Greenpeace Magazin Ausgabe 5.14

Hilferuf in Kleidung

Auf einmal war die Realität der asiatischen Sweatshops ganz nah: Als Kunden der Modekette Primark im walisischen Swansea und in Nordirland Ende Juni eingenähte Hilferufe in ihrer Kleidung fanden, brach länderübergreifend Empörung los. Auf den Zetteln schreiben offenbar die Näher, sie müssten arbeiten „wie Ochsen“ und seien zur „Arbeit bis zur Erschöpfung gezwungen“. Einem der drei Hilferufe war ein Ausweis aus dem Xiangnan-Gefängnis in der chinesischen Provinz Hubei beigelegt. Seit Jahren würden Gefangene gezwungen, Kleidung für den Export zu nähen, bis zu 15 Stunden am Tag.

Anstatt um die Arbeitsverhältnisse geht es seither nur um eine Frage: Sind die Hilferufe echt? Primark selbst kommt zu dem Schluss, dass es sich „mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Fälschung in Großbritannien handelt“. Das Unternehmen vermutet eine Kampagne einer Nichtregierungsorganisation, jedoch ohne Beweise.

Schon länger steht die irische Billigkette in der Kritik, ihre Produkte unter schlechten Bedingungen herstellen zu lassen. So ließ sie unter anderem in der Textilfabrik Rana Plaza produzieren, die im April letzten Jahres in Bangladesch Einstürzte und mehr als 1100 Näher in den Tod riss. „Primark muss für Transparenz in seiner Lieferkette sorgen“, kritisiert Berndt Hinzmann von Inkota/Kampagne für saubere Kleidung. „Das sollte für die gesamte Branche gesetzlich verpflichtend sein.“

lohnzumleben.de/primark-firmencheck