greenpeace magazin 3.99

Island will wieder Wale töten

Vom Jahr 2000 an sollen isländische Fänger in den Gewässern um die Insel wieder Wale jagen dürfen.

Dies sieht zumindest ein Regierungsentwurf vor, den Anfang März der Althing – das isländische Parlament – mit 37 zu sieben Stimmen annahm. Offiziell wurden in Island zuletzt vor zehn Jahren Finnwale zu „wissenschaftlichen Zwekken“ gejagt. Voraussichtlich vom nächsten Jahr an sollen Zwerg-, Finn- und Seiwale harpuniert werden. Mit der Aufnahme des Walfanges folgt Reykjavik dem Beispiel der norwegischen Regierung, die 1993 die Jagd auf Zwergwale wieder zuließ – weltweiten Protesten internationaler Umwelt- und Tierschutzorganisationen zum Trotz und ungeachtet des Fang-Moratoriums der Internationalen Walfangkommission (IWC) aus dem Jahre 1986. Grund für die Bejagung der Wale soll die dramatische Dezimierung von Hering und Kabeljau durch Zwerg-, Finn- und Seiwal sein, behaupten die Isländer. Allerdings verursachen nicht die Wale den Rückgang der Fischbestände, wie die Koalition aus Fischereilobby und Regierung Glauben machen will, sondern vor allem die systematische, über viele Jahre hinweg betriebene industrielle Überfischung. „Wir stehen wirtschaftlich mit dem Rücken an der Wand“, titelte unlängst die größte Tageszeitung Morgunbladíd. Die Isländer haben viel probiert, um Arbeitsplätze zu schaffen – erfolglos. Doch weil Walfleisch in Japan hoch im Kurs steht, würden mit dem Walfang ein paar Fischer beschäftigt, heißt es in Reykjavik. „Wir greifen nach jedem Strohhalm“, meint der linke Parlamentsabgeordnete Hjorleifur Guttormsson.



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