Greenpeace Magazin Ausgabe 4.02

Haushalten. Leben mit nix

Ein Drittel der Afrikaner muss mit umgerechnet weniger als einem Euro am Tag auskommen. Wie geht das?

Christoph Agbonon Houndoga lebt in Gbedahoué, einem Dorf rund 150 Kilometer westlich von Benins Hauptstadt Cotonou. Die Familie des 63-Jährigen ist eine von 15 im Dorf und zahlenmäßig schwer überschaubar. Houndoga zeugte 19 Kinder mit sieben Frauen. Zehn Kinder und drei Frauen leben noch. Zum Hausstand gehören jedoch auch Kindeskinder sowie mehrere Angehörige seiner ebenfalls zahlreichen Brüder und Schwester – insgesamt „mehrere Dutzend“ Menschen, wie Houndoga nach längerem Nachdenken angibt. Jede Ehefrau kümmert sich um die eigenen Kinder und ihren eigenen Haushalt. Diese Teilfamilien wohnen in ihren eigenen kleinen Lehmhäusern. Und der Familienvater kümmert sich gewissermaßen als übergeordnete Instanz um alle.

Die Großfamilie lebt vor allem vom Ertrag ihres eigenen Farmlandes. Auf insgesamt 50 „Quartiers“ – weniger als drei Fußballfeldern – bauen sie hauptsächlich Mais und etwas Kassava an. Doch die Ernte reicht nicht, um alle zu ernähren. Geld für zusätzliche Lebensmittel verdient Christoph Agbonon Houndoga, indem er Holzfiguren schnitzt, was im Monat durchschnittlich 25.000 CFA-Francs (40 Euro) einbringt. Manchmal bestellen andere Dorfbewohner bei ihm auch neue Kleider. Houndoga ist gelernter Schneider und besitzt zwei Nähmaschinen. So kommen noch einmal ein paar hundert CFA in die Kasse. Die Frauen schließlich handeln mit Gebrauchsgegenständen wie Kerze und Seifen und steuern rund 6000 CFA (zehn Euro) monatlich bei.

Das meiste Geld gibt die Familie für Lebensmittel aus. Für Schulgebühren bleiben bloß etwa 15.000 CFA im Monat (25 Euro) übrig, weshalb nur die Hälfte der Kinder zur Schule geht. Als die jüngste Ehefrau auch noch wegen Eiterbeulen behandelt werden musste, wurden zur Begleichung der Arztrechnung zehn der 50 Quartiers Ackerland auf drei Jahre verpachtet. Nun gibt es für weitere Notfälle keine Reserve mehr. Falls noch jemand krank würde, „dann kann uns nur noch Gott helfen“, sagt Houndoga. Da das Geld für Ärzte fehlte, seien neun seiner 19 Kinder an heilbaren Krankheiten gestorben. Der 63-Jährige hofft, dass von den übrigen möglichst viele überleben, damit sie ihn einmal unterstützen können, wenn er selbst zu alt zum Arbeiten ist.