greenpeace magazin 1.99

"Wir brauchen strengere Kontrollen"

Peter Küster, Greenpeace-Experte für internationale Seeschiffahrt, fordert nach der Havarie der „Pallas“ vor Amrum und dem Versagen der Behörden ein strengeres Kontrollsystem für die Hochseeflotte.

GPM: Wie ist das Behörden-Chaos zu erklären, das zur Strandung der „Pallas“ vor Amrum führte?

 

KÜSTER: Es gibt für solche Notfälle ganz klare Zuständigkeiten in Deutschland. Der Fehler liegt nicht im System. Die verantwortliche Person in der Leitstelle in Cuxhaven war überfordet und hat versagt.

 

Wer kontrolliert solche schwimmenden Zeitbomben auf See?

 

Eine vernünftige Kontrolle gibt es nicht. Greenpeace fordert deshalb auch für Hochseeschiffe eine Art „Black Box“, wie sie in Flugzeugen installiert ist. Damit können Schiffe von einem Kontrollsystem erfaßt werden.

 

Die „Pallas“-Betreiber blieben während des Unfalls im Hintergrund. Besteht wenigstens ein ausreichender Versicherungsschutz für das Schiff?

 

Die Betreiber sind klar ermittelt, die „Pallas“ war nach geltendem Recht adäquat versichert. Dieses Recht stammt aber aus den 70er Jahren. Die Höhe der für ein solches Schiff nötigen Pflichtversicherung ist lange überholt, da werden kleine Beträge versichert. Die „Pallas“-Bergung wird mindestens einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. An erster Stelle zahlt die Natur, dann der deutsche Steuerzahler.

 

Wie muß das Seerecht geändert werden, um solche Katastrophen in Zukunft zu verhindern?

 

Greenpeace fordert eine Flaggenhaftung. Das bedeutet: Jenes Land, das ein Schiff registriert und dafür auch Steuern kassiert, muß bei Schadensfällen in eine Vorleistung treten. Dadurch entsteht ein starkes Interesse der zulassenden Länder, die Schiffe in gutem Zustand fahren zu lassen. Außerdem muß ein verbesserter Schiffs-TÜV eingeführt werden.



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