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Streit ums "weiße Gold"

Naturschützer sind uneinig, ob Namibias und Simbabwes Elfenbeinhandel Elefanten schützt oder die Wilderei anheizt.

Fein säuberlich liegen sie in Regalen gestapelt: Tausende von Stoßzähnen, jeder einzelne von ihnen vermessen, gewogen, registriert. Sie stammen von Elefanten, die eines natürlichen Todes gestorben sind oder legal erlegt wurden. Insgesamt sind es fast 60 Tonnen Elfenbein, die in Lagerräumen in Simbabwe, Namibia und Botswana schlummern – ein kleiner Staatsschatz. Sein Wert: rund 22 Millionen Mark.

 

Lange Zeit war das „weiße Gold“ der südafrikanischen Staaten wertloser Plunder, denn 1989 hat das UN-Artenschutz-Komitee (CITES) den Elfenbeinhandel weltweit verboten. Galt der Handel doch als Ursache dafür, daß die Zahl der Elefanten durch Wilderei rapide zurückging. In Westafrika wurden die Bestände fast ganz ausgerottet, in Ost- und Zentralafrika gingen sie um zwei Drittel zurück.

 

Im Süden des afrikanischen Kontinents jedoch haben sich die Elefanten vermehrt oder sind aus anderen Gebieten zugewandert. Etwa 200.000 Dickhäuter durchstreifen dort die Savanne. Manche sprechen gar von einer Plage, da Elefanten außerhalb der Nationalparks Felder zertrampeln, Bäume kahlfressen und ganze Landstriche verwüsten. Simbabwe, Namibia und Botswana fordern daher, ihre Elefanten bejagen sowie mit Elfenbein handeln zu dürfen. „Schutz durch Nutzung“ lautet das Credo. So könnte reichlich Geld in die Nationalparkkassen fließen und gleichzeitig der Konflikt zwischen Elefant und Mensch entschärft werden.

 

Die Wünsche von Namibia und Simbabwe wurden auf der jüngsten CITES-Konferenz im Februar erfüllt: Seit dem 18. März dürfen sie ihr gelagertes Elfenbein verkaufen. Freigegeben ist der einmalige Export von 33,8 Tonnen ausschließlich nach Japan. Aus Botswana könnten weitere 25,3 Tonnen hinzukommen, wenn das CITES-Komitee überzeugt ist, daß effektive Maßnahmen gegen Wilderei und illegalen Elfenbeinexport getroffen wurden.

 

Für Robert Hepworth, den Vorsitzenden des CITES-Komitees, trägt die Freigabe des Handels zur Rettung der Elefanten bei. Die Einnahmen aus dem Elfenbeinhandel sind seiner Ansicht nach für die Finanzierung der nationalen Schutzprogramme notwendig. Auch Günter Merz vom World Wide Fund for Nature (WWF) fordert neue Finanzierungsmöglichkeiten: „Naturschutz gibt es nicht zum Nulltarif.“

 

Günther Peter von der Aktionsgemeinschaft Artenschutz (AGA) sieht die Freigabe dagegen kritisch. Er ist davon überzeugt, daß die meisten Einnahmen in die Taschen korrupter Politiker fließen.

 

Das Beispiel „Campfire“ zeigt, daß er recht haben könnte. Japan, die USA und die EU unterstützten das Wildnutzungsprojekt seit 1989 mit bisher 50 Millionen Mark. Der Bevölkerung in den umliegenden Dörfern sollte das Geld zugute kommen, das wohlhabende Jagdtouristen für den legalen Abschuß zahlen: bis zu 20.000 Mark pro Tier. Zwei Studien zeigen allerdings, daß die Einnahmen größtenteils in die Kassen externer Organisationen oder privater Safari-Unternehmen flossen. Für die Ortsansässigen blieb bisher so gut wie nichts.

 

Peter Pueschel, Artenschutzexperte bei Greenpeace, ist sich sicher, daß das Prinzip „Schutz durch Nutzung“ beim Elfenbeinhandel versagt: „Die Handelsfreigabe macht jegliche Schutzbemühungen zunichte und ist ein Signal an Wilderer und illegale Elfenbeinhändler, daß sich das Töten von Elefanten wieder lohnt.“ Legt man einen Marktwert von etwa 200 US-Dollar pro Kilogramm Elfenbein zugrunde, so kann ein Wilderer für den Abschuß eines Elefanten weit mehr bekommen, als ein Nationalpark-Ranger im Jahr verdient.

 

Kumi Togawa von der japanischen Wildlife Conservation Society treibt noch ein anderes Problem um: „Der Import aus den drei afrikanischen Staaten befriedigt nicht den gesamten japanischen Markt“, der allein 1989 etwa 100 Tonnen verschlungen hat. „Außerdem können die Zollbeamten nicht garantieren, daß das Elfenbein nicht aus anderen Quellen stammt.“ Sie glaubt, daß unter der zunehmenden Wilderei besonders der asiatische Elefant leiden wird, dessen Bestände noch immer rückläufig sind.

 

Japan wird Elfenbein traditionell zu Kunstgegenständen und Siegelstempeln verarbeitet. Schätzungen über die Zahl der Händler schwanken zwischen 14.000 und 50.000. Deren Überwachung hält Kumi Togawa für unmöglich.

 

Dort, wo das Überleben der Elefanten nach wie vor gefährdet ist, wächst auch auf Regierungsebene die Sorge. Auf den vergangenen beiden CITES-Konferenzen wehrten sich die Vertreter Kenias sowie anderer afrikanischer Länder erfolglos gegen die Handelsfreigabe. In Kenia fielen mehr als 80 Prozent der Elefanten während der 70er und 80er Jahre der Wilderei zum Opfer. Die Schutzmaßnahmen führten seither nur zu einem bescheidenen Anstieg der Bestände von 20.000 auf 22.000.

 

Richard Leakey, Direktor der kenianischen Naturschutzbehörde, befürchtet eine erneute ungehemmte Wilderei. Vorsorglich hat er im Tsavo-Nationalpark die Elefanten zählen lassen, um die Auswirkungen des Elfenbeinhandels dokumentieren zu können. Der Sinn der Erhebung, so Leakey: „Wenn die nächsten Zählungen in Tsavo auf einen Anstieg der Wilderei hindeuten, wird Kenia dafür kämpfen, daß kein Elfenbein mehr verkauft werden darf.“ Die Zusage des CITES-Komitees steht: Wenn Beweise für ein Wiederaufflammen der Wilderei vorliegen, soll der Elfenbeinhandel sofort gestoppt werden.

Von PATRICK HAHN



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