greenpeace magazin 1.99

Rot + Grün = blass

In Bonner Hinterzimmern rauchen die Köpfe. Nach der Kritik am schwachen Start der neuen Regierung suchen die rot-grünen Verbündeten nach einem gemeinsamen Weg für die versprochene Wende. Für den ökologischen Aufbruch fehlen bislang die deutlichen Signale. Der Bundesverkehrsminister schwärmt von Autobahnen und vom Transrapid. Der Koalitionsvertrag lobt die gefährliche Gentechnik für die Landwirtschaft über den Klee. Und der neue Umweltminister sucht noch nach seiner Rolle. Auch der Kanzler traut sich nicht an wichtige Zukunftsfragen: Für die Kohle werden weiter nutzlose Milliardensubventionen gezahlt, aber bei der Deutschen Bahn fehlt das Geld für Investitionen. Den Grünen, die nur 6,7 Prozent der Wählerstimmen erhielten, mangelt es noch an Mumm, um ihre Konzepte gegen den Wahlsieger Schröder durchzusetzen. Immerhin hat Rot-Grün im Koalitionsvertrag (Seite 24) beschlossen, an zwei Punkten Ernst zu machen: bei der Ökosteuer und beim Atomausstieg. Mit den Betreibern der Kernkraftwerke sollen Restlaufzeiten ausgehandelt werden. Die Unterhändler der Bundesregierung könnten unterschiedlicher nicht sein: Zum einen der ehemalige Atommanager Werner Müller, der jetzt das Wirtschaftsministerium leitet, und zum anderen die Atomkraftgegnerin Simone Probst als parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium (Seite 20). Zwei Kulturen treffen aufeinander. Auch bei der Ökosteuer gibt es Streit. Weil der Kanzler es so will, wird Benzin kaum teurer. Wie es in Bonn weitergeht, erläutert der grüne Fraktionschef Rezzo Schlauch auf Seite 22.
Fotos: MAREK VOGEL



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