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Greenpeace Magazin Ausgabe 4.16

Ihre Lupinen sind das neue Fleisch

Text: Andrea Hösch

KOPF Stephanie Mittermaier, Lebensmitteltechnologin, Freising // IDEE Macht Blumen als Nahrungsmittel genießbar // VISION Proteine vom natürlich gedüngten heimischen Acker

Die hochgewachsenen weißen und blauen Kerzenblüten der Lupine haben es Stephanie Mittermaier angetan. Nicht als Tischschmuck, sondern als Essen der Zukunft. „Um den Eiweißbedarf der wachsenden Weltbevölkerung zu decken, brauchen wir pflanzliche Proteine, die ökologisch sinnvoll im großen Stil kultiviert werden – auch bei uns“, sagt die Lebensmitteltechnologin am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik in Freising. Deshalb hat sie jahrelang Lupinensamen in ihre Bestandteile zerlegt und ein neues Verfahren entwickelt, um störende Bitterstoffe zu entfernen: Die Kerne werden nicht wie bisher nur geschält und vermahlen, sondern zu dünnen Flocken verarbeitet und unter hohem Druck entölt – fertig ist das neutral schmeckende und leicht zu verarbeitende Lupinenprotein. Das institutsnahe Start-up „Prolupin“ stellt daraus vegane Produkte wie Milch, Eis, Frischkäse und Nudeln her – ohne den pappeartigen Geschmack, der Sojaprodukten oft nachgesagt wird. „Mich begeistert vor allem die Lupinenmilch, sie schmeckt fast wie Kuhmilch“, sagt die 34-Jährige. Sie selbst isst wenig Fleisch und arbeitet mit ihrem Team daran, bald Fleischersatz aus Lupinensamen herzustellen. Proteine – weder aus Massentierhaltung noch aus Urwaldzerstörung – sind gefragt. Immer mehr Landwirte wollen die Lupine anbauen, zumal sie selbst auf kargen Böden wächst. Die Hülsenfrucht reichert die Erde mit Stickstoff an und düngt sie, ganz natürlich.