernt im tiefsten Frieden leben.

Georg Schramm, 65, ist einer der bissigsten deutschen Kabarettisten. Dieser Text ist ein Auszug aus einer Rede, die er zum 40. Jubiläum der GLS-Bank im Juni 2014 gehalten hat.