Jetzt abonnieren Magazinarchiv durchsuchen

Greenpeace Magazin Ausgabe 1.15

Helfer ohne Hilfe

Sie haben Deutschland im  Afghanistaneinsatz unterstützt, nun wäre es an Deutschland, ihnen zu helfen. Die Taliban bedrohen afghanische Dolmetscher und andere Mitarbeiter, weil sie auf der „falschen Seite“ stehen. „Schutz in Deutschland“ hatte Innenminister Thomas de Maizière ihnen versprochen, schließlich haben sie die Bundeswehr, die Ministerien, die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und die Kreditanstalt für Wiederaufbau unterstützt. Stattdessen lehnte die Bundesrepublik mehr als die Hälfte der 1169 „Gefährdungsanzeigen“ ab, die die ehemaligen Helfer stellen müssen, um einreisen zu dürfen. Nur 251 von ihnen und 558 Angehörige sind bisher in Deutschland. Das kritisiert eine Lübecker Autorengruppe um Günter Grass in ihrem Appell. „Alle anderen werden der gottgewollten Rache der Taliban ausgesetzt sein, (...) keine Rettung, der Tod ist ihnen gewiss“, heißt es darin. Die afghanischen Helfer müssen beweisen, dass sie bedroht sind, was oft gar nicht möglich ist. In einem offenen Brief beklagen die Dolmetscher des Camp Marmal die Ermordung zweier Kollegen durch die Taliban und fordern: „Lasst uns nicht allein!“
Der Film „Zwischen Welten“ von Feo Aladag zeigt eindringlich das Schicksal eines Dolmetschers. 99 Minuten, erhältlich auf DVD


„Auf den Armeedokumenten steht lediglich die Todesursache. Wir wollen wissen: Wo sind sie umgekommen?“

„Mama, wir fahren in den Krieg. Man schickt uns nach Donezk.“ Am 10. August rief Anton Tumanow seine Mutter zum letzten Mal an, zehn Tage später traf sein Sarg zu Hause ein. Während des Ukraine-Konflikts sammelten die russischen Soldatenmütter tausende solcher Zeugenberichte. Ella Poljakowa wagte es Ende August, die Zahlen öffentlich zu machen: Bis zu 15.000 russische Soldaten seien in den Osten der Ukraine geschickt und hunderte von ihnen bei Gefechten verletzt oder getötet worden. Der Kreml reagierte prompt: Eine Mitstreiterin von Poljakowa musste zwei Tage in Haft, und die Soldatenmütter wurden als „ausländische Agenten“ eingestuft. Damit ist die Gruppe wie bislang insgesamt zwölf Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen staatlichen Repressionen ausgesetzt. Poljakowa hält diesen Einschüchterungsversuch für gesetzeswidrig und will vor Gericht dagegen klagen. Sie fühlt sich an die Zeit der Tschetschenienkriege erinnert, denn auch damals schon hatten die russischen Soldatenmütter Missstände in der Armee angeprangert. Allerdings mit einem Unterschied: „Zu jener Zeit gab es massenhaft Widerstand, die Eltern haben ihre Söhne aus dem Krieg nach Hause geholt. Heute haben die Menschen Angst vor der Staatsmacht.“
soldiersmothers.ru

Ella Poljakowa, 73, ist Vorsitzende des Komitees der Soldatenmütter in Sankt Petersburg. Die 1991 gegründete Gruppe prangert Missstände in der Armee an und erhielt dafür unter anderem den Alternativen Nobelpreis