greenpeace magazin 1.07

Konzerne mit Problemzonen


 

Der Schweizer Lebensmittelmulti NESTLÉ steht unter Beschuss wegen Kinderarbeit und Kaffeepreisen.

 

Kampagnen & Gegner:

Gentechnik: Nestlé wollte mit dem „Butterfinger“ das erste als genmanipuliert gekennzeichnete Lebensmittel auf den deutschen Markt bringen – scheiterte aber an der Ablehnung der Kunden.

 

Kinderarbeit auf Kakaoplantagen: Die amerikanische NGO „Global Exchange“ ruft zum Boykott von Nestlé auf unter dem Motto „Don’t Buy Nestlé Until Nestlé Buys Fair Trade“. Hintergrund ist die Zwangsarbeit von Kindern auf Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste. Nestlé ist dort der drittgrößte Einkäufer von Kakao. Global Exchange fordert Nestlé auf, nur fair gehandelten Kakao zu kaufen. 2005 hatte auch der International Labor Rights Fund (ILRF) eine Kampagne gegen Nestlé gestartet, weil der Konzern sein Versprechen nicht eingelöst hat, bis zum Juli 2005 alle Kinderarbeit auf seinen Kakaoplantagen in Westafrika zu beenden. 2005 hat der ILRF stellvertretend für drei Kinder aus Mali eine Klage in Los Angeles gegen Nestlé und zwei weitere Firmen angestrengt. Die Kinder waren mit Schlägen gezwungen worden, zwölf bis 14 Stunden am Tag zu arbeiten, was Nestlé bestreitet. Noch läuft der Prozess.

 

Kindernahrung: Bis heute werfen NGOs Nestlé Verstöße gegen den internationalen Kodex zur Vermarktung von Säuglingsnahrung vor. In den 70er-Jahren gab es weltweite Proteste und Boykottaufrufe gegen Nestlé, weil der Konzern mit aggressiven Werbemethoden in vielen ärmeren Ländern Pulvermilch als Ersatz für das Stillen durchsetzte. Die künstliche Säuglingsnahrung ist jedoch gefährlich für die Säuglinge: Zum einen können sich die Armen oft nicht genügend von der Nahrung leisten, ihre Kinder bleiben unterernährt. Zum anderen wird das Pulver oft mit unsauberem Wasser angerührt, tödlicher Durchfall kann die Folge sein. Das International Baby Food Action Network (IBFAN) kritisiert Nestlé aktuell für die Vermarktungspraktiken von Babynahrung in China und der Slowakei.

 

Kaffeepreis: Oxfam setzt sich seit Jahren für einen fairen Kaffeepreis ein und kritisiert deshalb auch Nestlé, einen der vier Kaffeegiganten, die fast die Hälfte des Kaffeemarktes weltweit kontrollieren. Bei Kaffee ist der Erzeugerpreis mittlerweile so niedrig, dass die Kleinbauern in der Dritten Welt davon kaum noch leben können. „Es ist Zeit, sich zu schämen“, sagt Oxfam-Direktor Jeremy Hobbs.

 

Wasser: International monieren Kritiker (ActionAid, Polaris Institute), dass die Wasserkonzerne das Gemeingut Wasser kommerziell ausbeuten, in Flaschen aus umweltschädlichem Plastik abfüllen und dann zu einem tausend- bis hunderttausendfachen Preis weiterverkaufen. Zudem hat das Abpumpen von großen Mengen Grundwasser gravierende ökologische Folgen.

 

Strategien: Nestlé verfolgt hier den gleichen Weg wie die anderen Großen: Einerseits sind Wellness und Gesundheit die wichtigsten Trends, andererseits wird die Ausweitung auf immer neue Märkte weltweit forciert.

 

Gesundheit und Wellness: Nestlé formt sich nach eigenen Angaben gerade von einer Lebensmittel- und Getränkefirma in eine Lebensmittel-, Ernährungs-, Gesundheits- und Wellness-Firma. Dazu gehört auch der Transfer des Gesundheitsimages von einem Produkt auf andere Produkte (Joghurt auf Schokolade). Wenn das in einem Land gelingt, setzt Nestlé auf „Innovation Acceleration Teams“, die dies auch in anderen Ländern durchsetzen.

 

Weltweite Verfügbarkeit: „Unsere Strategie in den sich entwickelnden Märkten beruht auf zwei Prinzipien: Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit. Gerade in den ärmsten Ländern wendet sich Nestlé deshalb an sogenannte ,Nachbarschaftsläden‘, die Menschen mit begrenzter Kaufkraft bedienen, die es vorziehen, täglich in der Nähe ihrer Häuser einzukaufen.“

Beispiel Lima: Dort leben 62 Prozent der Bevölkerung in den Randbezirken der Stadt. Das Nestlé-Team verbrachte drei Tage dort, um „Motivation, Alltagsroutinen und Einkaufsgewohnheiten“ zu erforschen. Sie erfanden das „Nutrimovil“, das auch in schmale Straßen kam und Ernährungstipps gab. Auch auf Märkten stand der Wagen und verkaufte Produkte. Diese Methode „beschleunigte“ den Geschäftserfolg in Peru.

Beispiel Iran: Dort wurde eine Reihe von Maggi-Suppen, Bouillons und Khoresht (Eintopf) eingeführt, nachdem Nestlé-Mitarbeiter 100 Hausbesuche in neun Städten gemacht hatten. 500 Stunden Interviews und Probekochen von 200 Rezepten sicherten „tiefes Verständnis“ für die lokale Küche und Essgewohnheiten.

 

Expansion: Nestlé hat Zukäufe in den „strategischen Gebieten“ Eis und Wellness getätigt: 2006 kauft der Konzern die Eiscremefirma Dreyer und wird Weltmarktführer bei Speiseeis. Außerdem erwirbt Nestlé Jenny Craig, eine amerikanische Firma für Diät-Produkte, die australische Firma Uncle Toby’s, die Frühstücksflocken und Gesundheitssnacks vertreibt und kooperiert mit der französischen Lactalis-Gruppe (Milchprodukte).

 

Soziale Nischen: Nestlé über Nestlé: „Die neue Rolle von Marken: Die Konsumenten interessieren sich heute dafür, wer für die von ihnen gekauften Marken letztlich die Verantwortung trägt. (...) Mit anderen Worten: Das gesellschaftliche Ansehen eines Unternehmens wird zunehmend mit einzelnen Marken assoziiert. Aus diesem Grund nutzen wir unsere Marken vermehrt dazu, das soziale Engagement des Unternehmens zu unterstreichen, und erreichen so eine erstklassige Wettbewerbsposition. Beispiele sind die Markteinführung in Großbritannien von Nescafé Partners’ Blend – ein Kaffee mit Fairtrade-Siegel – und die Zusammenarbeit von Nespresso mit der Rainforest Alliance.“ (aus: Nestlé-Jahresbericht 2005).

 

- 950.000 Euro für die Wasser-Initiative des Roten Kreuzes: Genf, 29. März 2006 – Peter Brabeck-Letmathe, Chef von Nestlé, und Markku Niskala, Generalsekretär des Roten Kreuzes, unterzeichneten einen Partnerschaftsvertrag bis 2008. Nestlé wird in den nächsten drei Jahren 950.000 Euro für die Wasserinitiative spenden.

 

- Nestlé unterstützt den „Global Compact“ der UN, der Unternehmen auffordert, zentrale Menschenrechte, Arbeitsnormen und den Umweltschutz zu respektieren. Die Vereinbarung gilt als unverbindlicher, weicher Kriterienkatalog und geht zurück auf eine Initiative von Nestlé und Kofi Annan, der deshalb oft als NesKofi bezeichnet wird.

 

Literatur & Links:

_ „Drinking Water Crisis in Pakistan and the Issue of Bottled Water: The Case of Nestle’s ,Pure Life‘“ (Nils Rosemann, April 2005)

_ Nestlé. Anatomie eines Weltkonzerns. Attac-Texte, Lausanne 2004

_ Den Jahresbericht 2005 gibt es unter www.nestlé.com, Stichwort: Investor Relations

 

 

FAST FOOD FÜR ZUHAUSE.

 

KRAFT FOODS, der viertgrößte Lebensmittelkonzern der Welt, produziert Industrieessen für ganz Eilige. Das Motto: schneller, billiger, einfacher.

 

Kampagnen & Gegner

Kaffeepreis: Oxfam setzt sich seit Jahren für einen fairen Kaffeepreis ein und kritisiert in der Kampagne auch Kraft als einen der vier großen Kaffeegiganten weltweit (Nestlé, Sara Lee und Procter&Gamble). Bei Kaffee ist der Erzeugerpreis mittlerweile so niedrig, dass die Kleinbauern in der Dritten Welt davon kaum noch leben können.

 

Zigaretten: Kraft steht vor allem in der Kritik, weil die Firma zum gleichen Konzern wie Philip Morris gehört und damit wohl versucht, der Zigaretten-Industrie ein sauberes Image zu verschaffen. Mindestens seit 1994 rufen Anti-Rauchergruppen zu einem Boykott von Kraft auf.

 

Gentechnik: Im Jahr 2000 wurde nicht zugelassener genmanipulierter Mais in Kraft-Produkten entdeckt, die Firma zog daraufhin alle betroffenen Produkte zurück. Auch als kürzlich genveränderter Reis in Lebensmitteln auftauchte, waren Kraft- Produkte betroffen, doch auch hier reagierte der Konzern schnell. Für China beispielsweise sicherte Kraft eine gentechnikfreie Produktion zu, in anderen Ländern ist das noch nicht der Fall.

 

Milcheinkauf: 2002 riefen Milchbauern in den USA zum Boykott von Kraft auf, weil der Konzern zunehmend importierte Milch für seine Käseproduktion benutzt und damit die Milchproduzenten in den USA in den Ruin treibt.

 

Strategien

Marketing: Kraft ist viel stärker auf die USA und Westeuropa zentriert als die anderen großen Lebensmittelkonzerne. Entsprechend US-lastig sind auch die zentralen Marketing-Strategien. Die drei Prinzipen des letzten Jahresberichtes sind: Kunden kommen zuerst; einfach und schnell handeln; spielen um zu gewinnen (play to win).
„Wir konzentrieren uns auf drei Mega-Trends: Gesundheit und Wellness, Geschmack und Convenience.“ Die ultimative Bequemlichkeit erreicht zum Beispiel die neue DiGiorno-Pizza in den USA, die weltweit erste Pizza für die Mikrowelle, die den Geschmack und die Qualität einer Ofenpizza bieten soll. „Damit haben wir die Zubereitungszeit von 20 auf fünf Minuten verkürzt.“

Die Kampagne „Kraft your summer“ stellt erstmals die Firma Kraft in den Mittelpunkt – eingeführte Sommer-Marken wie Kraft-Mayonnaise, -Salatdressing und -Grillsoße wurden zusammen beworben, um den Markenwert zu steigern: „It is so easy to ,Kraft‘ everyday meals into extraordinary ones.“
In Deutschland setzt dagegen die Milka-Werbung auf den Umweltschutz mit dem Projekt „Der Berg ruft“, in dem „die Schönheit der Alpen-Bergwelt in den

öffentlichen Fokus der Verbraucher gerückt“ wird.

 

Expansion: Kraft ist in der Krise, hat gerade mit Irene Rosenfeld eine Frau an die Spitze gesetzt, die 40 Werke schließen und 14 Prozent der Belegschaft entlassen soll. Die Ablösung von Kraft aus dem Altria-Konzern steht bevor, wird jedoch erst stattfinden, wenn Klagen (von Rauchern) in den USA endgültig geklärt sind.

- Kraft kauft momentan vor allem im Keksmarkt zu, hat kürzlich einen Teil des größten britischen Keksherstellers (United Biscuits) und die Markenrechte von Nabisco (Kekse) in der EU, Osteuropa und Afrika erworben.

- In Bahrain baut die Firma gerade eine neue Käse- und Milchpulverfabrik.

 

Soziale Nischen: Wichtigste Öko-Aktivität von Kraft ist momentan ein größeres Angebot von ‚fairem‘ Kaffee.  2006 sollen mehr als 10.000 Tonnen von der Rainforest Alliance zertifizierter Kaffee gekauft werden – fast doppelt so viel wie noch 2005. Allerdings gilt die Rainforest Alliance als eher wirtschaftsnah und weich in den Zertifizierungs-kriterien, so bekommen die Bauern hier 21 Prozent weniger für den Kaffee als beispielsweise bei Fairtrade.
- Kraft sponsorte 2006 die internationalen „Gay Games“ in Chicago. Als Kraft daraufhin von christlichen Fundamentalisten angegriffen wurde, schrieb die
Firma einen bemerkenswerten Brief, in dem es heißt: „Es ist einfach, etwas zu unterstützen, gegen das keiner etwas hat. Der echte Test für Engagement kommt erst, wenn jemand widerspricht, wenn viele dagegen sind. Ich hoffe, Sie haben Verständnis für unsere Haltung zugunsten von Verschiedenheit, inklusive unserem Beitrag für die Gay Games 2006 in Chicago.“
- Ansonsten engagiert sich Kraft wie alle großen Lebensmittelproduzenten in lokalen Gesundheits- und Wellness-Initiativen.

 

Literatur & Links

_ Grounds for Change – ein Bericht über die Kaffeekrise, u.a. von Oxfam.

www.maketradefair.org/en/assets/english/grounds_for_change.pdf

_ 100 Jahre Kaffee HAG. Die Geschichte einer Marke von Kraft Foods Deutschland.

Bärbel Kern, Katrin Laskowski, Silke Puls, Edition Temmen 2006

_ Alle Marketing-Zitate aus: Jahresbericht 2005 unter www.altria.com

 

 

UNAPPETITLICHE GESCHÄFTE

 

UNILEVER verdient Milliarden – Auch, weil der Konzern Teebauern schlecht bezahlt, Die Meere überfischt und Die Umwelt verschmutzt.

 

Kampagnen & Gegner

Unfair gehandelter Tee: Unilever ist der weltweit größte Teeverkäufer, weigert sich laut der NGO ActionAid jedoch, Tee zu fairen Preisen von den Erzeugern zu kaufen. Ähnlich wie Nestlé und Kraft bei Kaffee profitiert Unilever von sinkenden Rohstoffpreisen, während indische Teearbeiter unter immer schlechteren Bedingungen zu leiden haben. ActionAid erkennt zwar an, dass die Firma mit ihren „Initiativen zur sozialen Verantwortung“ Schritte in die richtige Richtung unternommen hat, fordert Unilever aber auf, diese Politik konsequent umzusetzen und faire Handelsbeziehungen mit allen Produzenten in Entwicklungsländern zum Standard im Unternehmen zu machen.

 

Kinderarbeit in Indien: ActionAid wirft Unilever vor, Baumwollsaat aus Kinderarbeit zu kaufen. Zehntausende Kinder –vor allem Mädchen unter zehn Jahren – arbeiteten im Jahre 2003 in Indien auf solchen Farmen.

 

Überfischung der Ostsee: Bird’s Eye und Iglo, zwei der größten Tiefkühlmarken, die bislang zu Unilever gehörten, werden von Greenpeace wegen der Überfischung der Ostsee kritisiert. Die Firma soll Garantien abgeben, keinen illegal gefischten Kabeljau zu verwenden.

 

Umweltverschmutzung in Indien: 2001 hat eine Unilever-Tochter in Indien über sieben Tonnen Quecksilbermüll illegal entsorgt. Nach Greenpeace-Protesten wurde die Quecksilberfabrik geschlossen und der Müll in die USA zum Recyceln geschickt.

 

 

Strategien

Marketing: Wie alle großen Lebensmittelhersteller setzt Unilever auf Wellness und Gesundheit in den Werbebotschaften. Wie Danone hat es auch Unilever geschafft, eine Krankenversicherung zur Kooperation zu bewegen: Der niederländische Versicherer VGZ belohnt seine Versicherten, wenn sie die „pro-activ“- Produkte von Becel kaufen.

 

Unilever über Unilever:

_ „Vitalität“: „Den Menschen helfen gut auszusehen, sich gut zu fühlen und mehr vom Leben zu haben: Erfrischung, Erfüllung und Selbstbewusstsein – ob nun Grundnahrungsmittel wie Knorr oder Lebensmittel, die Sie tatsächlich gesünder machen durch bewiesene Forschung, wie Becel oder Lipton Grüner Tee.“

_ „Wir haben die Gesundheitsvorteile der Marke Becel vom Brotaufstrich zu Milch, Joghurt und Joghurtgetränken ausgeweitet ... und innerhalb von drei Jahren ein 300-Millionen-Dollar-Geschäft kreiert.“

_ „Mit Knorr Vie haben wir mindestens die Hälfte der empfohlenen täglichen Verzehrs von Obst und Gemüse in eine Mini-Flasche gepackt.“

_ „Über 16.000 Produkte hat Unilver auf ihren Gehalt an Transfetten, gesättigten Fettsäuren, Natrium und Zucker geprüft und – wo notwendig – Schritte unternommen, den Gehalt zu reduzieren.“

 

Expansion: Von Unilever sind momentan im Food-Bereich keine besonderen Einkäufe bekannt. Im Herbst 2006 hat Unilever seine Tiefkühlsparte (u.a. Iglo) verkauft, um sich auf andere Geschäftsfelder zu konzentrieren.

- Der größte Wachstumsmarkt für Unilever sind Entwicklungsländer, nach Konzernaussagen möchte man dort weiter ausbauen – Konkretes ist aber nicht bekannt.

- Laut „Sunday Times“ hat Unilever im Jahr 2005 25.000 MitarbeiterInnen entlassen – zehn Prozent der Belegschaft.

 

Soziale Nischen

Unilever hat 2003/4 einen mutigen Schritt gemacht und gemeinsam mit der renommierten internationalen Hilfsorganisation Oxfam eine Untersuchung in Indonesien durchgeführt. Dabei untersuchte Oxfam, welchen Effekt Unilevers Geschäfte in Indonesien haben. Zum Ergebnis schreibt Unilever auf seiner Webseite: „Viele Fragen bleiben nach der Kooperation offen: Was ist ein fairer Preis? Wie viel höher als der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn sollte der Lohn eines multinationalen Unternehmens sein? Ist Marketing für arme Verbraucher hilfreich oder beutet es sie aus? Am Ende bleibt auf beiden Seiten die Einsicht: Armut muss von verschiedenen Richtungen aus angepackt werden. Trotz aller Meinungsunterschiede und schmerzvollen Verhandlungen sagen Unilever und Oxfam, sie hätten mehr Gemeinsamkeiten gefunden als erwartet. Es mag nur ein erster Schritt gewesen sein, aber ein wichtiger Schritt, um zu verstehen, wie die Globalisierung die einfachen Menschen betrifft.“

Den vollständigen Bericht gibt es unter: www.oxfam.org.uk

- Unilever hat eine Partnerschaft mit UNICEF, um die Gesundheit von Kindern zu verbessern.

- In Deutschland wurde gerade eine Kooperation mit der „Arche“ begonnen, einem christlichen Kinder- und Jugendwerk, das neben sozialpädagogischer Betreuung Hilfen für sozial benachteiligte Menschen anbietet.

- Langnese-Iglo unterstützt den Deutschen Kinderschutzbund.

 

Literatur & Links

_ Tea breaks – ein Bericht von ActionAid über die Krise der indischen Teearbeiter-

Innen, unter www.actionaid.org/wps/content_document.asp?doc_id=381.

_ brand eins 8/2005. Die Kunst des Unterschieds – ein Besuch bei Unilever

_ Die Geschichte der Markenmacher – 75 Jahre Unilever. Hoffmann & Campe, 2005;

280 Seiten, 25 Euro

_ Jahresbericht 2005 unter www.unilever.com, weiter: our company/investor centre

 

 

LEERE VERSPRECHEN MIT GESUNDHEIT

 

DANONE lässt die Grenzen zwischen Medikamenten und Nahrung verschwimmen. doch die gesundheitlichen Wirkungen sind vielfach nicht gut Belegt, der Nutzen der „Medizin auf dem Teller“ ist umstritten.

 

Kampagnen & Gegner

Wasser: Danone war bislang vergleichsweise selten Zielscheibe von Kritik und Boykott-Aufrufen. 2005 veröffentlichte das kanadische Polaris-Institut einen Bericht („Inside the Bottle“), in dem die Praktiken der großen Trinkwasserfirmen – darunter auch Danone mit „Evian“ und „Volvic“ – kritisiert wurden. Für wenig bis kein Geld würden sie das Gemeingut Wasser für kommerzielle Zwecke entnehmen, in Flaschen aus umweltschädlichem Plastik abfüllen und dann zu einem tausend- bis hunderttausendfachen Preis weiterverkaufen. Der Wassermarkt gilt als einer der wachstumsstarken Getränkemärkte mit einem weltweiten Marktvolumen von 38 Milliarden Euro jährlich.

 

Werbung: Mehrfach ist Danone wegen irreführender Werbung und übertriebenen Gesundheits-Behauptungen verurteilt worden, so 2004 in Spanien und Österreich.

 

Diskriminierung: 2002 musste McKesson Water Products, eine Tochterfirma von Danone, wegen der Diskriminierung von farbigen Angestellten eine Summe von 1,2 Millionen US-Dollar zahlen.

 

Gentechnik: Laut Greenpeace müht sich das Unternehmen nicht, auf eine Fütterung der Milchkühe ohne Gentechnik hinzuwirken. Tierische Produkte (etwa Milch) müssen aufgrund einer Gesetzeslücke nicht als genverändert gekennzeichnet werden.

 

Strategien

Marketing: Danone setzt auf Gesundheit und verwischt mehr als jeder andere Konzern die Grenzen zwischen Nahrungsmittel und Medikament. Mit „Danacol“ hat Danone jetzt ein Joghurt-Getränk auf den Markt gebracht, dessen Kauf in Frankreich mittlerweile sogar von Krankenkassen finanziert wird, weil es das „schlechte“ Cholesterin senken soll.

- Rezepte und Verkaufsstrategien werden weltweit lokalen Gegebenheiten angepasst. Activia, ein neues Joghurtprodukt, hat in verschiedenen Ländern jeweils einen anderen Fantasienamen für das wohltuende Bakterium im Joghurt. In Russland wird Activia als Kefir verkauft, in Saudi-Arabien als „laban“.

- In südafrikanischen Townships, wo es keine Läden gibt, hat Danone sogenannte Daniladies angeheuert, die von Tür zu Tür gehen und Danimal verkaufen, einen Joghurt speziell für Kinder.

- Aufsichtsratsposten für Zinédine Zidane. Der Lebensmittelkonzern Danone will seinen Werbestar, den Fußballer Zinédine Zidane, nach dessen Karriereende in den Verwaltungsrat berufen. Danone-Chef Franck Riboud bot dem 34-Jährigen einen Posten im Verwaltungsrat an. „Es könnte Wirklichkeit werden – warum nicht?“, sagte Riboud der „Financial Times“. Er habe Zidane schon vor Jahren gefragt, was er nach dem Ende seiner Fußballkarriere machen wolle. „Nichts“, habe Zidane damals entgegnet. „Ich habe ihm gesagt, dass das kein Job ist“, sagte Riboud, der ihm schon damals einen Posten in der Leitung des Nahrungsmittelriesen anbot.

 

Expansion: Der französische Konzern Danone boomt und ist auf Expansionskurs. Vor einigen Jahren wurden fünf Länder als wichtige Expansionsziele („five new frontiers“) identifiziert: China, Indonesien, Russland, Mexiko und – für Milchprodukte – die USA.

Jetzt beginnt der Konzern sein Augenmerk auf Nordafrika, Osteuropa und den Mittleren Osten zu richten. Mittlerweile wird mehr als die Hälfte des Umsatzes außerhalb Westeuropas gemacht. Für Zukäufe sollen in den kommenden fünf Jahren bis zu einer Milliarde Euro ausgegeben werden, kündigte Finanzvorstand Giscard d’Estaing an. Jüngst wurde eine Großmolkerei in der Ukraine gekauft (Roditsch) sowie eine 49-Prozent-Beteiligung an einem dänischen Flaschenwasser-Hersteller.

 

Literatur & Links:

Mehr über Kampagnen gegen Danone und andere große Firmen bei: The Responsible Shopper (englischsprachige Internetseite) www.coopamerica.org/programs/rs

 

„Inside the Bottle“, Polaris Institute, 2005, Report unter:
www.polarisinstitute.org
Jahresbericht 2005 unter www.danone.com, weiter: finance/publications/annual report



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