greenpeace magazin 1.03
Was uns die Lebensmittelindustrie in den letzten drei Jahrzehnten an Skandalen auftischte — eine kleine Auswahl:
1970 Salmonellen im Geflügel
Die Zahl der Salmonellose-Erkrankungen bei Menschen nimmt drastisch zu. Durch die Massentierhaltung und unhygienische Schlachtmethoden sind praktisch alle angebotenen Enten, Hühner, Puten und Gänse mit Salmonellen verseucht.
1971 HCH in Milch und Gemüse
Überwachungslabors entdecken in Milch aus Rheinland-Pfalz Spuren von Hexachlorcyclohexan (HCH). Das Gift ist Bestandteil des Pestizids Lindan und gelangte offenbar vom Acker in den Kuhstall. Auch in den Folgejahren taucht HCH immer wieder in Milch oder Gemüse auf, bis Lindan 1980 endlich verboten wird.
1979 Rattengift in der Milch
In der Nähe von Düsseldorf müssen große Mengen Milch vernichtet werden, weil sie Rattengift und das Schwermetall Thallium enthalten. Thallium ist ein starkes Zellgift, bereits weniger als ein Gramm wirkt tödlich.
1980 Hormon-Skandal bei Kalbfleisch
Obwohl in Deutschland die Anwendung von Hormonen in der Tiermast seit 1958 verboten ist, entdecken Kontrolleure in Kalbfleisch vielerorts das wachstums-fördernde, synthetische Hormon DES (Diethylstilböstrol). Dieses Östrogen kann bei Menschen Krebs auslösen.
1981 Tödliches Olivenöl
Hunderte Menschen sterben und 20.000 erkranken in Spanien nach dem Genuss von gepanschtem Olivenöl. Kriminelle Geschäftemacher hatten das Speiseöl mit giftigen Industrieeschmierstoffen gestreckt.
1985 Glykol im Wein
Österreichische und deutsche Winzer päppeln billigste Rebware mit süß schmeckendem Diethylenglykol zu Qualitätsweinen hoch. In den verwendeten Dosen kann die sonst als Frostschutzmittel benutzte Chemikalie zu Schäden an Gehirn und anderen Organen führen.
1986 Verstrahltes Essen
Bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl werden weite Teile Europas verstrahlt. Zahlreiche im Freien angebaute Lebensmittel können nicht mehr verzehrt werden. Selbst heute sind die Strahlenwerte bei einigen Produkten wie Pilzen, Nüssen und Wild noch gesundheitlich bedenklich.
1987 Methanol im Wein
Um den Alkoholgehalt von Rotwein zu erhöhen, mischen italienische Winzer Methanol dazu, das bei einer Dosis von einem Gramm je Kilo Körpergewicht tödlich wirkt. 100 Menschen vergiften sich, 20 sterben.
1987 Würmer im Fisch
Ein Fernsehbericht deckt auf, dass im Fleisch zahlreicher Speisefische eklige Würmer wimmeln. Weil daraufhin der Absatz einbricht, führt die Fischindustrie strenge Kontrollen ein. Doch auch weiterhin finden sich die so genannten Nematoden im Fisch, wie spätere Untersuchungen zeigen.
1987 BSE-Krise beginnt
In Großbritannien tauchen die ersten von „Rinderwahnsinn“ befallenen Kühe auf. Wahrscheinlich wird BSE durch Futtermittel übertragen, das mit Tiermehl angereichert ist. Über Jahre versuchen Fleischindustrie und Regierung, die Auswirkungen der Epidemie zu verschleiern — insbesondere, dass die Krankheit, die das Gehirn zerstört, auch Menschen befallen kann. Bis die Politik Ende der 90er Jahre schließlich entschlossen gegen die Seuche vorgeht, hat sich BSE über ganz Europa verbreitet. Nun müssen hunderttausende Rinder getötet und vernichtet werden. Bis 2002 sterben nach heutigem Wissensstand 120 Menschen an der durch BSE ausgelösten neuen Variante der Creutzfeldt-Jacob-Krankheit (vCJD).
1996 Nikotin-Hühner
Der wegen seiner industriellen Massentierhaltung umstrittene „Hühnerbaron“ Anton Pohlmann lässt voll besetzte Ställe mit Nikotin desinfizieren. Abertausende Hühner sterben qualvoll, Eier sind nikotinbelastet, und ein Angestellter zieht sich schwere Vergiftungen zu. Pohlmann wird zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.
1999 Dioxin-Hühner
Belgische Futtermittelfirmen mischen dioxinhaltiges Altöl ins Hühnerfutter. Als Folge sind Eier und Hühnerfleisch mit dem Supergift verseucht. Über den Skandal stürzt die Regierung in Brüssel.
2000 Etikettenschwindel bei Biogetreide
Ein bereits einschlägig vorbestrafter Agraringenieur fälscht Herkunftsnachweise und verkauft 29.000 Tonnen konventionelles Getreide als Bioware.
2001 Antibiotika-Schweine
Bayerische und österreichische Tierärzte verkaufen illegal Antibiotika, Impfstoffe und Hormone an Schweinezüchter. Die Mittel, die allenfalls bei Krankheiten erlaubt sind, werden routinemäßig dem Futter zugesetzt, damit die Schweine schneller wachsen und schlechte Haltungsbedingungen besser verkraften. Doch ihr Fleisch ist danach massiv belastet. Wegen der Schlampereien bei der Lebensmittelkontrolle muss die bayerische Gesundheitsministerin zurücktreten.
2002 Nitrofen in Ökoweizen
Große Mengen Ökofutterweizen sind mit dem Krebs erregenden Herbizid Nitrofen belastet. Monatelang fällt der Schadstoffgehalt bei Kontrollen nicht auf. Das Versagen erschüttert das Vertrauen der Deutschen in Biolebensmittel.
2002 Acrylamid in Pommes und Backwaren
Wissenschaftler entdecken, dass beim Backen oder Frittieren von Kartoffeln Krebs erregendes Acrylamid entstehen kann. Bislang gibt es nur einen Grenzwert für Lebensmittelverpackungen. Den überschreiten zum Beispiel Kekse, Chips, Knäckebrot oder Pommes frites oft um das Hundertfache.
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