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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.05

Fußball-Profis

Text: Johannes Schweikle

Auch wenn sie selbst nicht damit spielen - im pakistanischen Sialkot nähen sie Bälle für die ganze Welt. Und geraten dabei nun in die Mühlen der Globalisierung.

In der ärgsten Mittagshitze kommen die Kontrolleure nach Kakay Chak. Ihr Ziel liegt mitten im Dorf, hinter dem Hof mit den durchhängenden Stromkabeln. In der Werkstatt treffen sie drei Männer an. Einer schläft ausgestreckt auf dem Boden, einer führt Aufsicht, und Muhammad näht. Er sitzt auf einem niedrigen Schemel und sticht mit der Ahle Löcher in die Ränder der weißen Sechsecke. Dann schiebt er zwei Nadeln gegenläufig durch, wickelt den Faden um die breiten Lederringe an seinen Mittelfingern und zieht die Naht stramm. Seine sehnigen Arme bewegt er so geschmeidig wie ein Turner, seine Zähne leuchten weiß im Schatten des schmalen Raums.

Oben, wo die Wände grün getüncht sind, hängt ein Plakat mit patriotischen Parolen. Unten sind Zeitungen angeklebt, damit der abgebröckelte Putz nicht so auffällt. Auf dem Boden liegen Fadenreste, unter der Decke rührt ein schlapper Ventilator in der stickigen Luft. Muhammad schwitzt im Feinripp-Unterhemd. Der drahtige Mann wirkt jünger als seine 25 Jahre. Sein schmales Gesicht ist fein geschnitten, zum landestypischen Schnauzer trägt er einen Dreitagebart. Heute Morgen hat er um fünf Uhr angefangen, jetzt näht er den siebten Ball. Die Waben sind aus weißem Kunststoff, innen verstärkt mit Polyester-Gewebe, außen verziert mit blauen Streifen und dem Wappen des mexikanischen Fußballverbandes.

Muhammad Arshad lebt im Nordosten Pakistans. In dieser Region werden jedes Jahr rund 40 Millionen Fußbälle genäht, das sind 65 Prozent der Weltproduktion. Nike, Adidas und die meisten anderen lassen hier produzieren. Rund um die Stadt Sialkot leben 35.000 Näher von dieser Industrie, die in Verruf geraten ist: Kinder müssen die lausig bezahlte Handarbeit verrichten, so lautet der Vorwurf. Alle zwei Jahre, vor jeder Welt- und Europameisterschaft, hat die Geschichte von den schmutzigen Bällen in den westlichen Medien Konjunktur.

Als Muhammad in die dritte Klasse ging, starb sein Vater. Unter den fünf Geschwistern war er der älteste Sohn, also musste er jetzt die Familie ernähren. Seit er zehn Jahre alt ist, näht er Fußbälle: 750 Stiche pro Ball, bis zu sieben Bälle am Tag, sechs Tage die Woche. In seinen wachen, dunklen Augen liegt nicht die Spur einer Klage. Vier Jahre, so erzählt er, habe er in Karatschi gearbeitet, in der großen Hafenstadt im Süden. Dort hat er Vorhänge bedruckt. Aber das Nähen ist ihm lieber: „Die Arbeit ist einfacher. Und ich bin in meinem Dorf.“

In Kakay Chak leben 1800 Einwohner in eng verschachtelten Häusern. Die Mauern sind zementgrau verputzt. Die schmalen Gassen sind gepflastert und sauber gefegt. Im Rinnstein stinkt graue Brühe zum Himmel. Ein reicher Mann hat sich zwei Säulen vor sein Haus gebaut und die Kapitelle vergolden lassen. Der kleine Laden gegenüber der Näherei ist blau angemalt, die Fassade ein riesiges Pepsi-Etikett.

Die letzte Naht näht Muhammad mit vorsichtigen Blindstichen. Er darf mit der Nadel die Latexblase nicht verletzen, und der Polyester-Faden muss völlig in der Ritze zwischen den Waben verschwinden. Um zwei Uhr nimmt er sein Hemd vom Haken an der Wand, zieht die Schlappen an und macht Feierabend. Ein Eselskarren bringt große Säcke mit ein paar Hundert Bällen zur Fabrik nach Sialkot. Aus einem grauen Himmel sticht helles Licht. Muhammad will noch Gras schneiden für die Büffel seines Bruders. Mit ihm bewirtschaftet er gemeinsam die Reis- und Weizenfelder, die den Jahresbedarf der Familie decken.

Im holzgetäfelten Präsidentenbüro der Handelskammer von Sialkot sitzt Khawaja Zakauddin. Ein Kristallleuchter hängt über dem riesigen Schreibtisch, auf dem zwei Kugelschreiber in goldenen Haltern paradieren. Zakauddin war in den 90er Jahren Präsident der wichtigsten Institution in der reichsten Region Pakistans; heute ist der 71-Jährige Vorsitzender des Komitees gegen Kinderarbeit. Seine Firma „Capital Sports“ nähte schon Fußbälle, als diese noch aus Leder waren. Dieses Handwerk reicht hier zurück bis in die Kolonialzeit: 1922 verliehen die Engländer einem gewissen Sayed Sahib den „British Empire Export Award“, weil er die Armee mit Fußbällen belieferte.

Khawaja Zakauddin erinnert sich noch genau an den Staatsbesuch der pakistanischen Ministerpräsidentin Benazir Bhutto 1995 in den Vereinigten Staaten. Eine amerikanische Menschenrechtsgruppe nutzte die öffentliche Aufmerksamkeit und zeigte einen Dokumentarfilm, in dem Kinder in Sialkot Fußbälle nähen mussten. „Noch in der Nacht rief mich mein Handelsagent aus den USA an“, erzählt Zakauddin im Tonfall eines müden Patriarchen, „er war ganz aufgeregt.“

Die Klügeren unter den Fabrikanten in Sialkot erkannten schnell, dass dieser Druck des Westens ihrer Industrie das Genick brechen könnte. „Es war eine Forderung der Kunden, unsere Produktion transparent zu machen“, sagt Zakauddin. 1995 setzte man sich bei Saga zusammen, dem größten Hersteller in Sialkot, der für Nike produziert. 1997 unterzeichnete die Handelskammer gemeinsam mit Unicef und der Internationalen Arbeitsorganisation ILO das so genannte Atlanta-Abkommen. Darin verpflichteten sich alle Beteiligten, die Kinderarbeit in der Fußballindustrie von Sialkot abzuschaffen. „Das taten wir nicht nur aus Großzügigkeit“, sagt Zakauddin nüchtern, „für unser Geschäft ging es ums Überleben.“

Die Handelskammer beauftragte ihn, das Abkommen umzusetzen. Die traditionelle Heimarbeit wurde reglementiert: Seither dürfen Firmen ihre Aufträge nur noch an registrierte Nähereien vergeben, in denen mindestens drei Personen beschäftigt sind. Die ILO bildete eine Kontrollkommission, die bis heute ganze Arbeit leistet: Jeden Morgen wählt der Computer der IMAC (Independent Monitoring Association for Child Labor) nach dem Zufallsprinzip die Nähereien aus, die an diesem Tag kontrolliert werden. Jeder Betrieb muss spätestens nach sechs Wochen wieder an die Reihe kommen. Und damit niemand in Versuchung gerät, einen Kontrolleur zu bestechen, dürfen diese nicht zweimal hintereinander in dasselbe Nähzentrum. 97 Firmen lassen sich von der IMAC kontrollieren. Sie stellen 95 Prozent der Exportproduktion her.

Jeden Tag gehen zwölf Mitarbeiter der IMAC mit Jeeps und Motorrädern auf Kontrollfahrt. Da im islamischen Pakistan das ganze Leben nach Geschlechtern getrennt ist, kontrollieren Frauen die Nähereien der Frauen, und bei den Männern sehen Männer nach. Sie prüfen, ob die Liste mit den Stücklöhnen wie vorgeschrieben aushängt, ob jeder Näher mindestens 0,9 Quadratmeter Platz hat. Und die Aufseher der Betriebe zeigen die Verbandskästen fast wie einen Fetisch vor, auch wenn die manchmal nur zwei alte Mullbinden enthalten.

Wirkt ein Näher verdächtig jung, überprüfen die Kontrolleure sein Geburtsdatum. Im vergangenen Jahr stießen sie lediglich auf fünf Fälle von Kinderarbeit. In energischen Schreiben forderte IMAC die Firmen auf, dies zu unterbinden und dafür zu sorgen, dass diese Kinder die Schule besuchen.

„Ich kann nicht ausschließen, dass es in Sialkot Kinderarbeit gibt“, sagt Nasir Dogar vorsichtig. Der Leiter der IMAC spricht ein geschliffenes Englisch und unterstreicht seine Sätze gerne mit einem Zustimmung erheischenden „right?“. „Es kann schon sein, dass in der Landwirtschaft Kinder beschäftigt sind. Oder in den Betrieben, die chirurgische Instrumente herstellen. Aber in der Fußballindustrie wissen die Fabrikanten, dass wir sehr wachsam sind.“

Zu Beginn ihrer Arbeit hat die IMAC die Ursachen der Kinderarbeit untersucht. „Die Armut war nicht der Hauptgrund“, betont Dogar mit Nachdruck. Für pakistanische Verhältnisse sind die Bauern im Punjab wohlhabend. Breite Flüsse bringen das Schmelzwasser des Himalaja in das Fünfstromland, Kanäle so breit wie Fußballfelder führen auch dann noch Wasser in Hülle und Fülle, wenn die Temperaturen weit über 40 Grad steigen. Schwarze Büffel werden zur Tränke geführt, der Weizen wächst, und die Bauern sind stolz darauf, dass sie den besten Basmati-Reis Pakistans anbauen. Bälle nähen war seit Jahrzehnten ein gutes Zubrot, das man sich in Heimarbeit verdienen konnte. Das Pro-Kopf-Einkommen in der Region Sialkot ist doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt.

Zwischen Feldern mit Wassermelonen und Getreide ragen die schwarzgerußten Schornsteine von Ziegeleien in den Himmel. Arbeiter in erdbraunen Kutten brennen neue Backsteine – ein Hinweis auf den Wohlstand des Punjab. In den ärmeren Teilen Pakistans leben die Menschen in Lehmhäusern.

„Für viele Eltern war es einfacher, ihre Kinder zum Nähen als in die Schule zu schicken“, erklärt Nasir Dogar. „Sie sagten sich: Wenn mein Kind zehn Jahre in die Schule geht und dann keine gute Stelle findet, ist es für die Handarbeit verdorben.“

Am Eingang einer Näherei steht mit roter Schrift: „Kinderarbeit & Personen unter 15 Jahren verboten.“ Innen bietet sich ein obszönes Bild: In dem Büro, in dem die Arbeiter jeden Samstag ihren Lohn bekommen, hängt ein Poster mit David Beckham. Die Arbeiter bekommen für jeden genähten Ball rund 50 Cent. Adidas zahlt der Fabrik 4,50 Euro, im deutschen Sportgeschäft kostet der „Fevernova“ zwischen 79 und 100 Euro. David Beckham Superstar verdient im Jahr mehr als 20 Millionen Euro. Auf seinem Plakat steht der Slogan: „Soccer never felt better.“

Muhammad Arshad, der Näher aus Kakay Chak, verdient an einem guten Tag 3,50 Euro. Er hatte nie die Wahl, ob er weiter zur Schule geht oder nicht. Er kann gerade seinen Namen schreiben – und Bälle nähen. Er besitzt kein Radio und kein Fahrrad, das würde 55 Euro kosten. Wenn er seine Verwandten in Sialkot besucht, fährt er zwei Stunden mit dem Bus. Käme er dort auf die Idee, in einem Restaurant der mittleren Klasse zu essen, würde ein Eisbecher ihn den Arbeitslohn von zwei Bällen kosten.

So lange er gesund ist – und er hat noch keinen Arbeitstag wegen Krankheit versäumt –, kommt Muhammad gut über die Runden. Als aber seine Frau im Alter von 20 Jahren herzkrank wurde, musste er seinen einzigen Büffel verkaufen, um die Operation im Krankenhaus von Lahore bezahlen zu können. Einen Monat später starb sie an einem Herzinfarkt.

Das Konzept des fairen Handels hätte hier geholfen. Seit 1998 lässt die „Gepa“ bei „Talon Sports“ in Sialkot Fußbälle fertigen. Bei der besten Qualität zahlt das „Fair Handelshaus“ aus Wuppertal pro Stück einen Aufschlag von 1,60 Euro. Davon bekommt der Näher 25 Cent, den Rest verwaltet die Arbeiterwohlfahrtsgesellschaft und bietet der Belegschaft kostenlose medizinische Versorgung. Zwei Ärzte behandeln pro Woche im Schnitt 250 Patienten. Die schwierigen Fälle überweisen sie auf Kosten der „Workers Welfare Society“ ins Krankenhaus.

Der faire Handel hat bei Talon Sports einen Sozialstandard gesetzt, an dem sich einige Konkurrenten in Sialkot nun nach Jahren des Zögerns orientieren. Einzigartig ist das Darlehensprogramm der Arbeiterwohlfahrt bei Talon: Vom Mehrpreis des fairen Handels vergibt ein Fonds Kleinkredite. So konnte sich zum Beispiel eine Näherin eine Pumpe kaufen, um Reisfelder zu bewässern. Die Darlehen werden nur für Investitionen gewährt, nicht etwa zum Ausrichten einer Hochzeit.

Muhammad Arshad hat vor vierzehn Tagen zum zweiten Mal geheiratet, und dieses Glück strahlt aus seinem ganzen Körper. Sein Onkel hat ihm eine Frau besorgt, und Muhammad hat das Fest ausgerichtet, wie sich das gehört: 50 Gäste haben drei Tage lang gegessen und gefeiert, und den Brautschmuck musste er auch bezahlen. Für die Hochzeit hat er mehr als 800 Euro Kredit aufgenommen – der Arbeitslohn für 1700 Bälle.

Stolz zeigt Muhammad die bunten Girlanden, die noch über dem Ehebett hängen. Die Aussteuer seiner Frau schmückt das Wohnzimmer: Becher und Schalen sind höchst ordentlich auf Borden angeordnet, die weiteren Schätze des Haushalts ruhen in funkelnagelneuen Blechtruhen, obenauf steht die Nähmaschine. Der Lehmboden ist so sauber gefegt, dass man von ihm essen könnte. Die nackten Wände sind mit dem Papier von Kaffeepackungen verziert. Wenn Muhammad Kinder bekommt, werden die beiden Zimmer um den Innenhof zu klein. Ein größeres Haus würde etwa 5500 Euro kosten. „Wenn ich Kinder habe, sollen sie auf jeden Fall in die Schule gehen“, sagt er und lächelt versonnen. Sein Traum wäre ein Sohn, der Lehrer wird.

Heute wird die Kinderarbeit bei uns als Verbrechen angesehen“, sagt Khawaja Masood Akhtar, „die Hilfsorganisationen haben diesen kulturellen Wandel bewirkt.“ Khawaja Masood hat 1990 die Firma „Forward Sports“ gegründet, vor fünf Jahren hat er seine neue Fabrik in Betrieb genommen. Sie steht außerhalb von Sialkot. Ein Monument der Industrialisierung mit verspiegelter Glasfassade, in dem 1700 Arbeiter am Fließband Fußbälle produzieren, hauptsächlich für Adidas. Khawaja Masood ist 55 Jahre alt, trägt das schlichte knielange Hemd der pakistanischen Männer und tritt in Rede und Körpersprache so bescheiden auf, dass man den goldenen Montblanc-Füller glatt übersehen könnte, der in der Brusttasche steckt. Er steht im Park seiner Villa gleich neben der Fabrik. Vier Gärtner pflegen den Springbrunnen und schneiden die Rosen, Pfauen stolzieren über den sattgrünen Rasen in Golfplatzqualität. Und der Hausherr schafft einen seltenen Spagat: Er zeigt seinen Besitz mit solch liebenswürdigem Stolz, dass dies nicht protzig wirkt.

Khawaja Masood hat radikaler als die meisten anderen in Sialkot die Konsequenzen aus dem Wandel der Fußballindustrie gezogen. Um sich nicht dem Vorwurf der Kinderarbeit auszusetzen, braucht er größtmögliche Kontrolle über die Nähereien – also schafft er die kleinen Heimarbeitsstätten ab. Nun unterhält Forward nur noch 20 Nähzentren, ursprünglich waren es 100. In ein paar Jahren sollen alle Näher bei ihm in der Fabrik in großen Hallen sitzen.

Diese Umstellung auf Industrieproduktion wird das Leben der Arbeiter verändern. Mohammad Arshad wird wohl die Freiheiten verlieren, die er in der Klitsche in seinem Dorf genießt. Wenn der Reis reif ist, lässt er einfach Nadel und Faden liegen. Wenn in Kakay Chak eine Hochzeit gefeiert wird, müssen die Bälle für Mexiko halt warten. Wenn er die achtstündige Busfahrt zu seinen Schwiegereltern unternimmt, bleibt er dort so lange, wie er will. Als Industriearbeiter wird er von Montag bis Samstag von 8 bis 17 Uhr in der Fabrik nähen müssen, für Stoßzeiten ist Zweischichtbetrieb vorgesehen.

Der Fabrikant ködert die Näher mit besseren Löhnen und Sozialleistungen: Pro Ball bekommen sie drei Cent mehr, es gibt Fahrt- und Essensgeld, dazu kommen alle Arbeiter samt Familie in den Genuss kostenloser medizinischer Versorgung. Forward hat sogar einen eigenen Krankenwagen angeschafft.

Die Rationalisierung der Produktion hat noch einen zweiten Grund: Forward Sports muss konkurrenzfähig bleiben gegenüber den Chinesen, die den Weltmarkt mit maschinengenähten Billigbällen überschwemmen. Khawaja Masood nimmt diese Herausforderung so couragiert an, dass die Besucher staunen. „Wir liefern Qualität“, sagt der Fabrikant selbstbewusst, „und wenn ich meine neuen Anlagen voll ausgebaut habe, kann ich preislich mit den Chinesen mithalten.“

In seiner Halle arbeitet eine Maschine, die vordem in Deutschland Adidas-Bälle bedruckt hat – viele Konkurrenten in Sialkot lassen noch jedes Sechseck einzeln mit der Schablone färben. Forward experimentiert bereits mit halbautomatischen Nähmaschinen. 23 Produktionslinien arbeiten parallel. In der Qualitätssicherung donnert eine Schussmaschine Testbälle 2000-mal mit 80 Stundenkilometern gegen eine Stahlplatte, ein Metalldetektor durchleuchtet jeden Ball auf abgebrochene Nähnadeln, der „Glanzometer“ prüft, ob das Polyurethan genug glitzert.

Bei der Weltmeisterschaft nächstes Jahr spielt Forward Sports trotzdem nicht mit. Adidas versucht, den Fußball neu zu erfinden und lässt den offiziellen WM-Ball in Thailand fertigen. Er wird nicht mehr genäht, sondern in einem thermischen Verfahren geklebt. „Das ist eine Entscheidung der großen Bosse“, sagt Masood schicksalsergeben, „da kannst du nichts machen.“

Die Tür zum Wohnzimmer von Muhammad Arshad steht offen. Draußen erklingt „Für Elise“ von Beethoven, in diesem Fall die Erkennungsmelodie des Eismanns, die aus dem Lautsprecher am Lenker seines Fahrrads quäkt. Das Licht fällt auf drei silbern glänzende Pokale an der Wand. Muhammad ist der Kapitän des örtlichen Cricket-Teams. Wenn irgendwo ein Feld abgeerntet ist, trainiert er mit den anderen Jungs. Fußball hat er noch nie gespielt; in Pakistan ist dieser Sport kaum verbreitet. Der Name David Beckham sagt ihm gar nichts.

Aber nächstes Jahr soll es zu einer Fernbegegnung kommen. Während Muhammad Arshad Bälle näht, will er sehen, was die Spieler bei der Weltmeisterschaft in Deutschland mit den Dingern machen. „Wir werden einen Fernseher mieten und während der Arbeit zuschauen.“