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Greenpeace Magazin Ausgabe 6.16

Geht runter wie Öl. Ist das gesund?

Text: Kathrin Burger

Palmöl ist vielseitig, billig und deshalb allgegenwärtig. Doch übermäßiger Konsum schadet Gesundheit und Umwelt

Es sind vor allem Länder mit starkem Bevölkerungswachstum, in denen der Palmölverbrauch derzeit rapide steigt. Die Konsumenten in Indien oder auch in China nutzen es vorrangig als Speiseöl. Hierzulande haben die gesetzlichen Vorgaben zur Energiewende die Nachfrage in den vergangenen Jahren stark in die Höhe getrieben. Der größte Teil des in Deutschland verbrauchten Palmöls wird als Agrosprit mit Diesel vermischt oder in Blockheizkraftwerken verfeuert – ein fragwürdiger und von Umweltschützern scharf kritisierter Beitrag zum Umstieg auf nachwachsende Rohstoffe.

Weil die Ölpalme hohe Erträge bringt und die Plantagenarbeiter in Südostasien unter prekären Bedingungen schuften, ist das Öl ein günstiger Rohstoff und für verschiedene Industrien interessant. Dass Palmöl und Palmkernöl aus der Produktion von Lebensmitteln, Kosmetika und Putzmitteln nicht mehr wegzudenken ist, liegt aber vor allem an der vielfachen Verwendbarkeit des Rohstoffs: In den Entwicklungsabteilungen von Lebensmittelherstellern ist Palmöl zur Lieblingszutat avanciert. Denn raffiniert ist es ein schmalzartiges Fett, bei Zimmertemperatur weder fest noch flüssig, und eignet sich deshalb zum Beispiel besonders gut für Brotaufstriche wie Margarine oder Nougatcreme.

Zudem hat Palmöl einen butterähnlichen Geschmack, der Verbrauchern zusagt. Deshalb ist es eine vielfach verwendete Zutat für Gebäck und Kuchen. Obendrein ist es hitzebeständig und wird nicht so leicht ranzig. Produkte mit Palmöl sind länger haltbar als solche mit anderen Fetten. In abgepacktem Christstollen, der von September bis Weihnachten halten soll, steckt daher oft mehr Palmöl als Butter.

Bei Wasch- und Putzmitteln kommt nicht das Öl zum Einsatz, sondern daraus gewonnene Tenside. Das sind waschaktive Substanzen, die Flecken auf dem Fußboden oder im Hemd lösen und in Shampoo sowie Duschgel stecken.

Ob Palmöl gesund ist oder nicht, hängt vor allem von der Art der Verarbeitung ab. Das Öl kommt aus dem Fruchtfleisch der Palmfrüchte. Diese enthalten etwa fünfzig Prozent Öl, davon sind jeweils die Hälfte gesättigte und ungesättigte Fette. Aus den Kernen der Früchte wird zusätzlich Palmkernöl gepresst – mit rund achtzig Prozent gesättigten Fettsäuren. Im Rohöl sind viel Vitamin E und Carotinoide enthalten. Wird es im Zuge der Verarbeitung raffiniert, verliert das Palmöl allerdings seine wertvollen Inhaltsstoffe.

Förderlich für die Gesundheit ist Palmöl auch immer dann, wenn es teilweise gehärtete Pflanzenfette ersetzt, die erhebliche Mengen an Transfettsäuren mit sich führen, die den Arterien schaden.

Wegen seines hohen Gehaltes an gesättigten Fettsäuren steht Palmöl aber im Verdacht, die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes zu begünstigen. Umstritten ist, ob schon bei durchschnittlichem Konsum kritische Mengen mit der Nahrung aufgenommen werden. Schätzungen in Frankreich ergaben einen durchschnittlichen Tagesverbrauch von 5,5 Gramm Palmöl, das entspricht 2,7 Gramm gesättigten Fettsäuren. Der medizinisch empfohlene Grenzwert liegt bei zwanzig Gramm für Erwachsene.

Problematischer ist, dass bei der Raffination sogenannte Fettsäureester entstehen, die sich im Tierversuch als krebserregend erwiesen haben. Vor allem in Säuglingsmilchnahrung sind die Schadstoffkonzentrationen hoch, warnen die Gesundheitswächter der Europäischen Lebensmittelbehörde, weil Kinder gegenüber Chemikalien empfindlicher sind.

In den Anbaugebieten Indonesiens darf zudem Paraquat eingesetzt werden, ein auch für den Menschen giftiges Pestizid, das in den meisten Ländern verboten ist. Die Plantagenarbeiter versprühen es oftmals ohne Schutzanzüge. Höchstwahrscheinlich kommt dieses Gift aber beim europäischen Margarinekonsumenten nicht an, denn es wirkt direkt auf die Unkräuter, gelangt aber nicht über die Wurzeln in die Ölpalme.

Wer Produkte ohne Palmöl konsumiert, schützt also Gesundheit und Umwelt. Am besten ist es, statt verarbeiteter Lebensmittel möglichst frische Zutaten aus biologischem Anbau zu kaufen, die gar kein Öl enthalten. Palmölhaltige Produkte durch solche zu ersetzen, die andere Pflanzenöle enthalten, setzt zwar ein Zeichen – doch ein massenhafter Umstieg auf Soja-oder Kokosöl würden neue ökologische Probleme aufwerfen. Zum Schutz der natürlichen Ressourcen wäre daher ein kontrolliert nachhaltiger Palmölanbau die beste Alternative.