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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.15

Hinterzimmer ausleuchten

Pia Eberhardt, 36
Eberhardt legt sich mit den ganz Großen an. Sie will den Einfluss von Konzernen auf die EU-Politik zurückdrängen. Keine leichte Aufgabe: In Brüssel arbeiten rund 30.000 Lobbyisten daran, Gesetze in ihrem Sinne zu beeinflussen, allen voran Interessenvertreter von Nahrungsmittelproduzenten, Saatgutherstellern und Chemiekonzernen. „Sie sitzen in allen entscheidenden Gremien und formen die Politik von Anfang an“, sagt Eberhardt. Auf der einen Seite Ressourcen und Einfluss, auf der anderen der Glaube an Demokratie und Gerechtigkeit: „Wir arbeiten in einem krassen Kräfteungleichgewicht.“ Die 36-Jährige, die sich in der globalisierungskritischen Bewegung politisierte, macht heute mit der Organisation Corporate Europe Observatory das Vorgehen in den Brüsseler Hinterzimmern sichtbar. Sie durchforstet Teilnehmerlisten von nichtöffentlichen Treffen, beobachtet Personalwechsel zwischen Politik und Lobbyverbänden und wertet ihr zugespielte interne Papiere aus. Erfolge wie der umfassende Widerstand gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP treiben die Aktivistin an: „Für mich ist das ,Sichwehren‘ gegen die Profitinteressen einfach alternativlos.“
corporateeurope.org